Metrodora: Die ägyptische Gynäkologin, die ihrer Zeit voraus war

23 Juni, 2020
Zu Beginn des letzten Römischen Reiches hob sich eine Ägypterin aufgrund ihrer unglaublichen Innovationen in der gynäkologischen Medizin unter ihren Zeitgenossen hervor.

Die ägyptische Gynäkologin Metrodora war eine herausragende Persönlichkeit auf dem Gebiet der Medizin. Ihre Arbeit in der Forschung und die Verbreitung gynäkologischer Themen brachte ihr bei ihren Zeitgenossen eine beispiellose Anerkennung ein.

Um das Leben dieser brillanten Frau besser zu verstehen, müssen wir ihre Geschichte einige Jahrhunderte vor ihrer Zeit beginnen. Wenn wir über Ägypten sprechen, müssen wir  zunächst Griechenland erwähnen, die Heimat einiger der größten Denker der Geschichte und der brillantesten Ärzte unserer Zeit. Hippokrates und Galenos stehen dabei zweifelsohne an der Spitze. Aber was hat Griechenland mit Ägypten und dieser jungen Gynäkologin zu tun?

Zunächst erlebte Ägypten die hellenistische Zeit zwischen 323 und 30 v. Chr. Während dieser Zeit blühte die ägyptische Kultur auf, wobei der Schwerpunkt auf der Stadt Alexandria lag.

Alexander der Große gründete die Enklave im westlichen Teil des Nildeltas. Alexanderia hatte sogar einen besonderen Status als griechische Stadt, deren Verwaltung sich von der ägyptischen unterschied. Einige Zeit später wurde die Enklave dann vom Römischen Reich kolonisiert. Schließlich entwickelte sich Alexandria zu einer Provinz, obwohl Griechisch dort weiterhin Kultursprache blieb.

Es war in dieser letzten historischen Periode, in der sich der Charakter von Metrodora und ihre Relevanz für das Gebiet der Medizin abzuzeichnen begann.

Frauen im Antiken Griechenland

Wer war Metrodora?

Der Name Metrodora ist vermutlich den wenigsten Menschen bekannt. Das Geheimnis um ihr Leben, sowie ihre Forschungen sind immer noch eine Quelle von Spekulationen und Gerüchten. Es ist jedoch sicher, dass sie sich als Gynäkologin, Hebamme und Wissenschaftlerin für medizinische Probleme von Frauen hervorgetan hat. Ein merkwürdiger Aspekt ihrer Schriften ist der, dass sie alles in streng alphabetischer Reihenfolge aufzeichnete.

Experten glauben, dass Metrodora zwischen 200 und 400 n. Chr. in Ägypten zur Welt kam. Hochgebildet, wuchs sie in einer Gesellschaft auf, die zwar nicht so sexistisch war wie die der Griechen oder Römer (die Frauen als ewige Minderjährige betrachteten), aber in der Frauen lediglich als Ergänzung zu den Männern angesehen wurden.

Glücklicherweise behandelten die Gesetze im alten Ägypten Männer und Frauen jedoch fast gleich. Etwas das in Griechenland oder Rom undenkbar gewesen wäre.

Frauen in Ägypten konnten sich scheiden lassen, hatten ein Erbrecht und der Missbrauch von Frauen wurde verpönt (obwohl dies die Vorfälle nicht verhinderte). Darüber hinaus konnten Frauen auch ihr eigenes Unternehmen besitzen oder in bestimmten Berufen arbeiten, unter anderem auch im Gesundheitswesen.

„Wo immer die Kunst der Medizin geliebt wird, gibt es auch eine Liebe zur Menschheit.“

-Hippokrates von Kos-

Die Herkunft des Namens Metrodora ist erwähnenswert: Im Griechischen bedeutete Metro „Mutterleib“ und Dora „Geschenk“. Sie machte ihrem Namen alle Ehre und spezialisierte sich auf Krankheiten und Störungen, an denen speziell Frauen litten.

Während ihrer Karriere schrieb sie zahlreiche Arbeiten, die sich auf die Gynäkologie bezogen. Ihre medizinische Arbeit On the Diseases and Cures of Women besteht aus 63 Kapiteln und ist bis heute weit verbreitet. Darin befasst sie sich nicht nur mit medizinischen Fragen, sondern liefert auch allgemeine Ratschläge zu Fragen der öffentlichen Gesundheit und zu milderen Problemen, wie beispielsweise Hämorrhoiden.

Medizinische Innovationen und Fortschritte

Ihre Beiträge zur Medizin umfassen unter anderem die Verwendung des Spekulums für medizinische Untersuchungen. Darüber hinaus entwickelte sie den Tampon als Verhütungsmethode und zur Behandlung von Vaginalinfektionen. Des Weiteren entwickelte sie auch medizinische Zusammensetzungen und legte Richtlinien fest, um festzustellen, ob eine Frau sexuell missbraucht oder angegriffen worden war.

Sie arbeitete auch an der Rekonstruktion von Gesicht, Brüsten und Hymen. Ihr Ziel im letzteren Fall war es, den Frauen, die keine Jungfrauen waren, dabei zu helfen, soziale Stigmatisierung zu vermeiden. Gleichzeitig war sie eine der ersten Spezialistinnen, die chirurgische Eingriffe bei Krebserkrankungen guthieß. Tumore waren bereits zu jener Zeit als „bösartiges Geschwür“ bekannt.

Metrodora und die Geheimnisse, die ihre Figur umgeben

Historiker wissen nicht, ob Metrodora den größten Teil ihrer Arbeit in Griechenland oder Ägypten geleistet hat. Dies ist auf die vielen territorialen Bewegungen im Land der Pharaonen zurückzuführen.

In ähnlicher Weise herrschten viele Jahre lang Gerüchte, dass Metrodora in Wirklichkeit die berühmte Kleopatra war. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie in einigen Untersuchungen als „Kleopatra Metrodora“ bezeichnet wird. Allerdings gibt es keinen Hinweis darauf gibt, dass diese Geschichte tatsächlich wahr ist.

Wer auch immer sie war, wir können ihre hervorragenden Schriften weiterhin bewundern. Einige dieser Arbeiten werden in der Laurentianischen Bibliothek in Florenz aufbewahrt. Sie werden sicherlich all diejenigen begeistern, die sich dazu entschließen, die Biografie dieser beeindruckenden Frau zu untersuchen.

-Sharon L. James y Sheila Dillon: A Companion to Women in the Ancient World, p. 123. John Wiley and Sons, 2011

Tsoucalas Gregory y Sgantzos Markos: Aspasia and Cleopatra Metrodora, Two Majestic Female Physician Surgeons in the Early Byzantine Era. Journal of Universal Surgery, 2016.