Emotional Quotient Inventory 2.0: Was ist das?

Eine gute emotionale Intelligenz kann entscheidender sein als ein genialer IQ. Aber wie können wir diese Fähigkeit beurteilen? Wie können wir unsere Schwachpunkte und Stärken in diesem Bereich erkennen?
Emotional Quotient Inventory 2.0: Was ist das?
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 19. Januar 2023

Einfühlungsvermögen, soziales Verantwortungsbewusstsein, gute Kommunikationsfähigkeiten, ein gesundes Emotionsmanagement oder effektive und reflektierte Entscheidungen sind Kompetenzen, die uns die Reise des Lebens erleichtern. Doch wie wissen wir, ob wir diese Fähigkeiten beherrschen oder ob wir daran arbeiten sollten? Es gibt viele Instrumente, um die emotionale Intelligenz zu bewerten, heute schauen wir uns eines davon an: das Emotional Quotient Inventory 2.0 (EQ-i®). 

Viele Tests umfassen allgemeine Fragen, die zu einer verzerrten Bewertung führen. Wir können diese klassischen Instrumente online finden, doch es mangelt ihnen an wissenschaftlicher Rigorosität. 

Wissenschaftler haben sich lange mit der Frage beschäftigt, ob die emotionale Intelligenz messbar ist. Seit Mayer, Caruso und Salovey sich in den 1990er-Jahren damit beschäftigt haben und Daniel Goleman dieses Konzept mit seinen Büchern popularisiert hat, wurden viele Versuche unternommen, einen gültigen Test zur Messung der emotionalen Intelligenz zu entwickeln. Erfahre heute mehr über das Emotional Quotient Inventory 2.0.

“Emotionale Intelligenz definiert einen ‘Denker mit Herz’, der die Kunst der sozialen Beziehungen wahrnimmt, versteht und effektiv handhabt.”

Mayer und Salovey

Emotional Quotient Inventory 2.0: Was ist das?
Das Emotional Quotient Inventory 2.0 kann auf mehr als zwanzig Jahre Forschung zurückblicken.

Emotional Quotient Inventory 2.0: Was ist sein Zweck?

Der israelische Psychologe Reuven Bar-On zählt zu den prominentesten Pionieren in der Forschung zur emotionalen Intelligenz. Neben Goleman und Mayer, Caruso und Salovey gehört er zu den herausragenden Persönlichkeiten auf diesem Gebiet. Er hat das Emotional Quotient Inventory 2.0 entwickelt, eines der effektivsten und am weitesten verbreiteten Instrumente in diesem Bereich.

Dr. Bar-On veröffentlichte 2014 eine Studie, in der er dieses Instrument beschreibt, das zur Bewertung von emotional und sozial intelligentem Verhalten dient. Es sollte angemerkt werden, dass hinter diesem Hilfsmittel mehr als 20 Jahre Forschung stehen. Dieses Instrument hilft unter anderem, starke und verbesserungsfähige Kompetenzen zu ermitteln.

Das Emotional Quotient Inventory 2.0 kann ab einem Alter von 16 Jahren zum Einsatz kommen. Man braucht dafür kaum mehr als eine halbe Stunde,  um Informationen über die emotionalen Fähigkeiten in Bezug auf Beziehungen, Arbeit und das Leben im Allgemeinen zu erhalten.

“Eine Sichtweise der menschlichen Natur, die die Macht der Gefühle ignoriert, ist leider sehr kurzsichtig.”

Daniel Goleman

Emotional Quotient Inventory 2.0: Skalen und Subskalen

Das EQ-I 2.0 Inventar misst 15 Kompetenzen, die in 5 sehr spezifische Bereiche unterteilt sind. Dieses Modell analysiert nicht jene Bereiche der emotionalen Intelligenz, die Daniel Goleman definiert. Reuven Bar-On ist für die Definition des dritten großen Modells der emotionalen Intelligenz bekannt, welches das ursprüngliche Modell vervollständigt.

