Was zeichnet eine gesunde Beziehung aus?

4. September 2016 en Emotionen 6 Geteilt

Wir alle wissen, dass dieses „…und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“  nicht existiert, dass der Prinz nur in einem Märchen auf einem Schimmel dahergeritten kommt und dass „glücklich bis ans Lebensende“  eine Utopie ist. Was wir aber nicht wissen, ist, dass wir Beziehungen eingehen, ohne eine Ahnung davon zu haben, was eine gesunde Beziehung überhaupt ausmacht.

Wir leiden der Liebe wegen, wir trennen uns der Liebe wegen, wir demütigen uns wegen unseres Partners, wir weinen wegen einer Trennung und tun alles für Menschen, die das im Grunde genommen gar nicht verdienen. Vielleicht haben wir genau genommen Angst davor, allein zu sein, uns selbst in die Augen schauen zu müssen und zu entdecken, wer wir in Wahrheit sind.

„Für die Liebe braucht man zwei Menschen, aber keiner von beiden darf vergessen, ein Individuum zu sein.“

Walter Riso

Woran du eine ungesunde Beziehung erkennst

Der Psychologe Walter Riso erklärt uns in seinem Buch Enamorados o esclavizados  (zu deutsch: „Verliebte oder Versklavte“ – nicht in deutscher Sprache erhältlich), wie wir zerstörerische Beziehungen erkennen können, die uns schaden und uns schlichtweg nicht gut tun. Riso unterscheidet zwischen folgenden Arten ungesunder Beziehungen:

Die obsessive Liebe

Riso erläutert: „Unter Besessenheit versteht man eine Liebe, die innerhalb der Partnerschaft unersättlich ist. Einer der Partner wird niemals mit der Beziehung zufrieden sein, kann nichts ohne seinen Partner tun und legt eine große Abhängigkeit an den Tag.“

Wer unter solch einer Partnerschaft zu leiden hat, fühlt sich dazu verpflichtet, zu geben, was er nicht will, ist gestresst und fühlt sich in manchen Fällen sogar verfolgt. Ein besessener Partner kennt keine Grenzen, lässt uns keinen Raum für unsere Freiheit und Individualität.

„Gesegnet sei die Aversion, die dich von der Person befreit, die dir das Leben vermiest.
Gesegnet sei die Aversion, die dich befreit und es dir ermöglicht, du selbst zu sein.“

Walter Riso

Die verschmolzene Liebe

Hierbei geht es um Partnerschaften, in denen die Partner ihre Identität und ihre Eigenliebe verloren haben. Riso sagt, dass diese Art von Verliebten irgendwann gestikuliere, Witze reiße und sich anziehe wie ihr Partner. Die verschmolzene Liebe kann sogar manchmal so weit gehen, dass sich aus ihr ein gewisses besitzergreifendes Verhalten entwickelt.

Aber zu lieben bedeutet doch viel mehr: unsere Individualität zu bewahren, die bessere Hälfte so zu akzeptieren, wie sie ist, sie genau dafür zu lieben und uns selbst und all unseren Stärken und Schwächen treu zu bleiben. Das ist eine Frage der Akzeptanz.

Die ängstliche Liebe

Wir alle müssen uns darüber im Klaren sein, dass eine Beziehung in die Brüche gehen oder wir uns mit einem Menschen, den wir lieben, zerstreiten können. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Liebe immer ein Risiko ist. Die Angst vor einem Verlust ist ein Zeichen für einen unsicheren Menschen, der Verlust- und Versagensängste hat.

Paar

Aber diese Angst führt zu vielen anderen: Zu der Angst davor, dass uns der Partner enttäuscht, er uns betrügen oder verlassen könnte, dass die Liebe ohne triftigen Grund endet. Riso empfiehlt, sich immer wieder vor Augen zu führen, dass es in der Liebe keine Gewissheit gibt und wir die Unsicherheit akzeptieren müssen.

Die erdrückende Liebe

In der Liebe muss die Freiheit des Partners respektiert werden, d.h., dass dieser seine eigenen Freunde, Aktivitäten, Hobbys, Vorlieben und Meinungen hat. Eine Liebe, die all diese Aspekte nicht respektiert, ist erdrückend und behindert uns darin, wir selbst zu sein.

Jeder Partner sollte die Persönlichkeit, Prinzipien, Werte und Ziele des anderen respektieren, auch wenn diese den eigenen nicht entsprechen. Es ist wichtig, diese Unterschiedlichkeiten zu verstehen und sie zu akzeptieren, damit man eine gesunde Beziehung führen kann, in der es ein gegenseitiges Vertrauen gibt.

