Die bewusste Beziehung – für das Wachstum beider Partner

23. November 2016 en Psychologie 57 Geteilt
Partner halten sich an den Händen

Wir leben in einer Zeit, in der sich Partnerschaften bzw. das Konzept von Liebesbeziehungen grundlegend verändert. Was wir auf jeden Fall sagen können, ist, dass das aktuelle Modell nicht aufgeht. Viele Menschen sind in der Liebe unzufrieden, viele wissen nicht, was sie tun sollen, damit eine Beziehung funktioniert, weil ein Großteil der traditionellen Vorstellungen, die die Erwartungen und Gefühle in diesem Zusammenhang ordneten, veraltet und überholt sind.

Aber wie hat dieser Wandel auszusehen, den wir brauchen, um eine zufriedenstellende Partnerschaft zu haben? So wie es auch bei vielen anderen Dingen der Fall ist, besetzt etwas Neues den Platz der traditionellen Vorstellungen, wenn sie verloren gehen. In Bezug auf Beziehungen sollte der neue Trend unbedingt in Richtung einer bewussten Beziehung gehen.

„Liebe so, wie du geliebt werden möchtest, frei und ohne Bedingungen.“

Paul Ferrini

Das Problem traditioneller Beziehungen

Bist du verliebt oder hast du einfach nur einen Partner? Zu häufig passiert in traditionellen Beziehungen leider letzteres. Die meisten von uns haben auf Grundlage von Paaren, die uns umgeben und die wir beobachten, durch Filme oder Reality-Shows gelernt, dass die Liebe dafür da ist, um uns persönlich zu erfüllen und das wir daran arbeiten müssen, dass die Liebe aufrechterhalten wird.

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Diese Arbeit, eine Beziehung aufrechtzuerhalten, besteht im Allgemeinen darin, seinen Partner zu beschwichtigen. So geht mit der Zeit der Sinn dessen verloren, wer wir sind, und das wegen dem, was wir tun mussten, um die Partnerschaft aufrechtzuerhalten. So werden viele Menschen zu jemand anderem und zu oft werden sie zu jemandem, der sie nicht sein wollen.

Andererseits ist es auch so, dass wir uns in traditionellen Beziehungen so sehr darum bemühen, dem anderen zu gefallen, dass wir unsere eigenen Instinkte, unsere Gefühle, Wünsche und Sehnsüchte und sogar Ängste und Befürchtungen unterdrücken. Genauso erwarten wir, dass unser Partner das Gleiche tut, also in anderen Worten gesagt, lebt, um uns zu gefallen.

„Eine Partnerschaft kann in der Seele bereits in die Brüche gegangen sein, auch wenn die Beziehung weiterhin besteht.“

Eckhart Tolle

Das neue Beziehungsmodell: die bewusste Beziehung

Die große Mehrheit der heutigen Partnerschaften beginnt wie ein Abenteuer, wie eine Art Vergnügen. Innerhalb dieser ersten Phase lernen sich die Partner kennen und formen die Grundlage für ihre Beziehung. Es stimmt zwar, dass es so scheint, als wäre eine Beziehung  „zum puren Vergnügen“ in die Mode gekommen, doch früher oder später wollen die meisten von uns mehr und dann reicht diese Art der Beziehung nicht mehr aus.

Was eine traditionelle Beziehung von einer bewussten Beziehung unterscheidet, ist der Fokus auf die Arbeit an dieser Partnerschaft. In einer bewussten Beziehung fühlen sich beide Partner zu etwas Gemeinsamem verpflichtet. Dieses Gemeinsame besteht darin, sich sowohl individuell als auch zusammen als Paar weiterzuentwickeln.

Unzählige Menschen halten eine Beziehung aufrecht, um ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Das geht aber nur eine Zeit lang gut, weil sich irgendwann Unzufriedenheit breitmacht und dann die Partnerschaft eines Tages in die Brüche geht.

Doch wenn sich zwei Menschen mit der Absicht vereinen, zusammen zu wachsen, hebt das die Beziehung auf ein viel höheres Level und es geht nicht mehr nur um die persönliche Zufriedenheit. Die Partnerschaft wird somit zu einer faszinierenden Reise, auf der zwei Menschen die Möglichkeit haben, individuell zu wachsen, und dabei sind sie weit entfernt von der traditionellen Vorstellung, „zu verzichten, um sich anzupassen“.

