Das "flüssige Leben": Kaufen wir, um unsere Leere zu füllen?

Unser Konsumverhalten entsteht oft aus einem Impuls heraus, um die innere Leere zu füllen, jedoch nicht, um ein wirkliches Bedürfnis zu stillen.
Das "flüssige Leben": Kaufen wir, um unsere Leere zu füllen?
Gema Sánchez Cuevas

Geprüft und freigegeben von der Psychologe Gema Sánchez Cuevas.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 10. März 2022

Leben bedeutet Wandel auf allen Ebenen: Politik, Werte, Denkweisen, Beziehungen, Bildung, Arbeit… Wir leben in einer globalisierten Gesellschaft, die von Konsumdenken und dem Verlust der festen Strukturen der Vergangenheit geprägt ist, was zu einem starken Gefühl der Unsicherheit und Orientierungslosigkeit führt, einem Gefühl des Verlorenseins. Wir sprechen heute über das “flüssige Leben” und unser Konsumverhalten. Begleitest du uns?

Der Philosoph und Soziologe Zygmunt Bauman hat in vielen seiner Werke die ergreifende Realität eingefangen, in der wir gefangen sind: das flüssige Leben, in dem die Zerbrechlichkeit der affektiven Bindungen, die Zunahme der Ungleichheit und die allgemeine Abkopplung hervorstechen. Ein verwirrendes Szenario, das Geschwindigkeit, Egoismus und Individualität verlangt.

Bauman erklärt, dass die flüssige Gesellschaft auf der Tatsache basiert, dass alles vorübergehend, instabil, substanzlos und vergänglich ist. Alles hat ein Verfallsdatum. Ferner spielen soziale Netzwerke eine grundlegende Rolle, denn sie ermöglichen es uns, verbunden und gleichzeitig getrennt zu sein. Lass uns tiefer gehen.

“Der Konsumismus verspricht etwas, das er nicht halten kann: universelles Glück. Und er gibt vor, das Problem der Freiheit zu lösen, indem er es auf die Freiheit des Konsumenten reduziert.”

Zygmunt Bauman

Das "flüssige Leben": Kaufen wir, um unsere Leere zu füllen?

Das flüssige Leben und die ewige Leere des Konsumismus

Der flüssige Mensch will keine Bindungen, Verantwortungen und Verpflichtungen. Er ist ständig auf der Suche nach neuen Erfahrungen, nach neuen Risiken, deshalb lässt er sich meist nicht durch Wurzeln binden. Er beginnt viele neue Abenteuer, doch alles bleibt offen, es gibt keinen Abschluss und keinen Endpunkt. Alles ist flüchtig und oberflächlich…

So entsteht in ihm ein ständiges Gefühl existenzieller Leere, die er nicht zu füllen weiß – falls er sich dessen überhaupt bewusst ist. Das flüssige Leben führt diesen Menschen in einen ständigen Strom der Erneuerung, in dem Konsum und materielle Güter eine große Rolle spielen, denn sie sollen die Leere füllen.

Das Problem ist, dass die Leere des Seins nicht durch das Haben gefüllt wird. Es ist nicht die Quantität, die die ständige Unzufriedenheit auslöscht. Auch wenn sich der flüssige Mensch noch so sehr bemüht, ist er in der Substanzlosigkeit gefangen.

Unbefriedigte Wünsche rufen nur Fantasien, oberflächliche Bedürfnisse und noch mehr Sehnsüchte hervor, denn der Fokus richtet sich nach außen, während die Innenwelt vernachlässigt wird. Nichts entgeht der Liquidität unserer Gesellschaft. Sie bewirkt, dass unsere Individualität leer und instabil ist, was manchmal zu Identitätsstörungen, Angstkrisen oder Depressionen führt.

“In der heutigen Welt enden alle Vorstellungen von Glück in einem Laden.”

Zygmunt Bauman

Verantwortungsvoller Konsum

Was tun, angesichts von so viel Chaos und Leere? Wie können wir diese Leere füllen? Zu lernen, wie das Wasser zu fließen, ist eine der möglichen Lösungen. Es geht darum, sich an verschiedene Umstände anzupassen, so wie Wasser sich an jedes Gefäß anpasst.

Geduld und Selbstbeobachtung sind grundlegend, um dies zu erreichen und die wahren Bedürfnisse zu erkunden. Damit kannst du auch die Angst vor Veränderungen reduzieren.

Andererseits ist es sinnvoll, eine kritische Haltung zu entwickeln, die dir hilft, bestimmte Verhaltensweisen und Gewohnheiten zu hinterfragen. So wird es leichter, das Konsumverhalten und die Oberflächlichkeit zu stoppen, das dich gefangen hält.

Ferner solltest du den Fokus der Aufmerksamkeit nach innen verlagern, um dich mit dir selbst zu verbinden und ein solides Fundament für dein Wohlbefinden zu schaffen.

“Wir geben Geld aus, das wir nicht haben, für Dinge, die wir nicht brauchen, um Menschen zu beeindrucken, denen wir egal sind.”

Will Smith

das flüssige Leben macht nicht glücklich

Einige Tipps für verantwortlichen Konsum:

  • Mach eine Liste mit dem, was du wirklich brauchst, und plane dein Budget.
  • Konzentriere dich auf das, was du hast.
  • Recycle Dinge, die du bereits hast, anstatt Neues zu kaufen.
  • Suche nach Alternativen. Du solltest nicht nur aus Langeweile shoppen gehen, überlege dir andere Aktivitäten wie Sport, Wandern oder andere Hobbys.
  • Vereinfache dein Leben und erlebe mehr Zufriedenheit.
  • Stärke dein Selbstwertgefühl. Verwöhne dich mit Aktivitäten, die dir Spaß machen, um dich zufriedener zu fühlen.
  • Informiere dich über Marketingstrategien. Sobald du weißt, welche Tricks Unternehmen nutzen, um Geschäft zu machen, wirst du dich besser dagegen wehren können.
  • Melde dich von Newslettern ab, die dich über neue Angebote informieren. Wenn du die Angebote nicht siehst, wecken sie keine unnötigen Bedürfnisse.
  • Kaufe Erfahrungen. Jeder entscheidet, wie er sein Leben gestaltet. Aber vergiss nicht, dass Erfahrungen im Herzen wohnen, während materielle Güter in Vergessenheit geraten.

Wie du siehst, geht es nicht darum, immer mehr zu haben, sondern zu sein, deine Innenwelt zu erkunden und Spaß am Leben zu haben. Entschleunige, halte einen Moment inne und genieße die Stille. Beruhige deinen Geist und konzentriere dich darauf, wahres Wohlbefinden zu erreichen.

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  • Bauman, Zygmunt. Modernidade líquida. Rio de Janeiro: Jorge Zahar, 2001.
  • Bauman, Zygmunt. Vida líquida. Rio de Janeiro: Jorge Zahar, 2007.

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