Nicht das Vertrauen ist der Fehler, sondern Lüge und Betrug

· 31. März 2016

Das Vertrauen ist wie eine zerbrechliche, durchsichtige Kristallbrücke, die unser Leben trägt. Wahrscheinlich hat es uns viel Zeit und Aufwand gekostet, sie aufzubauen, weshalb sie für uns so wertvoll ist.

Obwohl sie jedoch viel Arbeit erfordert und uns so viel Glück bringt, kann das Vertrauen innerhalb von wenigen Sekunden durch Fahrlässigkeit, Egoismus und an unserem Eigeninteresse ausgerichtetes Verhalten zerstört werden.

Wenn ein so wichtiges Gefühl wie das Vertrauen zerstört wird, dann stirbt etwas in unserem Inneren. Dies passiert, weil wir wegen einer Lüge an tausend Wahrheiten zweifeln, und wir anfangen, alles zu hinterfragen, auch die Erfahrungen, die wir als die ehrlichsten betrachtet haben.

Lügen haben sehr kurze Beine und sehr lange Arme

Obwohl Lügen manchmal unerwartete Ausmaße annehmen können, kommt die Wahrheit doch irgendwann ans Licht. Oder wie man auch zu sagen pflegt, ein Lügner wird schneller erwischt als ein Hinkender, da seine Worte und seine Taten sehr kurze Beine haben.

Doch auch wenn alles an seinem eigenen Gewicht irgendwann zusammenbricht, heißt das nicht, dass dies kein großer und schmerzender Schlag für uns ist. Normalerweise ist genau das Gegenteil der Fall und man kann das Leben in eine Zeit vor und nach der Lüge aufteilen.

 Ein Vogel, der auf einem Baum sitzt, hat nie Angst davor, dass der Ast vielleicht brechen könnte: Nicht weil er dem Ast vertraut, sondern seinen eigenen Flügeln.
Vogel

Die Verantwortung für den Betrug

Oft wird gesagt: „Wenn man dich einmal betrügt, dann ist es die Schuld des anderen, aber wenn man dich zweimal betrügt, dann ist es deine Schuld.“  Dieser Aussage fehlt es gewiss nicht an Logik, jedoch sollten wir vorsichtig mit ihr umgehen.

Die Grundidee des Satzes besteht darin, aus unseren Fehlern zu lernen und schlechte Erfahrungen nicht zu wiederholen, jedoch sollten wir uns niemals dafür schuldig fühlen, wenn man uns betrügt. Wie können wir für das verantwortlich sein, was andere machen? Das wäre doch verrückt.

Doch wahrscheinlich haben wir uns schon mehr als einmal damit gequält, dass wir in jemandes Falle getappt sind, obwohl wir sie hätten voraussehen können. Doch ist es hinterher immer einfach, etwas zu sagen, wenn das Kartenhaus schon zusammengefallen ist.

Wir sind weder Wahrsager noch sind wir unfehlbar. Außerdem sind die anderen auch nicht perfekt und manchmal müssen wir daran denken, dass auch gute Menschen Fehler machen, weshalb wir auch offen dafür sein müssen, jemandem zu verzeihen.

„Nach einiger Zeit wirst du lernen, dass die Sonne brennt, wenn du dich ihr zu sehr aussetzt. Du wirst auch akzeptieren, dass selbst gute Menschen dich einmal verletzen können und du wirst ihnen verzeihen müssen. Du wirst lernen, dass dir Sprechen dabei hilft, die Schmerzen deiner Seele zu lindern. Du wirst entdecken, dass es Jahre dauert, Vertrauen aufzubauen und kaum ein paar Sekunden, um es zu zerstören und dass auch du Sachen machen kannst, die du dein Leben lang bereuen wirst.“

William Shakespeare
Anlehnen

Die emotionale Wunde nach einem Betrug

Die Undankbarkeit und der Betrug tun besonders weh, wenn sie von den Personen begangen werden, die wir lieb haben und die uns nahestehen, wie etwa unser Partner, unsere Freunde oder unsere Familie. Wenn dies passiert, dann fühlen wir Wut und Machtlosigkeit, die uns verrückt werden lassen.

Es ist auch sehr schmerzhaft (und leider auch nur allzu weit verbreitet), dass jemand nur deshalb etwas für uns tut, weil er dafür von unserer Seite aus etwas zurückerwartet. Diese Art des Verrats zerstört alle uns bekannten Muster und versetzt unsere emotionale Welt in ein richtiges Chaos.

 Doch obwohl der Betrug uns im tiefsten Inneren unseres Herzens schmerzt, macht es nicht viel Sinn, dass wir unsere Art zu sein verändern, weil man man uns verletzt hat, und wir deshalb anfangen, uns anderen Menschen gegenüber schlecht zu verhalten.

So unglaublich es auch scheint, ist dies eine sehr häufig anzutreffende Reaktion, wenn die emotionale Wunde frisch und infiziert ist. Doch im gleichen Sinne ist es auch unnötig, sich gegen alle Menschen in unserer Umgebung mit einer Rüstung zu schützen. Es reicht aus, dass wir uns gegenüber dem Verräter beschützen.

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Wie kommt man über Lügen, Verrat und Betrug hinweg

Die Sicherheit, die Aufrichtigkeit, die Ehrlichkeit und die Treue in unseren Beziehungen sind eine Grundsäule unseres Wachstums. Zweifel, Misstrauen und Falschheit hingegen richten nicht nur Schaden an, sondern verbrennen und vergiften uns.

In diesem Sinne, auch wenn das Misstrauen tiefe Stacheln in unserem Inneren zurückgelassen hat, können wir es überwinden. Es ist normal, dass nach solchen Situationen die Zweifel anwachsen und mit ihnen der Argwohn, aber dies sollte sich nicht so weit entwickeln, dass wir nun allen anderen auch grundsätzlich misstrauen.

Angenommen, dass wir uns wahrscheinlich mehr als nur einmal in einer solch unerwünschten Situation wiederfinden werden, sollten wir verstehen, dass es sich um eine Chance für persönliches Wachstum handelt und uns die Möglichkeit gibt, die Leute besser auszuwählen, mit denen wir uns umgeben.