Traurigkeit bei Kindern

5. Oktober 2018

Niemand kommt darum herum, ab und zu traurig zu sein. Nicht einmal Kinder. Der Verlust von einem lieben Menschen, ein unerwartetes Ereignis, eine verpasste Gelegenheit … Traurigkeit bei Kindern kommt häufiger vor, als es uns bewusst ist. Deshalb sollten wir für unseren Nachwuchs da sein, wann immer er uns braucht. Es ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig, unsere Kinder in Bezug auf das eigene Gewissen und die Funktion ihrer Emotionen zu schulen, damit sie später ihre Gefühle auf gesunde Weise ausdrücken können.

Kinder sollten schon in jungen Jahren lernen, wie sich Traurigkeit kanalisieren lässt – und Angst, Glück oder Wut. Der Film Alles steht Kopf  kann Kindern helfen, die Bedeutung grundlegender Emotionen in unserem Leben besser zu verstehen, sowie sie zu erkennen und zu manifestieren.

Hilf ihnen, zu verstehen, was Traurigkeit wirklich ist

Wenn wir jemanden treffen, der traurig zu sein scheint, nehmen wir für gewöhnlich Reißaus. Es ist so, als hätten wir Angst, uns mit der Traurigkeit anzustecken, also suchen wir lieber die Nähe von fröhlichen Menschen. Aber Traurigkeit bei Kindern, als auch bei Erwachsenen, ist eine notwendige und wesentliche Emotion, und ohne sie könnten wir Freude wohl nicht wertschätzen.

Es kommt definitiv häufiger vor, diese Emotion im Erwachsenenalter zu erleben. Das liegt an all den Erfahrungen, die wir bis und im Erwachsenenalter sammeln. Traurigkeit bei Kindern kann jedoch viel schockierender sein. Wie seltsam wäre es, einen 5-Jährigen zu finden, der allein auf einer Bank sitzt und in den Himmel schaut oder sich in sein Inneres vertieft? Wir nehmen an, dass ihre Unschuld, ihre mangelnde intellektuelle Reife und ihre daraus resultierende Oberflächlichkeit Kinder eine andauernde Freude garantieren sollten, die maximal von kurzen Momenten voller Tränen unterbrochen wird. Aber das ist nicht der Fall.

Ein trauriger Junge auf den Armen seines Vaters

Denn all das bedeutet nicht, dass Kinder sich nicht schlecht fühlen können – sie können es, und tatsächlich kommt das sogar häufiger vor, als wir gemeinhin annehmen. Manchmal aus gutem Grund und manchmal unumgänglich. Zum Beispiel kommt es vor, dass Kinder sich melancholisch und niedergeschlagen fühlen, weil sie ein Familienmitglied oder ein Haustier verloren haben, weil sie die Schule wechseln müssen oder Veränderungen in ihrer Umgebung anstehen.

Dann ist es das Beste, was du tun kannst, mit deinen Kindern über ihre Traurigkeit zu sprechen und ihnen beizubringen, wie man sie erkennt und versteht. Hilf ihnen, zu verstehen, dass es besser ist, die Traurigkeit zu zeigen, als sie zu verstecken, vermittle ihnen, dass wir alle manchmal so fühlen und dass es gut ist, unsere Gefühle zu erkennen, um uns wieder zu beruhigen und sie schließlich ziehen lassen zu können.

Wie sich Traurigkeit bei Kindern manifestiert

Genau wie Erwachsene können Kinder ihren emotionalen Zustand auf verschiedene Weise ausdrücken. Wenn sie glücklich sind und Spaß haben, ist es normal für sie, zu lachen und zu spielen. Wenn sie Angst haben, neigen sie dazu, bewegungslos zu verharren, bis der Schock vorüber ist, doch wenn sie traurig sind, ist die Art und Weise, wie sie diese Emotion zum Ausdruck bringen, weniger eindeutig.

Manchmal können traurige Kinder am selben Tag völlig gegensätzliches Verhalten zeigen, was ihren wahren emotionalen Zustand verschleiert. Da mag sich übermäßige mit mangelnder Aktivität abwechseln:

  • Hypoaktivität: Sie wirken niedergeschlagen, schläfrig, apathisch, gleichgültig gegenüber ihrer Umwelt, sind nicht gesprächig und haben keinen Appetit. Sie weinen häufig, auch wenn es keinen klaren Auslöser gibt.
  • Hyperaktivität: Sie essen mehr als sonst, wollen nicht schlafen, plappern ohne Unterlass.

