Kann Literatur uns helfen, Depressionen zu überwinden?

· 15. April 2019

Für die alten Griechen waren Bibliotheken Orte, an denen die Seele heilen konnte. Bis heute ist die Literatur ein therapeutisches Instrument, das uns helfen kann, Depressionen zu überwinden, da ein Buch mehr ist als eine in sich geschlossene Welt. Die Kombination aus Worten und zum Nachdenken anregender Welten ist in der Lage, unser Bewusstsein zu wecken, und ermöglicht es uns, zu vergleichen, zu erforschen und stärker als je zuvor wiedergeboren zu werden.

Wir wollen diesen Punkt noch etwas klarer machen. Der Genuss von Literatur allein wird nicht dazu führen, dass eine Person ihre Depressionen überwindet. Diese Ziel erfordert, wie du vielleicht schon weißt, einen multidisziplinären Fokus. Die Suche nach der richtigen Art von Therapie, Beratung und Medikamenteneinnahme sowie die Einhaltung einer ausgewogenen Ernährung und eines gesunden Lebensstils können Patienten helfen, die mit Depressionen zu kämpfen haben.

Ich habe überall nach Frieden gesucht, aber ich habe ihn erst in den Seiten der Bücher gefunden.“

Thomas à Kempis

Die alten Griechen hatten recht: Bücher sind Heilmittel. Während des Ersten Weltkriegs entdeckte man in britischen Krankenhäuser ebenfalls die Vorteile der Literatur. Viele Soldaten, die Traumata erlitten hatten, fanden innere Ruhe, wenn Ärzte und Krankenschwestern ihnen eine Auswahl an Büchern zur Verfügung stellten.

Literatur kann ein besonderes wertvolles Mittel sein, um unseren Geist wieder in Form zu bringen. Ein Verbündeter des Wandels. Bücher sind wie Orte, die uns helfen, zu heilen und Frieden zu finden, wenn unser deprimierter Geist dem Pfad des Chaos folgt. Sie sind Tabletten für den inneren Frieden und Aufputschmittel für das eigene Wohlbefinden, nur ohne deren gewöhnliche Nebenwirkungen.

Eine Frau sitzt am Fenster und liest ein Buch.

Literatur bei Depressionen – Hilft sie wirklich?

Matt Haig ist ein britischer Schriftsteller, der mit seinem Buch Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben  bekannt wurde. In diesem Buch erzählt er, wie es war, mehrere Jahre an Depressionen zu leiden. Der Autor schrieb aber kein Selbsthilfebuch, sondern wollte einen ganz spezifischen Aspekt beleuchten: Jeder Mensch muss in der Lage sein, seine eigene Strategie zu finden, seinen eigenen wichtigen Grund, sich aus der Dunkelheit zu befreien, einen Motivator für die Wiedergeburt und einen Schlüssel, um die Tür der Depression hinter sich fest zu schließen. Seine Strategie bestand darin, Bücher zu lesen. Genauer gesagt, Belletristik.

Haig kam zu dem gleichen Schluss wie viele Psychologen und Psychiater vor ihm, obwohl letztere darüber noch hinausgehen. Abgesehen von Romanen empfehlen sie vor allem Lyrik als ein außergewöhnliches Hilfsmittel.

Literatur verändert deine Perspektive

Menschen, die an Depressionen leiden, sind Gefangene in einem Raum, in dem sie nicht immer die Kontrolle über ihre Gedanken haben. An diesem Ort ist alles, was sie fühlen, negativ und selbstzerstörerisch.

  • Wenn sie Bücher lesen, müssen sie ihre Perspektive ändern, um Empathie für bestimmte Charaktere zu entwickeln.
  • Ihr Gehirn entspannt sich. Der fragmentierte Geist findet Frieden, indem er sich mit einer Geschichte, mit den Details und mit konkreten Emotionen verbindet.
  • Zur gleichen Zeit sind die Geschichten, welche die Hauptfiguren erleben, voller Veränderungen und Wechsel, genau das, was Menschen mit Depression brauchen.

Ein Roman oder auch ein Lyrikband bieten daher die Möglichkeit, aus einem anderen Blickwinkel zu reflektieren. Sie regen außerdem dazu an, optimistisch in die Zukunft zu schauen und Ziele, Träume und Wünsche zu verfolgen.

Ein Baum wächst aus einem Buch heraus.

Wenn das Buch, das wir gerade lesen, uns nicht wie ein Schlag auf den Schädel wachrüttelt, warum sollte man es überhaupt erst lesen? Damit es uns glücklich machen kann, wie du es sagst? Guter Gott, wir wären genauso glücklich, wenn wir überhaupt keine Bücher hätten. Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not auch selbst schreiben.“

Franz Kafka

Poesie, um die Komplexität des Lebens zu beschreiben

Es heißt, das erste Gedicht sei mehr als 4.300 Jahre alt. Es ist eine Ode an Inanna, eine alte Göttin, und wurde von Enheduanna verfasst, einer akkadischen Dichterin. Doch warum entwickelte sich dieser literarische Stil? Was waren die Absichten von Menschen, die mit Worten, Reimen, Versen und schönen Kompositionen spielten?

Laut einer Publikation des Max-Planck-Instituts für Empirische Ästhetik (Deutschland) erlaube uns die Lyrik, unsere Emotionen mit anderen zu teilen. In schwierigen Momenten, wie wir sie oft erleben, brauchen wir eine Sprache, die in der Lage ist, Konflikte auszudrücken, sie in etwas Einfaches zu verwandeln, mit ihnen zu spielen und sie herauszufordern. Gedichte helfen uns, von unserem Herzen zu nehmen, was uns dort belastet.

Lesende Frau am Meer

Literatur als ein Weg, wiedergeboren zu werden

Obwohl die Leute sagen, dass Literatur wie kleine Orte seien, in die wir uns zurückziehen könnten, ist sie eigentlich unser Ausweg. Wie ein Fenster, aus dem wir die Welt betrachten können. Wie eine Tür, die uns erlaubt, auf die andere Seite zu treten und dort stärker zu werden.

Wenn du liest, erneuerst du dich selbst. Du entdeckst andere Möglichkeiten und organisierst deine Ideen und Vorstellungen. Du fügst neue hinzu und zerstörst die alten. Nachdem wir einen Roman beendet oder ein Gedicht reflektiert haben, ändert sich etwas in uns. Etwas heilt uns und ermuntert uns, die Welt anders, weiser und gesünder zu sehen.

Unterschätze daher nicht die Macht der Literatur, wenn es darum geht, Depressionen zu überwinden. Sie kann ein großartiger Verbündeter für dich sein.