Galenos von Pergamon: Biografie eines brillanten Arztes

Galenos von Pergamon ist für eine kuriose Begebenheit bekannt, die zu wertvoller Forschung wurde. Zu einer Zeit, in der es praktisch keinerlei diagnostische Mittel und Wissen in der Biologie gab, gelang es ihm, Ideen und Prinzipien zu etablieren, welche die medizinische Praxis für Jahrhunderte bestimmen sollten.
Galenos von Pergamon: Biografie eines brillanten Arztes

Letzte Aktualisierung: 04. Februar 2021

Der Name Galenos von Pergamon ist so eng mit der Geschichte der Medizin verbunden, dass alle Ärzte auch heute noch in irgendeiner Art und Weise seine Lehren anwenden. Neben Hippokrates gilt er als der berühmteste Vertreter des Gesundheitsbereiches in der Antike. Seine Beiträge waren zu jener Zeit für die Medizinwissenschaften von entscheidender Bedeutung und werden bis zum heutigen Tage anerkannt und gewürdigt.

Galenos Konzepte leiteten die Medizin für mehr als Tausend Jahre. Seine Studien des menschlichen Körpers legten die Grundsteine für das Verständnis der gesamten menschlichen Anatomie. Eine seiner zahlreichen Errungenschaften war seine Entdeckung, dass nicht die Luft durch die Venen zirkuliert, sondern vielmehr das Blut.

Darüber hinaus gelangen Galenos von Pergamon auch einige bedeutende Entdeckungen in Bezug auf die Herzklappen, die Funktionen der Nieren und der Blase und er gewann einige grundlegende Vorstellungen über das Gehirn.

Außerdem war Galenos von Pergamon einer der ersten, der eine Epidemie miterlebte und beschrieb. Er war Zeitzeuge der Antoninischen Pest, die in den Jahren 165 bis 180 im Römischen Reich herrschte. Sie teilte die Geschichte der antiken Welt in zwei Hälften und obwohl die Ärzte sie nie ganz verstanden haben, haben sie uns einige wichtige Informationen darüber hinterlassen.

Galenos von Pergamon - Blutgefäße

Galenos von Pergamon, der Prädestinierte?

Galenos wurde im Jahr 129 oder 130 in Pergamon geboren (daher auch sein Name). Pergamon war zu jener Zeit unter griechischer Herrschaft und ist heute ein Teil der Türkei. Dieser Arzt wurde in eine aristokratische und wohlhabende Familie geboren. Sein Vater war Aelius Nicon, ein vermögender Architekt und Landbesitzer. Über seine Mutter ist nur wenig bekannt, außer dass sie ein schwieriges Temperament hatte.

Galenos Eltern waren sehr darauf bedacht, dass ihr Sohn eine gute und solide Ausbildung erhielt. Eine Legende berichtet davon, dass sein Vater eines nachts von Asklepios, dem Gott der Medizin, träumte. In diesem Traum sagte ihm der Gott höchstpersönlich, dass sein Sohn Medizin studieren solle. Ob aus diesem oder einem anderen Grund, Galenos Vater ermutigte ihn, diesen Beruf zu ergreifen.

Anfänglich studierte Galenos am Asklepieion von Pergamon, einer Art Heiltempel zu Ehren des Asklepios. Dort kombinierte er das medizinische Wissen jener Zeit mit religiösen Überzeugungen. Anschließend studierte er in Smyrna und Korinth, wo er sich mit dem Werk des Hippokrates vertraut machte, welches seine Ausbildung maßgeblich beeinflusste.

Ein herausragender Arzt

Später ging Galenos nach Alexandria, das zur damaligen Zeit das wahre Mekka des Wissens war. Dort vollendete er seine Ausbildung, hauptsächlich in Anatomie und Physiologie. In dieser Metropole war es Galenos von Pergamon möglich, Leichen zu sezieren. Aufgrund dessen gewann er ein wesentlich besseres Verständnis über die Funktionsweise des menschlichen Körpers.

Als sein Vater starb, kehrte er wieder in seine Heimatstadt zurück. Dort wurde er Arzt an einer Gladiatorenschule und durch diese Tätigkeit konnte er sich mit Schlagverletzungen und Wunden vertraut machen. Er arbeitete dort für ungefähr vier Jahre und währenddessen nahm seine Reputation als effektiver Heiler stetig zu.

Im Jahr 162 zog er nach Rom, “der Hauptstadt der Welt” in der damaligen Zeit. Sein Ansehen wuchs so stark, dass er schließlich der persönliche Leibarzt verschiedener Kaiser wie Mark Aurel, Commodus und Septimius Severus wurde. Während seiner Zeit in Rom konnte er sich intensiv seinen Forschungen widmen. Experten vermuten, dass er während dieser Zeit ungefähr 400 Werke verfasst hat, von denen allerdings nur 150 erhalten geblieben sind.

Galenos von Pergamon - Mark Aurel
Mark Aurel

Ein maßgebliches und nachhaltiges Vermächtnis

Da in Rom Sezierungen an Menschen verboten waren, musste Galenos von Pergamon seine Studien an lebenden und toten Tieren durchführen. So konnte er die grundlegende Funktionsweise der Nieren und der Rückenmarks verstehen. Bedauerlicherweise verbrannten viele seiner Arbeiten während eines Feuers im Jahr 171.

Galenos Hauptwerk ist der Methodus medendi („Die therapeutische Methode“), eine Abhandlung, die 15 Jahrhunderte angewendet wurde. Darüber hinaus gelten die Arbeiten dieses Arztes auch als wesentliche Grundlage für die Pharmazie. Eine seiner größten Tugenden war, dass er ein gesegneter Experimentator war. Mit anderen Worten, er war ein Mann der Wissenschaft, der zunächst nach Beweisen suchte und anschließend Wissen um sie herum aufbaute.

Galenos von Pergamon war ebenfalls davon überzeugt, dass medizinisches Wissen nicht gesucht oder ausgeübt werden könnte, wenn es nicht von einer tiefen Ethik begleitet wäre. Er glaubte, dass Medizin vor allem eine philanthropische Kunst sei. Daher war er der Überzeugung, dass ein Arzt tugendhaft und diszipliniert sein und sich vor allem durch Mäßigung auszeichnen sollte.

Vor seinem Tod kehrt dieser berühmte Arzt wieder in seine Heimat Pergamon zurück, wo er ungefähr im Jahr 216 verstarb.

Eines ist gewiss: Ohne Galenos von Pergamon hätten sich weder die Medizin noch die pharmazeutische Chemie in ihrem Wissen und ihrer Praxis so schnell weiterentwickelt.

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  • Rodríguez, R. M. M., & Ballester, L. G. (1982). El dolor en la teoría y práctica médicas de Galeno. Dynamis: Acta Hispanica ad Medicinae Scientiarumque Historiam Illustrandam, 2, 3-24.