Ich habe es gelernt, nutzlose Diskussionen zu vermeiden

· 28. November 2016

Vielleicht liegt es an zunehmender Reife, dem Alter oder Resignation, aber irgendwann realisiert jeder, dass es manche Diskussionen einfach nicht wert sind, sie zu führen. An diesem Punkt ziehen es die Leute vor, zu schweigen und zu lächeln, ohne sich vollkommen zu verlieren. Sie verstehen, dass es keinen Sinn macht, jemandem Erklärungen zu liefern, der nicht verstehen will.

Es wird oft gesagt, dass Streiten eine Kunst ist, bei der jeder eine Aussage treffen, aber niemand das Urteil fällen kann. Wir gehen noch einen Schritt weiter: Manchmal sind Diskussionen wie eine musikalische Partitur, in der der Musik noch der Ton fehlt. Und jeder will der Sänger sein. Das kann sehr anstrengend sein. Und was passiert, wenn du bestimmte Diskussionen eigentlich einfach nur vermeiden willst, weil du das Gefühl hast, schon verloren zu haben, bevor du überhaupt begonnen hast?

Manchmal liegt es an der Zeit oder ganz einfach an mir, aber es gibt Dinge, über die ich einfach nicht mehr reden will.

Das Gute ist, dass uns die Psychologie und die Philosophie bestimmte Strategien beigebracht haben, mit denen wir uns aus solchen Diskussionen befreien können. Gute Diskussionen verlangen nach Heuristik und gutem emotionalen Management.

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Diskussionen, die keinen Sinn haben

Reife ist nicht vom Alter abhängig, sondern eher davon, in dieser persönlichen Phase anzukommen, in der du dich nicht mehr hintergehen willst. In der du damit beginnst, eine innere Balance zu finden, deine Worte zu hören, das respektierst, was du fühlst und über alles reflektierst, was du erfahren hast. Das ist der Zeitpunkt, zu dem du dir bewusst wirst, was deine Mühe verdient und wovon du dich distanzieren solltest.

Sagen wir zum Beispiel, du pflegtest lange Jahre eine komplizierte Beziehung zu einem Familienmitglied. Wenn ihr euch unterhalten habt, war es, als würdest du ohne Fallschirm einen Abgrund aus Diskussionen, Negativität und Stress herunterstürzen. Jetzt hat sich allerdings alles geändert und zwar nicht, weil sich eure Beziehung gebessert hat, sondern weil ihr gegenseitig eure Unterschiede akzeptiert habt. Ihr habt euch für respektvolle Stille entschieden, ohne dass jemand gewinnt oder nachgibt.

Eran Halperin ist ein israelischer Psychologe, der sich auf Streit und Konfliktresolution im Feld der Politik spezialisiert hat. Aber seine Theorien können auch auf das Alltagsleben angewandt werden. Er sagt, dass komplizierte und hitzige Streits Drohungen als eine psychologische Komponente enthalten, nämlich das Gefühl, dass jemand versucht, dich oder deine Prinzipien zu verletzen.

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Reife bedeutet auch, das innere Vertrauen zu besitzen, dass bestimmte Menschen und ihre Argumente keine Bedrohung für dich darstellen. Jemand, der dich vorher mit seinen Worten genervt hat, macht dich jetzt nicht mehr ängstlich oder wütend. Respekt, Akzeptanz der anderen Person und Selbstbewusstsein sind deine besten Verbündeten.

Die Kunst des intelligenten Streitens

Du weißt, dass es bestimmte Diskussionen gibt, für die du deine Energie nicht verschwenden wirst. Aber du weißt auch, dass jeden Tag verhandelt werden muss, sodass man in Harmonie koexistieren, seine Beziehungen aufrechterhalten, seine Ziele erreichen und sogar Einigung mit seinen Kindern finden kann. Diskussionen sind Teil dieser Verhandlungen.

Wir lernen schnell, zu hören, aber lernen, zuzuhören, ist weitaus schwieriger.

Für die Kunst des intelligenten Streitens ist nicht nur eine gute Strategie nötig, sondern auch gutes emotionales Management, von dem wir alle wissen sollten, wie es funktioniert.

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Eines der wichtigsten Dinge, das wir im Kopf behalten sollten, ist, dass Diskussionen nicht immer einen Gewinner hervorbringen müssen. Die Kunst des effektiven Diskutierens beinhaltet auch, die subtile Weisheit zu besitzen, dass sich beide Parteien in der Mitte treffen und so eine Art Verständnis erreichen können. Das kann nur auf die folgende Art und Weise erreicht werden:

  • Zuhören statt nur zu hören. Kein Dialog kann effektiv sein, wenn wir es nicht schaffen, empathisch zuzuhören.
  • Die mächtige Fähigkeit, die Perspektive der anderen Person zu verstehen. Das erfordert viel Anstrengung und einen starken Willen, aber die Botschaft und die Sichtweise der anderen Person zu verstehen ist essenziell.
  • Vermeide es, defensiv zu werden. Diese Idee stammt wieder von Eran Halperin: In dem Moment, in dem du dich bedroht fühlst, gerät die Diskussion aus den Fugen. Die Beteiligten bauen emotional Mauern auf und Verständnis rückt außer Reichweite.
  • Selbstkontrolle. Es ist unabdingbar, seine Emotionen richtig zu managen, besonders Wut und Groll. Sie ticken wie Zeitbomben, die nur darauf warten, zu explodieren.
  • Vertrauen. Es ist wichtig, darauf zu vertrauen, dass ihr euch am Ende wirklich verstehen werdet. Aber damit das passieren kann, musst du es auch wollen und du musst respektvoll sein. Benutze Sätze wie: „Ich verstehe“, „ich weiß, dass das stimmt“,  und, „das ist möglich.“  Das sind alles Türen zum Verständnis, um sich in der Mitte zu treffen, in der beide gewinnen können.

Denn Diskussionen, die es wert sind, sie zu führen, sind die, die dir erlauben, zu einer Einigung zu kommen, mit der ihre beide leben und glücklich werden könnt.

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