Wie wir eine bewusste Beziehung entwickeln können

Trotz all der Probleme, die auftauchen können, ist die gute Nachricht, dass es in einer Partnerschaft möglich ist, eine bewusste Beziehung auf Grundlage der traditionellen Erwartungen und Vorstellungen zu entwickeln. Eine bewusste Beziehung entsteht nicht einfach so. Es ist notwendig, sich zuerst kennenzulernen und auch viele unterschiedliche Erfahrungen zu machen. Du kannst dich nicht in jemanden verlieben, den du nicht kennst, du kannst dich nur in die Illusion der Liebe verlieben, die du in dem anderen sehen willst.

Eine ganz andere Sache ist, jeden Moment der Gegenwart zu leben und sich dessen bewusst zu sein, was gerade passiert. Hierbei handelt es sich um eine unterschiedliche und notwendige Vorstellung, nicht nur um eine erfüllende Partnerschaft zu leben, sondern um jeden Moment in vollen Zügen auszukosten und als Person zu wachsen.

Die Erfahrung, sich weiterzuentwickeln, ist das Wichtige daran

Mit den Ergebnissen einer Beziehung nicht zufrieden zu sein, bedeutet nicht, dass es nicht wichtig ist, was passiert ist. Es bedeutet auch nicht, dass du keine Erwartungen an diese Beziehung hast. Es geht darum, die Erfahrung, sich weiterzuentwickeln, als Motor der Beziehung anzusehen.

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Es sollte die Grundlage sein, dass wir Menschen auf Erden wandeln, um physisch, mental, emotional und spirituell gesehen zu wachsen, und die Beziehung sollte zu diesem Wachstum beitragen, welches von beiden Partnern angetrieben werden sollte. Beide sollten den Wunsch haben, zusammen zu wachsen, denn andernfalls hat eine Partnerschaft keinen Sinn.

Beide Partner haben eine individuelle Verantwortung

In jeder Partnerschaft kommen Wunden aus der Vergangenheit ans Licht, die auf die eine oder andere Art und Weise wieder aufreißen. In traditionellen Beziehungen wird angenommen, dass der andere diese Leere füllen, Glück und Liebe, die zuvor fehlten, erzeugen muss. Aber in bewussten Beziehungen funktioniert das so nicht.

Das Ziel einer Beziehung ist es nicht, uns glücklich zu machen, sondern unser Bewusstsein zu schärfen. Unser Partner ist nicht an unserer Seite, um uns zu geben, was uns fehlt, sondern um uns dabei zu helfen, das selbst zu schaffen. Er ist nicht da, um die Leere zu füllen, und du füllst seine auch nicht.

In einer bewussten Partnerschaft ist man dazu bereit, seine Probleme aus der Vergangenheit und der Gegenwart zu entdecken und sie sich einzugestehen, weil beide Partner wissen, dass sie zusammen eine neue Realität erschaffen können. Aber dazu ist es notwendig, Verantwortung für seine eigenen Gefühle und Meinungen zu übernehmen, ohne dem Partner diese Arbeit aufzubürden, die wir selbst nicht in der Lage sind, für uns zu erledigen.

„Wenn du dein Glück nimmst und es in die Hände eines anderen legst, wird es früher oder später kaputt gehen. Wenn du dein Glück in die Hände einer anderen Person gibst, wird es immer von ihr abhängig sein. Und da das Glück nur deinem Inneren entspringen kann und das Ergebnis von Liebe ist, bist nur du für dein eigenes Glück verantwortlich.“

Miguel Ruiz

Eine Beziehung ist dafür da, um die Liebe zu praktizieren

Liebe bedeutet Akzeptanz, Vergebung, da zu sein und dein Herz zu öffnen, sogar wenn es um heikle Themen geht. Jedoch behandeln wir die Liebe oftmals so, als wäre sie eine Sache des Schicksals. Anders gesagt heißt das, dass wir so lange mit einer Beziehung nicht zufrieden sind, bis das Schicksal eintritt. Aber die Liebe ist eine Entdeckungsreise.

Die bewusste Beziehung ist ganz eindeutig die Grundlage für die Liebe und dafür, die Liebe auszuleben. Auf diese Art und Weise zeigt sich die Liebe in ihrer ganzen Pracht und wir können sie uns gar nicht mehr anders vorstellen.

„Die wahre Liebe kommt nicht zu dir, sie muss in dir selbst sein.“

Julia Roberts

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Das mag einem jetzt vielleicht komisch vorkommen, aber die Tatsache,
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