Hast du Angst, keinen Job mehr zu finden?

Hinter dieser Angst verbergen sich nicht nur finanzielle Probleme, sondern auch psychische und soziale Folgen.
Hast du Angst, keinen Job mehr zu finden?
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 11. November 2022

In schwierigen Zeiten ist die Angst, keinen Job mehr zu finden, eine weitverbreitete Realität, die unsere psychologische Verletzlichkeit deutlich macht. Die Erwerbslosigkeit verursacht nicht nur finanzielle Probleme, sie wirkt sich auch in anderen Lebensbereichen negativ auf die betroffenen Personen aus. Viele verwirklichen sich in ihrer Arbeit und finden darin persönliche Erfüllung. Sie erhalten Wertschätzung und haben das Gefühl, wichtig zu sein und gebraucht zu werden.

Junge Menschen möchten ihr Lebensprojekt verwirklichen und etwas leisten. Ältere Personen fühlen sich ohne ihren Job oft leer und unnütz. Die Angst, keinen Job mehr zu finden, wirkt sich auf die psychische Gesundheit aus, deshalb solltest du unbedingt etwas dagegen tun.

Die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit in Krisenzeiten können sich besonders negativ auf die psychische Gesundheit auswirken: Viele Menschen glauben, dass sie nie einen Job finden werden.

Mann hat Angst, keinen Job mehr zu finden: Was tun?

Die Angst, keinen Job mehr zu finden, ist eine häufige Realität

Es gibt viele Arten von Arbeitslosigkeit. Die konjunkturelle Arbeitslosigkeit ist eine Reaktion auf zyklische Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Es gibt jedoch auch die saisonale Arbeitslosigkeit, die je nach Jahreszeit schwankt, die friktionelle Arbeitslosigkeit, die durch den häufigen Arbeitsplatzwechsel bedingt ist, und die strukturelle Arbeitslosigkeit, die durch ein Missverhältnis zwischen Arbeitsangebot und -nachfrage entsteht.

Die letztgenannte Art der Arbeitslosigkeit schürt vielfach die Angst, keinen Job mehr zu finden. Diese Sorge ist besonders groß, wenn eine Person nie über ein befristetes und prekäres Arbeitsverhältnis hinauskommt. Mangelnden Zukunftsperspektiven, die aus dieser Situation resultieren, haben verschiedene psychische Folgen, die sich schnell bemerkbar machen. 

Erwerbslosigkeit und psychische Gesundheit

Eine in der Zeitschrift The Lancet veröffentlichte Studie sowie andere Forschungsarbeiten weisen auf eine alarmierende Tatsache hin: Die Selbstmordrate ist im letzten Jahr um 20 bis 30 % gestiegen und könnte in den nächsten Monaten weiterhin zunehmen. Es besteht ein direkter Zusammenhang mit Depressionen und dem Verlust der Lebenszufriedenheit.

Wenn wir über Langzeitarbeitslosigkeit sprechen, sind die Auswirkungen besonders ernst. Die Hoffnung, wieder einen Job zu finden, reduziert sich, während das finanzielle Drama immer schlimmer wird. Betroffene empfinden häufig eine zerstörerische Hilflosigkeit, die zusätzlich ihre Angst fördert. 

Auf der anderen Seite weisen Studien, wie die von Dr. Karsten Paul und Dr. Klaus Moser vom Lehrstuhl für Organisations- und Sozialpsychologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg darauf hin, dass sich die Erwerbslosigkeit auch auf das Umfeld auswirkt: Familie und Beziehungen leiden an dieser Situation ebenfalls sehr stark.

Die Angst, keinen Job mehr zu finden, ist eine häufige Realität

Angst vor chronischer Arbeitslosigkeit: Was tun?

Menschen, die Angst haben, keinen Job mehr zu finden, werden durch ihre Hilflosigkeit und das Gefühl der Nutzlosigkeit „ohnmächtig“, ihr Selbstwertgefühl wird dadurch zerstört, was häufig Depressionen die Tür öffnet. Betroffene sind hoffnungslos und haben keine Zukunftsperspektiven. In dieser Situation ist eine Psychotherapie vorteilhaft. Zusätzlich kannst du folgende Empfehlungen in die Praxis umsetzen:

Arbeitslosigkeit erzeugt mit der Zeit Gefühle wie Angst, Furcht, Hoffnungslosigkeit und Nutzlosigkeit.

Vermeide Isolation

Viele fühlen sich durch ihre Erwerbslosigkeit gedemütigt und schämen sich. Sie bevorzugen es, das Haus nicht mehr zu verlassen und soziale Kontakte abzubrechen. Die Ausrede ist, dass sie sich in die Online-Jobsuche vertiefen, doch sie verbringen viele Stunden vor dem Computer und werden immer hoffnungsloser.

Aktivitäten mit Familie und Freunden sind in diesem Fall maßgeblich: Ein aktives Leben und soziale Kontakte stärken den Geist und beugen depressiven Zuständen vor. Du solltest dich deshalb keinesfalls zurückziehen, sondern andere Menschen treffen und deinen Freizeitaktivitäten nachgehen.

Ein gesunder Tagesablauf

Organisiere und plane deinen Tagesablauf, denn du benötigst jetzt Struktur und Kontrolle:

  • Achte auf regelmäßige Schlafzeiten, auch wenn du nicht verpflichtest bist, früh am Morgen aufzustehen.
  • Bewege dich und ernähre dich gesund.
  • Natürlich musst du dich der Arbeitssuche widmen, doch auch Freizeit und soziale Kontakte sind wichtig.
  • Nimm dir jeden Tag Zeit, um neue Fähigkeiten zu entwickeln.

Neue Projekte für die Zukunft

Ergreife die Initiative und entwickle eigene Projekte, für die du dich vielleicht weiterbilden musst, die dir jedoch neue Perspektiven öffnen. Die moderne Arbeitswelt erfordert Innovation und Flexibilität. Welche Stärken hast du? Wie kannst du sie ausweiten und für neue berufliche Herausforderungen verwenden? Erhältst du Unterstützung von anderen, ist diese Option noch motivierender!

Du hast Angst, keinen Job mehr zu finden? Eine Psychotherapie kann dir helfen

Wenn du arbeitslos bist und Angst hast, keinen Job mehr zu finden, ist psychologische Unterstützung entscheidend. Betroffene benötigen effektive und engmaschige Betreuungsmechanismen, um ihre psychische Gesundheit zu schützen. Lass dir helfen, um diese schwierige Situation zu überwinden und neue Möglichkeiten zu finden.

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