Machiavellisten – oder wenn der Zweck die Mittel heiligt

5. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Männliches Gesicht mit Farbe als Symbol für Machiavellisten

Für Machiavellisten ist der beste Umgang mit ihren Mitmenschen, ihnen zu schmeicheln und all das zu sagen, was sie hören wollen. In diesem Persönlichkeitsprofil verbindet sich eine tiefe emotionale Distanz mit einer zynischen Haltung und einem charismatischen Charakter, der Machiavellisten zu großen Meistern der Manipulation und des Schwindels macht. Damit sind sie auch das Paradebeispiel für risikobehafteter Partner.

Wer Niccolo Machiavellis Der Fürst  gelesen hat, wird zweifelsohne diese und viele andere Eigenschaften wiedererkennen, die diese Menschen ausmachen. Menschen, denen jener Philosoph und Politiker des 16. Jahrhunderts seinen Namen gab. Erinnern wir uns zum Beispiel daran, was Machiavelli selbst über all jene gesagt hat, die sich in einer Position der Macht befanden: auf Tugenden wie Ehrlichkeit verzichten, solange Betrug oder Verrat erlauben, bis das angestrebte Ziel erreicht ist.

Im Gegensatz zu Soziopathen haben Machiavellisten jederzeit die absolute Kontrolle über das, was sie tun.

Nun brauchen Machiavellisten Machiavelli nicht zu lesen, um sich davon zu überzeugen, der Zweck heilige jedes Mittel. Tatsächlich müssen sie auch nicht in der Politik tätig werden, um diese Art von Strategie anzuwenden. Der Machiavellismus ist ein ziemlich häufiges Persönlichkeitsmerkmal und bildet in vielen Fällen eine Komponente dessen, was in der klinischen Psychologie als „dunkle Triade“ bekannt ist und die Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus in einem ebenso gefährlichen wie beunruhigenden Charakter vereint. Es ist jedoch anzumerken, dass es üblicher ist, diese Dimensionen voneinander getrennt zu sehen.

Im Folgenden betrachten wir dieses Thema etwas tiefgründiger.

Von geometrischen Körpern umgebene Frau

Machiavellistische Menschen: Sind sie geboren oder gemacht?

Wir alle können irgendwann einmal täuschen und jemanden mehr oder weniger stark manipulieren, um eines unserer Ziele zu erreichen. Allerdings zeigen die meistens von uns dieses Verhaltensmuster nur isoliert, ja sogar mit guten Absichten oder als Reaktion auf einen Schutz- oder Überlebensinstinkt. Zum Beispiel: „Ich werde diese Person dies und jenes glauben machen, damit sie mich in Ruhe lässt, damit sie mich nicht wieder belästigt und erkennt, dass ich nicht an ihr interessiert bin.“

Machiavellisten hingegen denken, dass es eine naturgegebene Verhaltensweise sei, Menschen zu benutzen, um eigene Ziele zu erreichen. In vielen Fällen nehmen sie sogar an, dass diejenigen, die dies nicht tun, nur wenig Beachtung verdienten, weil sie wenig „clever“ seien. Wie die Psychologen Richard Christie und Florence Geis, Erfinder des MACH-IV Test, mit dem Machiavellismus gemessen wird, erklären, gehen Machiavellisten davon aus, dass „es so viele Narren gibt, die ausgenutzt werden müssen“.

Nun, während es in der Politik nicht an Menschen mangelt, die in derartigen Künsten gebildet sind, können wir auch im täglichen Leben viele Menschen treffen, die diese Art von Strategien verfolgen, in denen sie andere als Instrumente betrachten. Bedeutet das, dass wir es mit einem genetischen Merkmal zu tun haben, dass man als Machiavellist geboren wird?

Junge spielt mit einem Dinosaurier

Experten sagen uns, dass, obwohl es in einigen wenigen Fällen Hinweise auf eine Veranlagung zur Psychopathie gebe, der Machiavellismus weitgehend das Ergebnis einer mangelhaften Erziehung oder einer Erziehung sei, nach der die Verhaltensmuster eines Elternteils imitiert würden.

Wie sind die Machiavellisten?

So ziemlich jeder hat schon einmal mit dem typischen Teamleiter oder Manager zusammengearbeitet, der es gewohnt war, damit durchzukommen, andere zu seinem persönlichen Vorteil auszunutzen. Dieses Verhalten tritt auch in Beziehungen und sogar bei Kindern auf, die ihre Klassenkameraden erpressen, bedrohen und missbrauchen.

Die machiavellistische Mentalität existiert, kommt häufig vor und hinterlässt ihre Nachwirkungen bei denen, die darunter leiden. Daher ist es wichtig, ihre Hauptmerkmale zu erkennen.

Machiavellisten sind:

  • Sehr gut darin, die Schwächen anderer Menschen zu erkennen.
  • Sehr gute Planer. Sie entwickeln ausgefeilte Strategien, um andere zu manipulieren, das richtige Wort zur richtigen Zeit zu sagen und so ihrem Opfer nahezukommen.
  • Ehrgeizig. Sie kontrollieren ihre Impulse gut, um immer den maximalen Nutzen zu ziehen, bevorzugen die großen Gewinne, die sie auf lange Sicht erzielen können, und sind sehr geduldig, wenn das Ziel profitabel ist.
  • Charismatisch und charmant. Sie wirken mitunter gar bescheiden.
  • Sehr nützlich in konkurrierenden Arbeitsumgebungen, für Debatten, Verhandlungen, etc. Auf persönlicher Ebene ist es jedoch üblich, dass sie Beziehungen nicht auf Dauer aufrechterhalten können.

Wie wird Machiavellismus behandelt?

Die größte Schwierigkeit im Umgang mit dieser Art von Persönlichkeit besteht darin, dass der Machiavellist in der Regel kein Problem in seiner Art zu sein sieht. Sie wird als hochfunktional empfunden. Und das ist alles, worauf es ankommt. Seine Lebenseinstellung basiert auf Utilitarismus und Materialismus, misst der emotionalen Ebene keinen Wert bei. Daher ist er sich selten der Auswirkungen seiner Vorgehensweisen auf andere bewusst.

In den wenigen Fällen, in denen eine machiavellistische Person in die Praxis eines Psychologen kommt, ist das meist auf familiären Druck oder gerichtliche Anordnungen zurückzuführen. Wir müssen bedenken, dass diese Art von Persönlichkeit wegen ihrer Tendenz zum Betrug häufiger vor Richtern steht.

Junger Mann streift seine Maske ab

Im Allgemeinen wird Machiavellisten eine kognitive Verhaltenstherapie empfohlen. Damit kann es möglich sein, sie auf ihr Verhalten aufmerksam zu machen, ungeordnete Gedanken und Gefühle zu erkennen, um sie zu transformieren und einem integrativeren und respektvolleren Verhalten Gestalt zu geben.

Abschließend weisen wir jedoch darauf hin, dass die Behandlung von Machiavellisten sehr erfahrene Fachleute erfordert. Nur ihnen kann es gelingen, die geschickten Tricks der Täuschung, Suggestion und Manipulation, die sie üblicherweise anwenden, zu entlarven.

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