Brustkrebs: Gemeinsam schaffen wir es

· 18. Dezember 2018

Jeder Brustkrebs ist anders, sowohl auf molekularer als auch auf emotionaler Ebene. Einige sind invasiver, andere weniger. Auf dieser harten und mutigen Reise ist der kahle Kopf oder die Narbe einer fehlenden Brust, unter der das immer noch liebende Herz schlägt, das geringste Problem. Es geht vielmehr darum, am Leben zu sein und sich der Herausforderung zu stellen, zu wissen, dass wir es gemeinsam schaffen können.

Die Wissenschaft überrascht uns täglich mit neuen und hoffnungsvollen Nachrichten aus der Onkologie. Die Behandlungen werden immer präziser, wie es die Fortschritte in der Immuntherapie zeigen, bei der wir unseren Körper darauf „trainieren“, das Immunsystem anzuleiten, um bösartige Zellen zu bekämpfen, ohne gesundes Gewebe zu schädigen. Medikamente werden verbessert und haben immer weniger Nebenwirkungen, auch das stimmt.

Aber die Diagnosen von Brustkrebs folgen ebenso schnell aufeinander wie die guten Nachrichten. Tatsächlich ist Brustkrebs nach Angaben des World Cancer Research Fund noch immer die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Während es wahr ist, dass die Sterblichkeit jedes Jahr sinkt, ist es notwendig, sich der sozialen und emotionalen Auswirkungen bewusst zu werden, die diese Krankheit weiterhin hat.

Frau mit rosa Schleife

Jede der betroffenen Frauen hat einen Vor- und Nachnamen, eine eigene Geschichte und einen Krebs mit einem bestimmten biologischen Profil. Sie alle sind in ihrer Angst und ihren Qualen vereint. Alle diese außergewöhnlichen Frauen sind verpflichtet, eine besondere und ungeheuer harte Reise anzutreten, auf die niemand, absolut niemand, vorbereitet ist.

Aber die meisten von ihnen bringen diese Reise zu Ende und werden zu einer Quelle der Inspiration, in ihrer Reflexion der realistischsten Hoffnung, dass wir gemeinsam viel mehr schaffen können.

Warum ich?

Álvaro Rodríguez-Lescure, Vizepräsident der Spanischen Gesellschaft für medizinische Onkologie (SEOM), erzählt uns, dass Brustkrebs heute noch der am häufigsten diagnostizierte Krebs der Frau sei. Es sei jedoch zu beachten, dass es Länder gebe, in denen der Lungenkrebs den Brustkrebs als Ursache für weibliche Sterblichkeit bereits überholt hat. Der Nikotinkonsum hat definitiv einen Anteil daran, aber auch die steten Verbesserungen in der Versorgung von Brustkrebspatientinnen – und das ist etwas, das unsere Aufmerksamkeit verdient.

Doch trotz der Tatsache, dass die Überlebensrate bei Brustkrebs bereits auf einem mehr als ermutigendem Niveau liegt, bleibt die Frage des „Warum ich?“ bestehen. Die University of Western Australia (Australien) führte 2014 eine Studie durch, in der diskutiert wurde, welche Assoziationen Frauen gegenüber dieser Krankheit vornahmen, und es zeigte sich, dass viele Frauen die Genetik für das Auftreten von Mammatumoren verantwortlich machen.

Klinische Studien zeigen jedoch, dass weniger als 10% der Brustkrebserkrankungen vordergründig mit einer Genmutation, vor allem mit Mutationen der Gene BRCA1 und BRCA2, zusammenhängen. Es ist klar, dass es weitere Faktoren gibt, die das Risiko für die Entwicklung dieser Krankheit erhöhen, und wir sollten sie kennen. Gleichzeitig müssen wir aber davon ausgehen, dass es (zumindest heute) noch nicht möglich ist, sie zu 100% zu verhindern. Deshalb bleibt es eine Notwendigkeit, sie im Frühstadium durch eine Mammografie zu erkennen.

Eine Frau, eine Geschichte

Zu den wichtigsten Meilensteinen auf dem Gebiet der Onkologie zählen jene, die das Verständnis der Heterogenität von Brustkrebs förderten. Jeder Subtyp erfordert eine spezifische und differenzierte Behandlung. So wird es Frauen geben, die mehr oder weniger invasive Therapien brauchen, mehr oder weniger Zyklen von Chemotherapie und Bestrahlung, die über eine mehr oder weniger lange Zeit durch Medikamente ergänzt werden müssen.

Jenseits der medizinischen Geschichte gibt es auch die persönliche Geschichte. Es gibt sehr junge Frauen, die erleben, wie ihr Leben über Nacht zum Stillstand kommt. Es gibt andere, die diagnostiziert werden, während sie schwanger sind. Viele Frauen weigern sich, in ihrem Berufsleben Halt zu machen und organisieren ihr Leben um Narben und Arzttermine, ohne zu klagen.

Einige Frauen wären gern wie diese Kriegerinnen und mutigen Kämpferinnen, aber sie können es nicht. Metastasierender oder rezidivierender Brustkrebs lässt nicht immer Raum für einen Sieg. In jeder Geschichte gibt es Kapitel des Fortschritts und des Rückschritts, aber die Diagnose Brustkrebs im Stadium IV ist düster. Daher sind ihre Geschichten andere, zartere, noch bewundernswertere.

Krebszellen und Boxhandschuh

Eine transformative Reise, die Narben hinterlässt

Brustkrebs fügt Narben zu, die nicht gesehen und deshalb nicht geschätzt werden. Wir sprechen nicht von der Wunde, die manchmal den Raum einer leeren Brust begrenzt. In erster Linie sprechen wir über die Last, die jede Frau, die Krebs überlebt, schweigend trägt.

  • Oft bleibt die permanente Angst vor einem Rückfall.
  • Viele Brustkrebsoperationen beinhalten die Entfernung von Lymphknoten. Diese Maßnahme mag schwerwiegende Langzeitfolgen haben, wie z. B. ein Lymphödem. Dabei handelt es sich um eine Flüssigkeitsansammlung im Eingriffsbereich, in dem auch Entzündungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auftreten können. Das ist ein Zustand, der es schwierig machen kann, so einfache Aufgaben wie das Bürsten der Haare zu erledigen.
  • Nach einer Strahlen-, Chemo-, Hormontherapie oder Operation ist es zudem üblich, dass die Libido einer Frau abnimmt.
  • Viele sehen sich auch gezwungen, ein verändertes Image zu akzeptieren, was eine Zeit eröffnet, in der sie soziale und berufliche Unterstützung benötigen.
Frau mit Krebs und ihre Therapeutin

So ist es notwendig, zu verstehen, dass, wenn eine Frau einen Brustkrebs überwunden hat, ihre Reise weitergeht. Diese transformative Reise umfasst viele weitere Etappen, wie die Überwindung der Angst, die Bewältigung der Folgen, die Selbstfürsorge und schließlich die Unterstützung weiterer Frauen in der gleichen Situation.

Gemeinsam schaffen wir es. Der Brustkrebs verändert unser Leben, aber soll es uns nicht nehmen, wenn wir noch so viel zu leben haben. Auf dass die Narben uns helfen, stärker zu werden.