Interpersonelle Psychotherapie: Eine neue Art, Depressionen zu verstehen und zu behandeln

20. Januar 2019

Würden wir eine Umfrage starten und nach der Bedeutung von „Depression“ fragen, erhielten wir wohl Antworten wie „eine tiefe innere Traurigkeit, die mit Antriebslosigkeit einhergeht“. Aber nur selten werden Depressionen mit dem sozialen Kontext in Verbindung gebracht, in dem wir leben. Menschen jedoch sind soziale Wesen und der Kontext ist ebenso wichtig für sie wie die Funktion ihrer Organe.

Auf Basis der Annahme, dass das Umfeld bei der Behandlung von Depression von Bedeutung sei, wurden neue Arten von Interventionen und Therapien entwickelt. Diese legen den Fokus auf das Umfeld der Betroffenen. Und einer dieser neuen Ansätze ist die interpersonelle Psychotherapie zur Behandlung von Depressionen.

In diesem Artikel stellen wir die interpersonelle Psychotherapie vor und erklären, wie sie bei der Bewältigung von Depressionen helfen kann. Wir wollen auch auf ihre Geschichte eingehen und erklären, was sie von anderen psychologischen Interventionen unterscheidet. Darüber hinaus wollen wir über die Effizienz der Behandlung bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern sprechen.

Es gibt kein bedrückenderes Gefühl, als sich von Menschen umgeben allein und deprimiert zu fühlen.

Ein Profil einer Frau, das sich scheinbar in Blumen auflöst

Merkmale der interpersonellen Psychotherapie

Die interpersonelle Psychotherapie wurde ursprünglich von Gerald L. Klerman und seinem Team entwickelt, um der Depression vorzubeugen. Nach einer Analyse ihrer Vorteile kamen die Wissenschaftler jedoch zu dem Schluss, dass diese Art der Therapie uns auch stärker und resistenter gegenüber anderen Problemen macht.

Der große Vorteil dieser Therapieform liegt darin, dass die emotionale Bindung und zwischenmenschliche Beziehungen des Patienten berücksichtigt werden. Diese Therapie geht so auf den sozialen Kontext ein, in dem der Patient lebt.

Probleme, an denen die interpersonelle Psychotherapie ansetzt

In der interpersonellen Psychotherapie wird Depression als eine Erkrankung verstanden, die auf drei Säulen ruht: Symptomatologie, soziale Operation und Persönlichkeit. Das therapeutische Modell konzentriert sich auf vier problematische Aspekte, die die Entstehung von Depressionen begünstigen:

  • Zwischenmenschliche Konflikte: Diese können familiär, anderweitig sozial oder berufsbezogen sein. Konflikte dieser Art sind unvermeidlich, da sie aufgrund der verschiedenen Standpunkte entstehen, die Menschen einnehmen können. Diese Konflikte werden in der Therapie thematisiert, wenn sie größere Probleme verursachen. Die interpersonelle Psychotherapie eignet sich gut, um solche Konflikte zu lösen.
  • Rollenübergänge: Aus Meinungsverschiedenheiten entstehen Auseinandersetzungen und Rollenkämpfe. Die betroffene Person und ihr Umfeld erwarten jeweils andere Verhaltensweisen seitens ihrer Mitmenschen, die deren spezifischen Rollen entsprechen. Mit anderen Worten, es besteht Uneinigkeit darüber, was angemessenes Verhalten ist. In der Therapie kann solchen Differenzen die Spannung genommen werden.
  • Trauer: Wenn der Schmerz, einen geliebten Menschen zu verlieren, zu intensiv ist oder über einen längeren Zeitraum hinweg andauert, können wir pathologischen Kummer erleben. Die interpersonelle Psychotherapie hilft uns, mit derartigen Emotionen umzugehen. Sie hilft uns auch die Lücke, die der Verlust verursacht hat, auf gesunde und positive Weise zu schließen.
  • Soziale Defizite: Dieses Problem tritt auf, wenn der Patient nicht über ein belastbares Netz sozialer Unterstützung verfügt. Folglich entstehen Gefühle der Einsamkeit und Isolation. In diesem Fall hilft die interpersonelle Psychotherapie dabei, ein eigenes soziales Netzwerk aufzubauen und die sozialen Fähigkeiten zu verbessern.

Im Zusammenhang mit Depressionen sind diese Variablen extrem wichtig. Denn wenn einer dieser Faktoren negativ beeinflusst wird, besteht die Gefahr, dass wir in eine „akute Krise“ geraten. Diese kann zu psychischen Problemen führen, beispielsweise zu Depressionen. Wie sich aus der obigen Liste ableiten lässt, ist die interpersonelle Psychotherapie als Interventionsform jedoch nicht nur bei Depressionen wirksam, kann etwa auch bei Essstörungen eingesetzt werden.

Skulpturen, zwei ineinander verschlungene Köpfe

Interpersonelle Psychotherapie in der Kindheit und Jugend

Experten zufolge sei die interpersonelle Psychotherapie zur Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen als auch Jugendlichen geeignet. Dies ist wichtig, weil es die Bedeutung der Fähigkeit zur Pflege sozialer Beziehungen unterstreicht. Ebenso wichtig ist der Umgang mit Emotionen, die sich aus unseren Beziehungen ergeben können.

Die interpersonelle Psychotherapie berücksichtigt also, dass wir in einem sozialen Umfeld leben. Dieses verändert sich ständig, und wir müssen uns an es anpassen können. Dazu müssen wir verstehen, dass unsere Emotionen von sozialen Einflüssen getriggert werden können, und unsere Fähigkeit verbessern, unseren Problemen zu begegnen. In diesem Zusammenhang soll die Depression nicht länger als ein persönliches Problem verstanden werden, sondern eher als ein kontextbezogenes oder relationales Problem.