Wir analysieren die Skalen, aus denen sich dieses Instrument zusammensetzt.

1. Selbstwahrnehmung

Die Selbstwahrnehmung definiert unsere Kapazität, unsere Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen zu verstehen und uns ihrer bewusst zu sein. Es ist die Vision, die wir von uns selbst haben, eine unverzichtbare Eigenschaft, um zu wissen, wie wir uns in unseren täglichen Beziehungen und Herausforderungen bewegen. Auch diese Skala besteht aus drei Unterskalen:

  • Selbstwertgefühl.: Wie wir uns selbst bewerten.
  • Selbstverwirklichung. Wir alle sollten die Bereitschaft haben, uns zu verbessern und unsere Lebensziele zu erreichen.
  • Emotionale Selbstwahrnehmung. Sich bewusst machen und verstehen, was wir fühlen, was mit uns passiert und was wir benötigen, ist ein Grundpfeiler der emotionalen Intelligenz.

2. Zwischenmenschliche Kompetenzen

Wie können wir unsere emotionalen Beziehungen verbessern? Was ermöglicht es uns, bei der Arbeit erfolgreicher zu sein? Wie können wir mit Meinungsverschiedenheiten, Problemen und Differenzen mit unseren Mitmenschen besser umgehen?

Zwischenmenschliche Kompetenzen sind das grundlegende Instrument im Modell der emotionalen Intelligenz von Reuven Bar-On. Sie umfassen folgende Teilskalen:

  • Fähigkeit zur Beziehung. Definiert die Kompetenzen, die viele Menschen ganz natürlich im Umgang mit anderen anwenden, während es für andere schwieriger ist, sie effektiv einzusetzen.
  • Einfühlungsvermögen. Emotional Quotient Inventory 2.0 umfasst auch die Fähigkeit, sich mit den emotionalen Gegebenheiten anderer zu verbinden und sie zu verstehen, eine entscheidende Dimension.
  • Soziale Verantwortung. Eine sozial verantwortliche Person hat die Fähigkeiten, unsere Gesellschaft zu bereichern, indem sie für das Wohlergehen anderer sensibilisiert ist und Respekt, Gerechtigkeit, Altruismus usw. praktiziert.

3. Selbstdarstellung

Eine Eigenschaft, die viele von uns verbessern sollten, ist die emotionale Selbstdarstellung. Es ist nicht leicht zu wissen, wie wir unsere Gefühle ausdrücken, was wir brauchen oder wie wir schwierige Emotionen mitteilen können, ohne anderen zu schaden. Dies ist eine Lebenskompetenz, die eine entscheidende Skala in diesem Instrument bildet und sich aus folgenden Subskalen zusammensetzt:

  • Durchsetzungsvermögen. Das bedeutet, in der Lage zu sein, respektvoll und konstruktiv zu kommunizieren, was du denkst, fühlst und willst.
  • Unabhängigkeit. Diese Subskala misst die Einstellung, autonom zu sein und emotional nicht von anderen abhängig zu sein.
  • Emotionale Ausdrucksfähigkeit. Wir müssen fähig sein, unsere Emotionen sowohl verbal als auch nonverbal auszudrücken.

4. Entscheidungsfindung

Gute Entscheidungen zu treffen ist eine Fähigkeit, die wir durch Versuch und Irrtum und einem guten Maß an Reflexion und Selbsterkenntnis lernen. Die Kapazität, durch Reflexion, Analyse und Intuition richtige Entscheidungen zu treffen, ist eine wesentliche Dimension der emotionalen Intelligenz. Dieser Bereich umfasst folgende Unterskalen:

  • Problemlösung. Wenn wir uns einer Herausforderung oder Schwierigkeit stellen, ist es wichtig zu wissen, wie wir unsere Impulse und Gefühle regulieren können. Nur können wir große und kleine Probleme erfolgreich bewältigen.
  • Impulskontrolle. Manche Menschen sind aufgrund ihrer Persönlichkeit daran gewöhnt, in fast allen Bereichen ihres Lebens impulsiv zu reagieren. Das führt häufig dazu, dass sie ihr Verhalten bedauern. Emotionales Geschick erfordert die Beherrschung dieser Dimension.
  • Wissen, wie man die Realität kontrastiert. Wir müssen diese Fähigkeit entwickeln, um die Realität objektiv zu filtern und nicht so sehr durch unsere Gefühle.

