Die Säulen der Jungschen Angsttherapie

· 11. November 2018

Die Jungsche Angsttherapie beruht auf einer zentralen Vorraussetzung: Unsere Gedanken und Überzeugungen können unsere Hauptfeinde sein, besonders wenn wir uns wehren oder nicht wissen, wie wir mit dem umgehen sollen, was uns lähmt, was uns Sorgen bereitet. Wenn wir sie hingegen annehmen und uns auf kreative Weise mit der Wurzel des Problems befassen, können wir uns von den entsprechenden Lasten befreien.

Wenn es ein Schlüsselwort gibt, das diesen von Carl Gustav Jung etablierten psychologischen Ansatz definiert, dann ist es die Selbstverwirklichung. Ein Aspekt, der den Schweizer Psychiater immer von den Annahmen Sigmund Freuds unterschied, war nämlich sein Glaube, dass der Mensch sein Leben auf das einzige Ziel ausrichte, sich als Person zu erfüllen.

Doch seit Generationen und Generationen sind wir der Angst ausgesetzt. Und der Grund dafür, dass dies so ist, schien bereits Jung klar zu sein: Die Welt scheint uns nicht immer ein sicherer Ort zu sein.

„Der Psychotherapeut muss jeden Patienten und jeden Fall als etwas Neues, Einzigartiges, Wunderbares und Außergewöhnliches betrachten. Nur so kann er der Wahrheit näherkommen.“

Carl Gustav Jung

Das gesamte soziale Gefüge, das uns umgibt, die Institutionen, die Behörden und sogar der Fluss der Moderne, in dem wir uns täglich bewegen, bilden kein günstiges Szenario. Zu diesem ständigen Gefühl der Unsicherheit kommt die psychische Unzufriedenheit, das Gefühl, dass wir nicht frei seien, dass wir uns als Menschen nicht vollständig verwirklichen können. Diese Umstände zehren an unserem Inneren und weit davon entfernt, jene innere Spannung anzunehmen, entscheiden wir uns, stoisch zu widerstehen. Doch wie Carl Gustav Jung uns immer wieder sagte, bleibt das, dem wir uns widersetzen, bestehen.

Fliehender Mann

Die Schlüssel der Jungschen Angsttherapie

Die Jungsche Angsttherapie ist eine spezielle Form der Psychotherapie, die sich in ihrer Methodik deutlich von den gängigsten unterscheidet, wie z. B. der kognitiven Verhaltenstherapie oder der humanistischen Therapie. Allerdings bilden Universitäten wie die University of California (Kalifornien, USA) seit mehr als 40 Jahren regelmäßig Studenten in diesem Ansatz aus.

Wenn wir uns nun fragen, ob sie im Umgang mit Angstzuständen wirksam ist, müsste die Antwort lauten, dass sie auf stabilen Säulen ruht, an denen wir durchaus Interesse haben sollten.

1. Die Hypothese: Angst sei eine menschliche Eigenschaft, aber sie müsse individualisiert werden

Die Jungsche Angsttherapie nutzt Konzepte wie Archetypen und das kollektive Unbewusste, um Ideen zu belegen: Menschen teilen ein psychisches Substrat, in dem Elemente entstehen, die uns alle definieren. Da gebe es Instinkte, Triebe, Schatten, die wir alle gleichermaßen aufweisen würden:

  • Angst sei der Teppich, auf dem wir uns alle jeden Tag bewegen. Sie sei eine Emotion, die mit dem Leiden aufgeladen sei, das von Obengenanntem ausgehe: dem Gefühl, dass wir in einer Umgebung leben, die nicht immer sicher sei.
  • Nun, trotz der Tatsache, dass wir alle Menschen diese Dimension teilen, latent oder offenkundig, seien wir verpflichtet, uns zu individualisieren. Es gehe darum, uns von diesem Gewebe, auf dem wir wandeln, abzuheben, um uns als autonome und unabhängige Wesen zu verstehen.
  • Auf diese Weise müsse jeder Mensch, der täglich mit Angst zu tun hat, in der Lage sein, zu definieren, was er wahrnehme, was er fühle, was er brauche.

Die Jungsche Angsttherapie verwendet eine enge Methodik, ein dialektisches Verfahren, bei dem der Therapeut fähig sein muss, sich mit der Persönlichkeit des Patienten zu verbinden, um seinen Komfort und seine Autonomie zu erhöhen. Der Patient soll sich selbst als aktiven Bestandteil seiner Heilung wahrnehmen.

