Deine Art, zu denken, bestimmt deine Gefühle

17. März 2016 en Psychologie 17 Geteilt

Wir sind denkende und fühlende Wesen. Unsere Art zu denken bestimmt das, was wir fühlen, und wir nehmen das, was wir gerade denken, als Beweis für die Wahrheit. Das ist eine unglaubliche Fähigkeit, die uns aber auch einen bösen Streich spielen kann.

„Je nachdem, wie wir zu uns selbst sprechen, werden wir auf die eine oder andere Weise leben und die Welt wird so oder anders sein.“

Oscar Gonzalez

Was war zuerst da, der Gedanke, die Emotion oder das Gefühl?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst diese drei Konzepte definieren:

  • Gedanke: Die Fähigkeit der Menschen, Ideen und Abbildungen der Realität in ihrem Verstand zu bilden.
  • Emotion: Ausdrucksformen psychophysiologischer und biologischer Art sowie mentaler Zustände.
  • Gefühl: Gemütszustand oder emotionale Verfassung bezüglich einer Sache, einem Geschehen oder einer Person.

Unsere Fähigkeit zu denken ist nur durch eine schmale Linie getrennt von der Fähigkeit zu fühlen, und die Emotion befindet sich in der Mitte von beiden.

In unserem Alltag und im Gebrauch der Umgangssprache verwenden wir diese drei Konzepte oft als Synonyme. Aber in der Realität sind Denken, Emotionen und Gefühle sehr unterschiedliche Dinge.

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Wir sind denkende Wesen. Aber das heißt nicht, dass die Emotionen und Gefühle uns fremd sind und keinen Einfluss auf unsere Persönlichkeit haben und auf unsere Art, die Welt zu interpretieren, auf unsere Entscheidungsfindung sowie die Form, in die wir unsere Ideen fassen.

Wir richten uns nach unseren Emotionen, und dies ist eine menschliche Fähigkeit, die wir nicht aus unserem Leben verbannen sollten. Ein Leben ohne Emotionen oder Gefühle hat keinen Sinn.

Gefühle sind dauerhafter als Emotionen, aber Emotionen sind intensiver als Gefühle

Es ist von grundlegender Bedeutung, dass wir verstehen, wie diese Beziehung in uns funktioniert, damit unsere emotionale Intelligenz und unsere Fähigkeit zur Beziehung mit uns und anderen gefördert wird und letztendlich, um unsere mentale Gesundheit zu verbessern.

Die Emotion wird mit der Persönlichkeit und der Motivation der Menschen in Zusammenhang gebracht. Emotionen motivieren uns zum Handeln, aber sie sind nicht so dauerhaft wie Gefühle. Sie sind intensiver als Gefühle, aber weniger lang anhaltend.

Das Gefühl kommt vom Verb „fühlen“ und bezieht sich auf einen affektiven Gemütszustand, normalerweise von langer Dauer, der sich im Subjekt als ein Ergebnis der Emotionen darstellt. Gefühle sind das Ergebnis von Emotionen.

Hier ist ein Beispiel, um dies zu veranschaulichen:

Ich praktiziere Yoga. Dies ist eine Aktivität, die mir gefällt und bei der ich mich wohlfühle. Ich praktiziere es bereits eine Weile und in meinem Lernprozess habe ich gute und nicht so gute Tage gehabt. Es steht fest, ganz objektiv, dass meine Yogaübungen sich zusehends verbessert haben. Nun bin ich in der Lage, Stellungen einzunehmen und zu halten, die mir anfangs unmöglich erschienen.

Gestern ging ich wieder zum Unterricht, ohne allerdings in wirklich guter Form zu sein. Ich schaffte es nicht, Haltungen einzunehmen, die mir vor einigen Tagen noch sehr gut gelungen waren, so dass ich dachte, sie seien nun Teil meiner Kenntnisse und Aktivitäten als Yoga-Lernende.

Mein Denken sagte mir: “Ich bin völlig unfähig, das ist nichts für mich.”

Meine Emotion teilte mir mit: “Ich bin wütend auf mich selbst.”

Mein Gefühl danach und für den Rest des Tages war: “Ich fühle mich traurig, niedergeschlagen und mutlos.”

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Worauf soll ich nun hören?

An diesem Beispiel wird klar, dass meine Vorstellung von mir selbst, meine Motivation, weiter zum Yogaunterricht zu gehen, und meine Haltung in der nächsten Unterrichtsstunde davon abhängen, wie ich diesen Vorfall analysiere und bewerte.

Wenn ich denke, dass ich unfähig bin, bedeutet dass dann, dass ich es nur einmal bin, weil ich es nicht geschafft habe, die Übungen korrekt auszuführen? Bin ich nur wegen einer falschen Bewegung unfähig? Besteht ein Lernprozess nicht aus Üben und Fehler machen?

Wenn meine Emotion aus Wut besteht: Heißt das, dass das, was ich denke, noch wahrer ist, weil ich auf mich selbst wütend bin? Entspricht diese Emotion etwa einer unumstößlichen Wahrheit darüber, wer ich wirklich bin? Bestätigt eine Emotion das, was wir denken?

Wenn ich mich am Ende des Tages traurig fühle: Bedeutet das, dass es wirklich so wichtig für mich war? Dass alles, was wir fühlen, auch wahr ist? Dass das Gefühl das Ergebnis unseres Denkens ist?

Hier liegt der Schlüssel zu allem: Nicht alles, was wir denken, ist richtig. Unsere Emotionen bestätigen nicht immer das, was wir denken, und nicht alles, was wir fühlen, muss auch wahr sein.

Was können wir tun, um besser zu werden?

Wenn du merkst, dass du dir sagst: „Wenn ich mich so fühle, dann stimmt es, dass…“,  dann halte inne und entdecke den automatischen Gedanken, der diese Emotion begleitet, und frage dich: „Was habe ich gedacht, dass ich mich so fühle? Welche Beweise habe ich, die belegen, dass es tatsächlich immer so ist?“

Es geht darum, uns zu hinterfragen und nachzudenken, damit wir dann und wann nicht die Geschichten glauben, die wir uns selbst erzählen.

Die Art, wie wir das Problem sehen, ist das Problem.

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