Die Arten der Libido und die Filmfiguren, die sie repräsentieren

· 18. September 2018

Wir alle müssen langsam begreifen, dass es sich bei der Libido nicht um eine rein sexuelle Angelegenheit handelt, auch wenn viele Menschen noch dieser Meinung sind. Im Grunde genommen ist sie einer der grundlegendsten menschlichen Impulse. Wir werden das hier aus erster Hand belegen, indem wir uns die verschiedenen Arten der Libido einmal genauer ansehen.

Eine der am weitesten akzeptierten Theorien zur Libido besagt, dass wir während der Kindheit eine unkontrollierte Anziehung zu uns selbst entwickeln. Sie besagt auch, dass diese im Laufe der Zeit abflache. Danach beginnen wir, uns aufgrund unserer Fortpflanzungsinstinkte auf andere Menschen zu konzentrieren. Doch wenn wir diese Phase einmal hinter uns haben, konzentrieren wir uns wieder auf uns selbst.

Freud sprach von drei Grundtypen der Libido. Sie alle reihen sich in eine der drei Regionen unserer Psyche ein, die aus dem Es, Ich und Über-Ich besteht. Du wirst dich womöglich daran erinnern, dass das Es von Impulsen gelenkt ist und so der instinktivste Teil von uns ist. Das Ich ist unser Bewusstsein für uns selbst und die Konsequenzen unserer Handlungen. Schließlich sind im Über-Ich unsere Prinzipien, die Moral und die Art, wie wir uns selbst sehen, vereint.

Betrachten wir nun die verschiedenen Arten der Libido, die wir hier durch Filmcharaktere repräsentiert sehen.

Der Erstbeschreiber von Es, Ich und Über-Ich, Sigmund FreudDer Erotiker, der ewige Romantiker

Menschen mit einer erotischen Libido konzentrieren sich auf die Liebe. Lieben und geliebt werden sind die wichtigsten Instanzen in ihrem Leben. Aus diesem Grund ist eine ihrer größten Ängste der Verlust von geliebten Personen. Dies führt dazu, dass sie zur Abhängigkeit neigen. Sie haben insgesamt weniger Kontrolle über ihre Impulse. Um es mit anderen Worten zu sagen: Ihr Es ist sehr dominant. Viele Menschen in unserer Gesellschaft sind solche Erotiker.

Ein Beispiel für diese Art von Persönlichkeit ist Madame Bovary. Sie fühlte sich verlassen, weil ihr Mann viel Zeit mit seiner Arbeit verbrachte. Da er ihr nicht die von ihr verlangte Aufmerksamkeit schenkte, suchte sie ständig nach neuen Liebhabern, um die entstandene Lücke zu füllen. Sie verliebte sich in alle von ihnen.

Um ein Beispiel für das männliche Geschlecht zu geben, sei Maximiliano Rubín genannt, der mit Fortunata verheiratet war, wie es im Roman Fortunata und Jacinta beschrieben ist. Zwar gewann er nie das Herz seiner Frau, aber er liebte sie mehr als alles andere. Dracula ist ein weiteres großartiges Beispiel für eine fiktive Figur mit dieser Art der Libido.

„Ich verstehe nicht, warum Essen den Hunger sterben lässt, ein Bett die Müdigkeit zufriedenstellt und Wasser den Durst stillt, aber das Verlangen, welches mich überkommt, wenn ich deine Hände sehe, in der hintersten Schublade meines Gehirns als etwas Böses abgelegt werden muss.“

Ana María Rodas

Szene aus dem spanischen Roman "Fortunata und Jacinta"Die Besessenen, geplagt von Gedanken

Diese Art von Menschen unterliegt mehr einer inneren Abhängigkeit als einer externen. Es handelt sich um unabhängige, autonome Menschen, die sich stets durch zahlreiche Gedanken und Sorgen gestresst und beunruhigt fühlen. Deshalb haben sie das Bedürfnis, darüber nachzudenken und darüber zu sprechen, was sie fühlen. Viele dieser Menschen finden wir in der Welt der Kunst und Kultur, unter Filmemachern, Schauspielern, Malern etc.

Das „Super-Ego“ kontrolliert diese Art der Libido. Ein Beispiel dafür ist Howard Beale in Network  von Sidney Lumet (1976). Er war ein analytischer, depressiver Mensch, der sich von der Welt geplagt fühlte.

Die Narzissten, besorgt um ihr Ego

Wir haben schon mehrfach über Narzissmus gesprochen. Die narzisstische Art der Libido geht einher mit Menschen, die sich ihrer selbst sicher sind und sich nur schwer einschüchtern lassen. Sie kümmern sich auch nicht zu sehr darum, romantisch zu sein. Ihnen ist das Verlangen wesentlich wichtiger als die Romantik. Die sexuelle Anziehung sich selbst gegenüber ist offensichtlich.

Sie können sehr gesellige Menschen sein. Es ist auch nicht schwer für sie, der Leiter einer Gruppe oder sogar Revolutionär zu sein. Sie strahlen ein unbedingtes Vertrauen aus, das anderen Mut gibt. Darüber hinaus haben sie einen großen Drang danach, selbst aktiv zu werden und etwas zu beginnen, womit sie wiederum die Passivität ihrer Mitmenschen ausgleichen. Manchmal nimmt diese „Aktivität“ jedoch eine aggressive Form an. Sowohl das Ich als auch das Über-Ich sind hier sehr mächtig, wobei das Ich alles dominiert.

Ein Beispiel dafür ist Commodus aus dem Film Gladiator Er wollte, dass sein Vater all seine Qualitäten anerkennt, denkt nur an sich selbst (und das auch noch auf verzerrte Weise) und zögert nicht, sich gegen seinen Vater zu verschwören, wenn er mit seiner bisherigen Strategie nicht durchkommt. Tony Stark, der Iron Man,  hatte auch ein verstärkt positives Selbstbild. Deshalb zögerte er nicht, seine Überlegenheit gegenüber anderen Menschen zum Ausdruck zu bringen.

Commodus aus dem Film "Gladiator"Eine bunte Mischung

Du wirst leichter Ähnlichkeiten mit den Persönlichkeiten deiner Mitmenschen finden, wenn du diese drei Arten der Libido miteinander kombinierst, da nur wenige zu den genannten Extremen neigen. Deshalb kannst du beispielsweise auf erotische Besessene stoßen. Das sind Menschen, die auf Ehepartner, Eltern oder Lehrer angewiesen sind und die Moral über ihren Instinkt stellen. Travis Bickle aus Taxi Driver  ist ein gutes Beispiel für diesen gemischten Typ. Er begehrte diese eine Frau, die er nicht haben konnte, wollte besser sein (geliebt, erwünscht, bewundert) und veränderte daher seine Persönlichkeit. Nur, damit andere Leute ihn mögen.

Erotische Narzissten hingegen haben ein idealisiertes Bild von sich selbst. Gleichzeitig sind sie aber auch Menschen mit einer Tendenz zu Aktivität und Aggressivität. Ähnlich verhält es sich mit narzisstischen Besessenen. Sie sind zwar unabhängig, zielorientiert und stellen ihre Meinung über alles andere, aber sie lassen niemals von ihrer Gewissenhaftigkeit ab. Ein Beispiel dafür ist Alexander der Große, der in seinen Schlachten kämpfte, weil er ein Held sein wollte, der für immer in Erinnerung bleiben wird.