Reuven Bar-On ist der einzige Psychologe, der Optimismus als entscheidende Variable in seinem Modell der emotionalen Intelligenz formuliert. Für diesen Experten ist diese Dimension grundlegend für den Umgang mit Problemen.

5. Stressmanagement

Die Tatsache, dass das Emotional Quotient Inventory 2.0 diese Dimension enthält, bereichert es und macht es wirklich nützlich. Heutzutage müssen wir alle wissen, wie wir unsere Stresszustände verstehen und regulieren können.

Die emotionale Intelligenz lehrt uns, wie wir irrationale Gedanken und jene inneren Zustände zügeln können, die uns die Kontrolle über unser Leben verlieren lassen.

  • Flexibilität. Der flexible Geist weiß, wie er sich an Ungewissheit und jede Herausforderung anpassen kann und vermeidet Blockaden oder Vermeidungsverhalten.
  • Stresstoleranz. Ob wir es wollen oder nicht, Stress ist Teil des Lebens. Der Schlüssel liegt darin, zu wissen, wie wir sie regulieren können, bevor die Umstände uns überwältigen.
  • Optimismus. Mit einer positiven und hoffnungsvollen Einstellung können wir jedes Problem besser bewältigen.
Emotional Quotient Inventory 2.0: Gehirn und Herz im Einklang
Mit den Instrumenten zur Bewertung der emotionalen Intelligenz können wir herausfinden, an welchen Bereichen wir arbeiten sollten.

Ist Emotional Quotient Inventory 2.0 ein zuverlässiges Instrument?

Das EQ-i 2.0 wurde zuerst in der US-Bevölkerung getestet, im Laufe der Jahre jedoch in zahlreichen Ländern validiert. Es handelt sich um eines der am weitesten verbreiteten Instrumente zur Messung der emotionalen Intelligenz. Dieser einheitliche Test weist eine gute Validität auf und hat sich in allen Kulturen bewährt. Er wird häufig im Bildungsbereich und vor allem am Arbeitsplatz eingesetzt. Damit können unter anderem die Führungsqualitäten von Mitarbeitern verbessert und die Leistung von Arbeitsteams optimiert werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass dieses einfach anzuwendende Instrument sehr nützliche Informationen liefern kann und uns Stärken und Verbesserungsbereiche aufzeigt. Dies hilft uns, unser Wohlbefinden zu fördern und auf unserem Lebensweg erfolgreicher zu sein.

Literaturempfehlung



  • Bar-On, R. (2004). The Bar-On Emotional Quotient Inventory (EQ-i): Rationale, description and psychometric properties. In G. Geher (Ed.), Measuring emotional intelligence: Common ground and controversy. Hauppauge, NY: Nova Science.
  • Bar-On, R. (2006). The Bar-On model of emotional-social intelligence (ESI). Psicothema, 18 , supl., 13-25.
  • Butler, C. J., & Chinowsky, P. S. (2006). Emotional intelligence and leadership behavior in construction executives. Journal of Management in Engineering, 22(3), 119-125.
  • Day, A. L., Therrien, D. L. & Carroll, S. A. (2005). Predicting psychological health: Assessing the incremental validity of emotional intelligence beyond personality, Type A behaviour, and daily hassles. European Journal of Personality19(6), 519-536.
  • Van Zyl, Casper. (2014). The psychometric properties of the Emotional Quotient Inventory 2.0 in South Africa. South African Journal of Industrial Psychology. 40. 10.4102/sajip.v40i1.1192.

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