Emotionales Weinen: Was tun?

Weinen wirkt befreiend, doch manchmal kommt es ungelegen. Erfahre, was du in diesen Situationen tun kannst .
Emotionales Weinen: Was tun?

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 22. Mai 2022

Emotionales Weinen ist ein instinktives Verhalten, das den Abbau von Stress und die Bewältigung von Traurigkeit, Wut, Angst, einer emotionalen Trennung usw. begünstigt. Nur wenige Verhaltensweisen sind kathartischer, aber gleichzeitig gesellschaftlich verpönt.

Weinen gilt als emotional schwach und instabil. Vielleicht haben wir deshalb oft das Gefühl, dass wir aufhören müssen, um diese physiologische Reaktion zu stoppen. Manche Menschen neigen dazu, über fast alles zu weinen, auch über triviale und unwichtige Dinge.

Wie der Schriftsteller C. S. Lewis zu Recht sagte, ist Weinen in Ordnung, solange es anhält. Es kommt jedoch immer eine Zeit, in der wir innehalten müssen, um zu entscheiden, was wir mit dem, was uns passiert, anfangen wollen. Wir schauen uns nachfolgend an, was hinter dieser psychophysiologischen Reaktion steckt.

Emotionales Weinen: Was tun?

Warum können wir emotionales Weinen oft nicht stoppen?

Wir durchlaufen manchmal Zeiten, in denen wir sehr empfindlich reagieren und schnell Tränen fließen. Wir können diese emotionale Reaktion nicht unterdrücken oder einfach ein Pflaster aufkleben, wie bei einer Wunde. Die Auslöser sind sehr unterschiedlich: sie können oberflächlich, jedoch auch ernst sein. Wir sehen uns anschließend die häufigsten Gründe für emotionales Weinen an.

  • Angst und Hilflosigkeit, in einer Situation, in der wir das Gefühl haben, nichts tun zu können.
  • Hormonelle Veränderungen, unter anderem durch eine Schilddrüsenstörung, Depression usw.
  • Körperliche und geistige Erschöpfung
  • Trauer (Verlust von geliebten Menschen, emotionale Trennungen usw.)
  • Stimmungs- und Persönlichkeitsstörungen
  • Stress
  • Hochsensible Persönlichkeit

“Wenn ich weinen will, weine ich nicht… und manchmal weine ich, ohne es zu wollen.”

Rubén Darío

3 grundlegende Techniken

Wasser, Proteine, Glukose, Salz… Tränen sollen fast so viele Bestandteile haben wie Blutplasma. Wir könnten sie als das unsichtbare “Blut” unserer Emotionen bezeichnen, das uns menschlich macht, obwohl Experten darauf hinweisen, dass auch manche Tiere weinen.

Tränen können oft unangenehm sein, aber sie tun nicht weh, sondern wirken befreiend. Wir müssen emotionales Weinen trotzdem in bestimmten Situationen stoppen. Zu diesem Thema gibt es wenig wissenschaftliche Literatur. Allerdings befassen zwei Studien, eine der Universität Oxford und eine der Universität Konstanz eingehend mit diesem Thema.

Sie betonten, dass es zwei Arten von Techniken gibt: solche, die sich auf die zugrunde liegende Emotion konzentrieren, und solche, die sich auf den Akt des Weinens als solchen konzentrieren. Wir sehen uns beide Möglichkeiten etwas genauer an.

Kognitive Techniken: Emotionales Weinen mit Gedanken stoppen

Beginne mit kognitiven Techniken, bei denen du dich auf deine Gedanken konzentrierst. Stelle dir folgende Fragen:

  • Warum möchte ich aufhören, zu weinen? Du fühlst dich vielleicht unwohl, weil Weinen gesellschaftlich mit Schwäche assoziiert wird. Wenn du emotionales Weinen aus diesem Grund unterdrücken willst, kannst du dir Selbstinstruktionen geben: “Ich halte mich jetzt zurück und werde meinen Kummer zu Hause los. Du verschiebst also das Weinen auf einen späteren Zeitpunkt.
  • Habe ich echte und vernünftige Gründe zu weinen? Manchmal ist es gut, sich mit den Gründen zu beschäftigen. Versuche es mit einer anderen Perspektive, vielleicht wirst du dir bewusst, dass die Situation gar nicht so schlimm ist.
  • Kann ich neu bewerten, wie ich mich fühle? Es stimmt, dass die emotionale Intensität manchmal so hoch ist, dass es schwierig ist, klar zu denken. Es kann dir jedoch helfen, deine Gedanken neu zu bewerten und ihnen einen anderen, angepassten Fokus zu geben. “Es stimmt, dass mich dieses Thema beunruhigt, aber wenn ich mich beruhige, kann ich klar denken und bessere Entscheidungen treffen.”

Verhaltenstechniken: Handlungen, um von Emotionen abzulenken

Du kannst emotionales Weinen stoppen, indem du dein Verhalten entsprechend steuerst, um dich abzulenken. Du musst in diesem Augenblick, deine Emotionen zurücklassen und an anderes denken. Diese einfachen Strategien können dir helfen:

  • Vingerhoets et al. weisen darauf hin, dass ein Szenenwechsel sehr hilfreich sein kann. Wenn du im Büro bist, gehe einen Kaffeetrinken, ziehe dich in die Bibliothek zurück oder gehe an die frische Luft.
  • Auch Ablenkung ist vorteilhaft: Nimm dein Handy, um Musik zu hören, rufe eine Vertrauensperson an, betreibe Sport…
  • Tiefes Atmen ist in Situationen mit hoher emotionaler Intensität sehr angebracht.
  • Geh spazieren.
  • Auch Wasser trinken kann dazu beitragen, dich zu beruhigen.
  • Nimm Papier und Bleistift und beginne zu schreiben, oder zeichne, um dich abzulenken.
Emotionales Weinen durch positive Gedanken stoppen

Psychoemotionale Strategien, um emotionales Weinen zu lindern

Die genannten Strategien sind hilfreiche Notlösungen, um dich zu beruhigen und deine Tränen zu stoppen. Du musst jedoch auch dem Auslöser auf den Grund gehen, um deine Reaktion verstehen zu können und dein Wohlbefinden zu fördern.

Du musst wissen, dass Weinen nicht negativ ist, ganz im Gegenteil, es hilft dir, dich von negativen Emotionen zu befreien. Danach musst du jedoch beginnen, deine Emotionen zu verstehen und daran arbeiten. Folgende Strategien können dir dabei helfen:

  • Akzeptiere deine Gefühle, verdränge sie nicht.
  • Stelle dir deine Emotionen aus der Ferne vor, so als ob du sie auf einer Kinoleinwand sehen würdest. Was verbirgt sich dahinter? Warum sind sie da? Was wollen sie mir sagen? Verurteile dich zu keinem Zeitpunkt.
  • Rationalisiere: Was kannst du tun, um dich besser zu fühlen? Welche Änderungen kannst du kurz- und langfristig vornehmen, um die Situation zu verbessern?

Wenn du in einem Meer von Tränen ertrinkst, willst du so schnell wie möglich Land unter deinen Füßen. Du solltest dir jedoch erlauben, durch deine Emotionen zu navigieren, um so zu lernen, selbst das Ruder zu übernehmen und die Kontrolle zurückzugewinnen.

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