„Als ich mich selbst zu lieben begann“ – ein wunderschönes Gedicht von Charles Chaplin

23. Januar 2018 en Psychologie 2729 Geteilt
Als ich mich selbst zu lieben begann von Charles Chaplin

Eines der berühmtesten Gedichte von Charles Chaplin, das uns gleichzeitig eine fabelhafte Lektion über das persönliche Wachstum lehrt, beginnt folgendermaßen: „Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist – von da an konnte ich beruhigt sein. Heute weiß ich: Das nennt man Selbstvertrauen.“

Die Geschichte besagt, dass es eine Zeit gab, in der in der Welt der Kunst, der Wissenschaft und Kultur zwei Persönlichkeiten weit mehr glänzten als alle anderen. Das waren Charles Chaplin und Sigmund Freud. Während ersterer allen bekannt war und vom Publikum bewundert wurde, schien letzterer den brillantesten Verstand überhaupt zu haben.

„Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten.“

Charles Chaplin

Beide waren so berühmt, dass Hollywood viele Jahre lang versuchte, den Vater der Psychoanalyse dazu zu bewegen, an einer großen Produktion teilzunehmen. Es war im Jahr 1925 als der Direktor der Metro-Goldwyn-Mayer, Samuel Goldwyn, Freud anrief, um seine Werke und Publikationen zu loben. Er nannte ihn „den weltweit größten Experten für Liebe“. Dann schlug er ihm vor, ihn als Berater bei einer neuen Produktion zu unterstützen, nämlich bei Antonius und Cleopatra.  Er bot ihm etwas mehr als $ 100.000 an, aber Freud sagte ab. Der österreichische Psychoanalyst lehnte diese Form der Kunst aus tiefstem Herzen ab, begann, dass Kino und die gesamte Filmindustrie zu hassen.

Doch 1931 schrieb Sigmund Freud einem Freund einen Brief, in dem er ihm offenbarte, dass er einen Menschen, den er ein „Genie“  nannte, sehr bewunderte. Jemanden, der in seinen Augen der Welt das Bewundernswerte und Inspirierende am Menschen zeigte. Das war Charles Chaplin.

Sigmund Freud und Charles Chaplin

In jenem Brief analysierte Freud, was Chaplin in all seinen Filmen über sich selbst vermittelte: einen von Grund auf bescheidenen Menschen, der eine schwierige Kindheit erlebt hatte und trotz allem seinen Werten treu blieb. Deshalb kümmerten ihn die täglich erlebten Strapazen nicht. Chaplin bewahrte sich sein demütiges Herz. Trotz der Widrigkeiten, auf die er in dieser komplexen und ungleichen Gesellschaft stieß, konnte er seine Probleme immer lösen – dank der Liebe.

Wir wissen nicht, ob Freud mit seiner Analyse richtig lag, aber zumindest war es das, was er in seinen Filmen, und vor allem in seinen Gedichten vermittelte. Authentische Lektionen über die Weisheit und das persönliche Wachstum.

Charles Chaplin: der Mann hinter dem Gedicht

Man erzählt sich, dass Charles Chaplin dieses Gedicht, As I began to love myself,  schrieb, als er 70 Jahre alt war. Manche behaupten aber, dass diese Zeilen gar nicht sein eigenes Werk seien, sondern eine etwas freie Adaptation eines Abschnitts aus dem Buch When I Loved Myself Enough  von Kim und Alison McMillen. Ganz gleich was nun die Wahrheit ist, möchten wir nicht ungesagt lassen, dass es nicht der einzige Text von Chaplin ist, der aus solch schönen, einzigartigen und bereichernden Zeilen über die Macht und den Wert unseres Verstands besteht.

So gibt es zum Beispiel auch das Gedicht Lebemit dem er uns unter anderem daran erinnert, dass die Welt denen gehört, die sich trauen, nicht nur durchs Leben zu wandeln, sondern auch zu kämpfen, fühlen, erleben und mit Entschlossenheit zu lieben. Daher ist es nicht wirklich wichtig, ob das nachfolgende Gedicht eine Adaption eines bereits bestehenden Werkes ist oder ob es dem Geist und Herzen dieses ikonischen Genies entsprungen ist, der uns mit seiner Gangart, seinem Schnurrbart und Stock in den Bann zog.

Charlot, diese verwahrloste Persönlichkeit, der einsame Landstreicher, Dichter und Träumer, der immer auf der Suche nach einer Idylle oder einem Abenteuer war, hatte einen sehr klaren Verstand: den eines Mannes mit sehr deutlichen Vorstellungen darüber, was er vermitteln wollte. Und was er uns in seinen Produktionen zeigte, fügt sich perfekt in jedes der Worte dieses Gedichts ein. In seinen Memoiren erzählt er, dass jedes der Attribute, die seine Figur einkleideten, eine Bedeutung hatte:

  • Seine Hose trotze allen Überzeugungen.
  • Sein Hut und sein Gehstock waren ein Versuch, sich ehrenwert zu zeigen.
  • Sein Bärtchen ein Ausdruck leichter Eitelkeit.
  • Seine Stiefel die Hindernisse, die jeden Tag auf dem Weg der Menschen auftauchen.

Charles Chaplin mit Hund

Charles Chaplin versuchte uns durch die Unschuld seines Charakters wachzurütteln und uns die Augen für die komplexen Widersprüche unserer Welt zu öffnen. Ein Ort, an dem nur unsere menschlichen und psychischen Stärken mit der Unvernunft, Ungleichheit und der Gegenwart des Bösen umgehen könnten. So etwas haben wir ohne Zweifel in Der große Diktator  gesehen, als er uns dazu einlud, uns viel mehr mit uns selbst und dem Rest der Menschheit zu verbinden sowie unsere Rechte und die unseres Planeten zu verteidigen.

Auch heute noch – und da sind wir uns wohl alle einig – ist das Vermächtnis von Chaplin populär. Wir greifen immer wieder gern darauf zurück und es ist einfach nicht mehr wegzudenken. Denn die Lektionen, die in den Tragikomödien verdeutlicht werden, bringen uns zum Nachdenken. Und Gedichte wie „Als ich mich selbst zu lieben begann“ sind Geschenke für unser Herz und direkte Einladungen dazu, uns selbst zu verbessern.

Als ich mich selbst zu lieben begann  von Charles Chaplin

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist –
von da an konnte ich beruhigt sein.
Heute weiß ich: Das nennt man Selbstvertrauen.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man authentisch sein.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich: Das nennt man Reife.

Als ich mich zu lieben begann,
verstand ich, wieso es schadet, zu versuchen,
eine Situation oder einen Menschen zu zwingen, nur um das zu bekommen,
was ich will, obwohl ich weiß, dass der Moment oder die Person (vielleicht ich selbst)
einfach noch nicht dazu bereit ist.
Heute weiß ich, der Name dafür ist: Respekt.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „gesunden Egoismus“,
aber heute weiß ich: Das ist Eigenliebe.

Charles Chaplin mit einer Schauspielerin

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich: Das nennt man Einfachheit.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: Das nennt man Demut.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo alles stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag und nenne es Bewusstheit.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: Das ist das Leben!

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