Um zu erkennen, wann Traurigkeit vorherrscht, sollten Eltern und Erziehungsberechtigte deshalb auf abrupte Veränderungen im Verhalten ihrer Kinder und deren emotionalem Klima achten.

Ihnen helfen, mit Traurigkeit umzugehen

Wenn du ungewöhnliches oder übertriebenes Verhalten bei deinen Kindern feststellst, frage sie, wie es sich fühlen. Sie werden wahrscheinlich in sich zusammensacken oder gar nicht wissen, wie sie reagieren sollen, aber wir wissen bereits, dass Kinder während ihrer frühen Entwicklungsphasen wie Schwämme sind. Sie lernen von den emotionalen Äußerungen ihrer Eltern, also dienen ihnen diese als Referenz – auch im emotionalen Bereich.

Eltern sollten ihren Kindern erklären, dass es in Ordnung ist, sich traurig zu fühlen, und dass das bei jedem irgendwann einmal der Fall ist. Sie müssen jedoch auch erklären, dass der Umgang mit dieser Emotion leichter wird, wenn sie sie verstehen, sich ihr stellen und sie akzeptieren.

Durch Bilder, Zeichnungen oder einfaches Sprechen über Traurigkeit kannst du ihre Fähigkeit stärken, diese zu erkennen. Sobald sie verstanden haben, wie sie sie identifizieren können, bring ihnen anhand von Beispielen ihrer selbst den Umgang mit ihr bei.

Ein trauriges Kleinkind

Was ihnen nichts nützt

Traurigerweise ist es mehr „in“, Traurigkeit zu verbergen, als mit ihr fertig zu werden. Schon in jungen Jahren lernen wir, ein Lächeln vorzutäuschen, anstatt zu weinen, und unsere Traurigkeit zu unterdrücken. Mit unseren Emotionen richtig umzugehen, macht es aber weniger wahrscheinlich, dass wir später einen emotionalen Ausbruch haben.

  • Die Bedeutung kleinreden: „Das ist nicht weiter schlimm.“  Sätze wie diese zu verwenden, hilft deshalb nicht, weil das auslösende Ereignis tatsächlich relevant für die Kinder ist. Was du stattdessen tun solltest, ist, die Verringerung der Schmerzen oder Traurigkeit in Angriff zu nehmen. Das ist besser, als den Auslöser kleinzureden.
  • Unter Druck setzen: Es ist sehr üblich, dass wir eine Antwort verlangen, wenn unsere Kinder nicht sofort auf eine Frage antworten. Es ist so, dass sie nur sprechen, wenn sie auch das Gefühl haben, dass sie deine Unterstützung erhalten, egal wie lange es dauert. Es ist wichtig, dass sie sich von dir jederzeit gehört und unterstützt fühlen.
  • Spott: Der Satz „Du bist eine Heulsuse!“  ist ungemein negativ, wenn Kinder Tränen vergießen. Das Einzige, was du damit bewirkst, ist, ihre emotionale Ausdruckskraft zu stoppen. Das zwingt sie, sich zurückzuziehen und sich zu verstecken. Es ist schlicht keine gute Idee, ihre Gefühle zu verspotten.
  • Tadel oder Strafe: „Du hast Hausarrest, weil du nicht aufhörst zu weinen!“  Es gibt nur eine Sache, welche Kinder nach einem Satz wie diesem tun werden: Sie hören auf, zu weinen, und verdrängen ihre Traurigkeit. Unternimm lieber das Gegenteil! Eine Umarmung wird ihnen helfen, sich ungeheuer gesund und voller Kraft und Energie zu fühlen.

Wie du sehen kannst, ist das Verhalten der Personen um die Kinder herum von größter Bedeutung. Es ist der Schlüssel zum Erfolg, wenn du möchtest, dass sie verstehen, dass sie keine Angst davor haben müssen, einmal traurig zu sein. Traurigkeit bei Kindern sollte nicht vernachlässigt werden.