Existenzialismus nach Rollo May

· 24. März 2019

Rollo May ist eine sehr interessante Figur in der Psychologie. Obwohl die Menschen ihn normalerweise mit der humanistischen Psychologie und sogar der Psychoanalyse verbinden, lag sein Schwerpunkt auf der existenziellen Psychologie. Dies ist ein ziemlich auffälliger Ansatz, der Psychologie und Philosophie miteinander verbindet.

May wurde 1909 in Ohio, USA, geboren. Er starb 1994 in Kalifornien, ebenfalls in den USA. Er gehörte zu einer bürgerlichen Familie und ist in einem intellektuellen Umfeld aufgewachsen. Seine Eltern ließen sich scheiden, als er in der High School war. Seine Schwester litt unter Schizophrenie und May trug wesentliche Verantwortung dafür, sich um seine Mutter, seine Schwester und seinen jüngeren Bruder zu kümmern.

„Es ist eine ironische Angewohnheit der Menschen, schneller zu laufen, wenn sie sich verlaufen haben.“

Rollo May

Alle diese Erfahrungen haben Mays Psyche geprägt. In der Tat litt er wiederholt an Depressionen. Nach seinem Studium ging er nach Griechenland. Dort öffnete er seinen Geist der Philosophie und von diesem Zeitpunkt an war er fasziniert von dieser Wissenschaft.

Rollo Mays Ausbildung

Nach seiner Rückkehr in die USA schrieb er sich selbst in das Union Theological Seminary in New York ein. Er wollte kein Priester werden. Er wollte nur über die Dinge nachdenken, die ihn interessierten, wie Selbstmord, Verzweiflung und Angst. Die Psychologie schenkte diesen Themen damals nicht viel Aufmerksamkeit.

Er traf dort auf Paul Tillich, einen Theologen, mit dem er lebenslang befreundet bleiben sollte. Leider erkrankte May bald darauf an Tuberkulose, unterbrach aus diesem Grund sein Studium und wurde in ein Sanatorium verlegt. Dort hat er mehr als ein Jahr verbracht.

Rolly May in einem Interview

In dieser Zeit las er viele verschiedene und unvergessliche Werke. Er las jede einzelne von Freuds Schriften sowie Søren Kierkegaards Bücher. Obwohl er die Beiträge der Psychoanalyse schätzte, gelangte er zu dem Schluss, dass der Existenzialismus das, was Menschen in Krisen erlebt haben, angemessener ausdrücke.

„Das Leben kommt vom physischen Überleben; aber das gute Leben kommt von dem, was uns wichtig ist. “

Rollo May

Eine neue Richtung

Als er sich von der Tuberkulose erholt hatte, war er ein neuer Mann. Er kehrte nach New York zurück, um sein Theologiestudium zu beenden. Danach beschloss er, die Psychoanalyse eingehender zu studieren und promovierte in Psychologie an der Columbia University (New York, USA).

Rollo May interessierte sich auch sehr für die humanistische Psychologie. Aus dem, was er las, und seinen Überlegungen konnte er definieren, worin das Wesen der existenziellen Psychologie bestand. Für ihn beruhe sie auf vier Säulen:

  • Menschen haben antagonistische Kräfte in sich und diese führen zu Qualen, die auch die treibende Kraft ihres Lebens sind.
  • Die Bedeutung, die jeder Mensch seinem Leben gibt, spiegelt sich in seinen Entscheidungen und seinem Engagement wider.
  • Der Mensch muss nicht so oder so sein. Jeder ist, wird und schafft sich selbst.
  • Psychotherapie hilft, über das Offensichtliche hinauszuschauen und die Anzeichen zu interpretieren, die im Leben einer Person auftreten.

Rollo Mays Theorie

Als existentieller Psychologe waren Existenz und Freiheit die zentralen Themen der Analysen von Rollo May. Er glaubte, dass wir Menschen ständig dem Dilemma gegenüberstehen, Objekt und Subjekt zugleich zu sein. Wir würden dabei zu Objekten, weil die Handlungen anderer Personen uns beeinflussen, aber wir seien auch aktive Agenten unserer eigenen, ganz individuellen Realitäten.

Rollo May in Farbe

Er war der Ansicht, dass der Konflikt das Wesentliche im Lebens sei. Die bloße Tatsache des Daseins führe bereits zu einer Reihe von Konflikten, die wir Menschen niemals vollständig lösen können. Besagte Konflikte seien nicht äußerlich. Im Gegenteil, sie seien in uns. Dennoch seien sie nicht negativ, sondern nur Bedingungen der Existenz selbst.

Die existenzielle Psychotherapie, die May vorschlug, ist ein Prozess, bei die Existenz Betroffener untersucht wird, die um Hilfe bitten. Der Therapeut versucht, die Bedenken dieser Personen zu ermitteln und sie im Dialog zu analysieren. Sein Ziel ist es, Vorurteile zu offenbaren und zu erkennen, welche inneren Einflüsse negative Folgen haben können. Diese Art der Psychotherapie führt nicht notwendigerweise zu mehr Wohlbefinden, wohl aber zu einer rationaleren Art und Weise, uns dem Leben zu stellen.

„Der Zweck der Psychotherapie ist es, den Menschen freizusetzen.“

Rollo May

  • May, R. (1990). Amor y voluntad: las fuerzas humanas que dan sentido a nuestra vida. Gedisa Mexicana.
  • May, R. (1968). El dilema existencial del hombre moderno. Paidos.
  • May, R. (1988). Libertad y destino en psicoterapia. Desclée de Brouwer.