Gesicht mit Gebäuden vor einem Schiff

2. Das Erkennen des Schattens oder der tiefen Wurzeln der Angst

Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg der Jungschen Angsttherapie ist es, die Ursache für den Zustand des Patienten zu finden. Die Wurzel des Problems, die dieses psychische Leiden verursacht. Ziel ist also das Erkennen seines Schattens, jener dunklen Seite seiner Persönlichkeit, die ans Licht treten soll. Dazu ist es notwendig, dass der Therapeut die affektiven Komplexe (Bedürfnisse, Obsessionen, Gefühle der Bewunderung …) des Patienten identifiziert.

Um dies zu erreichen, werden diese Strategien verfolgt:

  • Konversationstherapie
  • Assoziation von Ideen
  • Kreative Techniken
  • Traumdeutung

Der Patient muss ein Bündnis mit dem Therapeuten eingehen, um sein Unbewusstes ansprechbar zu machen. Zu wissen, was dieser komplexen psychischen Struktur zugrunde liegt, die so oft von Knoten, Lücken und vernachlässigten Bedürfnissen durchsetzt ist, ist der Schlüssel zur Genesung.

3. Durchbrechen der Widerstände: Akzeptanz der Freiheit

Die Jungsche Angsttherapie hat nur einen Zweck, den der Individualisierung. Die Förderung dieser psychischen und emotionalen Autonomie erfordert, dass der Patient befähigt wird, mit Widerstand zu brechen, diesen Wunsch zu stoppen, vor dem zu fliehen, was ihm Sorgen oder Angst bereitet.

Die Furcht wird konfrontiert, die Qual wird gelindert, indem wir sie erkennen, und ihr die Kraft, die sie über unseren Körper und Geist hat, nehmen. Nur wenn wir aufhören, werden wir ein stärkeres und helleres Selbst offenbaren können.

Je mehr wir versuchen, so Carl Gustav Jung, einen negativen oder verstörenden Gedanken beiseite zu legen, desto mehr Macht werde er über uns erreichen. Daher könne das Leugnen oder Widersetzen gegen derartigen Gedanken die Symptomatik, die mit der Angst verbunden ist, unendlich verschlimmern: mehr Nerven, mehr Unruhe, mehr Aufregung.

Die Jungsche Angsttherapie wiederum versucht, den Patienten so zu führen, dass er einen sehr wichtigen Aspekt akzeptieren kann: dass die Angst ein Teil des Menschen ist und dass sie daher ohne Widerstand akzeptiert werden muss. Lassen wir sie aber nicht an die Macht kommen, denn dann verlören wir unsere Autonomie.

Bleistift zeichnet eine Brücke

Einen Zweck finden

Die Jungsche Angsttherapie ist sich bewusst, dass wir mehr oder weniger oft unsere Energiereserven ausschöpfen. Es gibt viele Menschen, die unter chronischer Hoffnungslosigkeit und diesem Mangel an Motivation leiden, der fast immer von dem gleichen Punkt ausgeht: dem Fehlen eines Zwecks, eines Sinns, aus dem die Bedeutung geboren würde.

Diese Art der Therapie bietet dem Menschen die geeigneten Mittel, um einen neuen, vitalen Ansatz zu entwickeln. So erleichtert sie die Definition eines lebendigen Zwecks, der an die eigenen Bedürfnisse angepasst ist. Auf diese Weise und ausgehend von jenem inneren Sinn können wir Unruhe und Ängste abbauen, um unsere Energie auf persönliche Ziele auszurichten.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die Jungsche Angsttherapie ein weiterer psychologischer Ansatz im uns zur Verfügung stehenden Spektrum aus Therapien ist. Die Wiederherstellung des emotionalen Gleichgewichts aus unserem Unbewussten, unseren Blockaden, Ängsten und Schatten ist eine weitere Strategie, der wir eine Chance geben sollten. Es ist zudem erwähnenswert, dass die Jungsche Angsttherapie jüngst in verschiedenen Studien evaluiert wurde, die ihre Wirksamkeit unterstützen.

Es bleibt interessant, diese Art therapeutischer Reise zu beginnen, die die Selbsterkenntnis und persönliche Freiheit fördert.