Schlüsselfaktoren einer gesunden Beziehung

Die Life-Coaches Marc und Angel Chernoff haben viel Zeit damit verbracht, ihren Kunden dabei unter die Arme zu greifen, gesunde und lang anhaltende Beziehungen aufzubauen und sie haben es geschafft, ein paar Antworten auf eine ganz bestimmte Frage zu finden, die wir uns alle stellen: Was braucht es, um eine gesunde Beziehung entstehen und sie als solche reifen zu lassen?  Dafür haben sie aufgelistet, was wir nicht tun sollten, damit wir dazu in der Lage sind, eine gesunde Beziehung zu führen. Hier ein paar Beispiele:

Erwarte nicht, dass deine Beziehung deine Probleme löst

Wenn du dich davor fürchtest, allein zu sein, ist eine Partnerschaft nicht die Lösung für dein Problem. Bevor du eine Beziehung beginnst, musst du zuerst herausfinden, woher diese Angst vor der Einsamkeit kommt. Sobald du diese Aufgabe gelöst und deine Angst besiegt hast, kannst du dich auf eine gesunde Weise auf eine Partnerschaft einlassen.

„Zu dieser Stunde, irgendwo auf der Welt, gibt es jemanden, der darüber glücklich wäre, dich zu haben.“

Walter Riso

Du darfst nicht vergessen, dass deine innere Leere, deine Ängste, deine Langeweile Probleme sind, die nur dich betreffen und in einer Beziehung weiterhin bestehen werden, wenn du sie nicht angehst. Aus diesem Grund musst du dich mit dir selbst auseinandersetzen und dich deinen Konflikten stellen, bevor du dich in eine neue Partnerschaft stürzt.

Mache dich nicht abhängig

Wenn wir am Anfang einer neuen Beziehung stehen, ist es normal, dass wir viel Zeit mit unserem Partner verbringen wollen, doch nach und nach müssen wir ihm und auch uns selbst Freiraum geben. Wir müssen immer daran denken, dass wir noch unser eigenes Leben haben und es unabdingbar ist, unsere eigene Zeit für uns selbst zu respektieren, um eine gesunde Beziehung führen zu können.

Freie Frau

Glückliche Partnerschaften sind auf die Tatsache zurückzuführen, dass beide Partner wissen, wie wertvoll die Zeit mit sich allein ist. Sie erfreuen sich an ihrer Unabhängigkeit, um Dinge auf eine andere Art tun zu können und am Ende des Tages all ihre Erfahrungen miteinander zu teilen, um sich gegenseitig zu bereichern.

Habe keine Geheimnisse

Vertrauen ist die Grundlage jeder Beziehung. Wenn das Vertrauen erst einmal verloren gegangen ist, ist es sehr schwierig, dieses wiederherzustellen. Daher ist es wichtig, dass sich unser Partner nicht wie ein Fremder in unserem Leben fühlt.

Es gibt Tage, an denen wir allein sein wollen, an denen wir Freiraum brauchen, um unsere Probleme anzugehen, und in einer gesunden Beziehung werden wir das auch bekommen. Aber wenn wir diesen Freiraum haben wollen, sollten wir auch ehrlich sein und unserem Partner die Beweggründe erklären, wieso wir diese Pause für uns brauchen.

Hin und wieder hören wir Sätze, wie: „Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß.“  Doch das ist ein großer Widerspruch in sich, weil Unausgesprochenes einer Lüge gleicht. Wenn du die Wahrheit beschönigst oder verbirgst, wird das früher oder später herauskommen.

Lasse nicht zu, dass dich die Angst kontrolliert

Man verliert nicht, weil man liebt, sondern weil man sich zurückhält. Keine Beziehung, in der es eine beiderseitige Liebe gibt, ist unmöglich, außer du gibst der Beziehung keine Chance. Jemanden zu lieben, bedeutet, ihm die Möglichkeit zu geben, dich zu verletzen, aber auch gleichzeitig, dich glücklich zu machen.

Wir können hier auf Erden nicht mit der Angst wandeln, eine Beziehung einzugehen. Wir müssen lernen, zu vertrauen, auch wenn wir früher einmal verletzt wurden. Das Wichtigste ist es doch, nicht die gleichen Fehler erneut zu machen und jeden Tag etwas dazu zu lernen.

Wann sollte man eine Beziehung beenden?

Eine Beziehung zu beenden ist eine Entscheidung, an die wir uns
für immer erinnern werden, egal ob sie richtig war oder nicht… >>>Mehr

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