Die Verantwortung für unsere Emotionen

· 30. März 2016

Emotionale Verantwortung beinhaltet nicht nur, für die eigenen Handlungen und Verhaltensweisen geradezustehen, sondern auch für die eigenen Gedanken und Gefühle – im Grunde also für alles, was unsere Existenz ausmacht.

Während unseres Lebens besteht ein großer Teil der Zeit, in der wir mit anderen Menschen sprechen, eigentlich daraus, dass wir über uns selbst reden. Wir meinen zwar, eine Meinung bezüglich einer Sache oder einer Person wiedergeben zu können, eigentlich projizieren wir damit allerdings nur unsere Verantwortung für unsere eigenen Gefühle.

Ein großer Teil der Aussagen, die wir über andere tätigen, sind in Realität unterschwellige und verborgene Aussagen über uns selbst.

Aus diesem Grund kann das Bild, das wir von anderen Menschen haben, eine akkurate Reflexion dessen sein, was uns selbst widerfahren ist. Äußere Umstände sprechen uns an und dienen uns als Spiegel, wenn wir dazu bereit sind, die in uns schlummernden, nicht aufgearbeiteten Probleme anzuschauen.

Wird es also nicht Zeit, Verantwortung zu übernehmen?

Bist du verantwortlich für das, was ich fühle?

Wir haben uns daran gewöhnt, die Verantwortung für unsere Emotionen auf andere zu übertragen – genauso, wie wir uns für die Gefühle anderer verantwortlich fühlen. Das bedeutet, dass wir unseren Fokus auf etwas anderes legen als auf uns selbst.

Wenn jemand in unserem Umfeld sich also nicht wohlfühlt, dann fühlen wir uns dafür verantwortlich und bemühen uns, etwas zu tun, damit es der anderen Person besser geht – so als ob wir die Formel besäßen, mit der wir das Leid anderer auflösen könnten. Wenn wir jedoch diejenigen sind, die sich schlecht fühlen, dann übertragen wir die Verantwortung für dieses Gefühl auf etwas Äußeres, entweder auf eine andere Person oder auf äußere Umstände.

Wem überlassen wir dann aber die Kontrolle über unsere eigenen Emotionen?

Wenn wir die Verantwortung für die Emotionen anderer übernehmen, dann kann das unsere persönliche Entwicklung dramatisch untergraben. Dasselbe gilt auch, wenn wir die Schuld für das, was wir fühlen, anderen Menschen zuschieben – vielleicht ist Schuld nicht das richtige Wort, sondern eher der emotionale „Papierkram“ – unsere emotionale Verantwortung eben.

Wie oft hast du schon Dinge gesagt wie „Du machst mich wütend“  oder „Du bist schuld daran, dass ich mich schlecht fühle“?

Dabei geht es nicht darum, jemanden zu finden, dem wir die Schuld zuschieben können, sondern darum, dass wir identifizieren, wie wir uns in einer bestimmten Situation fühlen und dass wir akzeptieren, wer wir sind und wie unsere Gefühle sind. Wir müssen beginnen, unsere Wut, unsere Eifersucht, unseren Ärger und unsere Traurigkeit zu verarbeiten, denn die Antwort liegt nicht in äußeren Umständen sondern in uns.

Lasst uns also aufhören, unseren Fokus nach außen und auf andere zu richten und beginnen, unsere Aufmerksamkeit unserer inneren Realität zuzuwenden und zu wachsen.

Wenn du für deine Emotionen keine Verantwortung übernimmst, wer wird es dann tun? Die anderen um dich herum? Die äußeren Umstände – nach dem Motto: es ist alles zu viel oder zu unsicher?

Das bedeutet nicht, dass du nicht zum Ausdruck bringen solltest, was du in Bezug auf andere fühlst. Deine Aufgabe ist nur, die Verantwortung für deine Gefühle zu übernehmen und anstatt die Kontrolle über dein Wohlbefinden abzugeben, sie wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Du hast alles Recht, dich von etwas, das geschehen ist, gestört zu fühlen – genauso, wie jede andere Person dieses Recht hat. Es ist okay, sich so zu fühlen. Aber wenn du Verantwortung übernimmst, dann werden sich diese Gefühle in dir besser anfühlen, weil du dich dann mitten auf einem Weg des persönlichen Wachstums befindest, auf dem jeder schwierige Moment, der von einer anderen Person oder einer spezifischen Situation ausgelöst wird, zu einer Chance wird, wie du dich selbst noch besser kennenlernen kannst.

Das geschieht auch, wenn wir über die Menschen in unserem Umfeld reden. Ich möchte dich ermutigen, dir all dieser Dinge bewusster zu werden, wenn du das nächste Mal deine Meinung über jemand anderes zum Besten gibst oder jemanden kritisierst. Meistens ist das, was wir über andere sagen, etwas, wessen wir selbst auch schuldig sind oder es ist etwas, dass wir auch schon einmal erlebt oder gefühlt haben.

Die Verantwortung dafür übernehmen, wie wir uns fühlen

Wie sollen wir nun mit all dem umgehen?

Zunächst müssen wir die Möglichkeit ernst nehmen, dass wir tatsächlich etwas auf andere projizieren. Das ist keine leichte Aufgabe. Aber wenn wir uns daran halten und uns dabei ertappen, wie wir die Verantwortung abgeben, dann merken wir daran, dass wir das, was wir projizieren, nicht zu akzeptieren bereit sind – und deswegen versuchen wir es abzugeben. Es ist also ganz normal, dass wir die Tendenz haben, uns der Verantwortung unserer Handlungen entziehen zu wollen. Als nächstes müssen wir uns darum bemühen, achtsamer zu werden.

„Du bist es nicht, der mich wütend macht. Ich werde wütend, wenn du etwas tust oder wenn etwas Bestimmtes passiert. Ich bin derjenige, der den Ärger, die Trauer oder den Zorn fühlt, wenn ich mich schweren Umständen gegenüber sehe. Auf diese Weise wähle ich nämlich, sie nicht zu ignorieren, sondern ich lasse zu, dass ich sie fühle und akzeptiere sie, um später herausfinden zu können, wie ich mit ihnen umgehen soll. Aber vor allem bin ich verantwortlich für mich selbst.“

Wenn wir für uns selbst die Verantwortung übernehmen, dann akzeptieren wir all das, was zu uns gehört: all unsere Gefühle, unsere Gedanken, unsere Handlungen und all ihre Konsequenzen.

Sobald du achtsam wirst und lernst, dich selbst zu beobachten, wirst du all die Dinge entdecken, die noch brachliegen – all die Dinge, die zu deinem Leben noch hinzugefügt werden müssen. Mit diesen Dingen kannst du dann arbeiten und so weiterhin wachsen und dich entwickeln. Aber ich muss dich warnen, das wird nicht einfach. Oftmals wirst du Widersprüchen begegnen. Das liegt daran, dass dein Ego einspringen und sich beschützen möchte.

Aber darin liegt auch das Schöne an diesem Weg – der Prozess, dich selbst zu entdecken, mit all deinen Behauptungen und deinen innerlichen Widersprüchen und dies alles letztlich als einen Teil deiner Persönlichkeit, dessen wer du bist, zu verstehen und anzunehmen.