Elisabeth Kübler-Ross: Psychiaterin und Sterbeforscherin

Elisabeth Kübler-Ross hat uns nicht nur ein wertvolles Vermächtnis für das Verständnis des Todes hinterlassen, sie hat auch Techniken der Palliativpflege eingeführt, um Sterbenden Würde zu verleihen.
Elisabeth Kübler-Ross: Psychiaterin und Sterbeforscherin

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 01. Juli 2022

Elisabeth Kübler-Ross veränderte die Art und Weise, wie der Westen den Tod betrachtet. Die Sterbeforscherin vermenschlichte ihn und führte die Palliativpflege ein. Sie entwickelte auch die Theorie der Trauerphasen und erinnerte uns daran, dass das Ende für diejenigen, die gehen, nicht so schrecklich ist. Elisabeth Kübler-Ross hat uns ein unbestreitbares Vermächtnis hinterlassen, das noch heute sehr präsent ist.

Die in der Schweiz geborene Psychiaterin wurde an 28 Universitäten zur Ehrenprofessorin ernannt. In einer Dokumentation, die einen Großteil ihrer Arbeit zeigte, schaute die halbe Welt gebannt zu, wie Dr. Kübler-Ross sterbende und unheilbar kranke Kinder in ihren letzten Momenten begleitete.

Ihr Einfühlungsvermögen war enorm und die Art und Weise, wie sie Sterbenden und Zurückbleibenden Erleichterung und sogar Hoffnung schenkte, hat Geschichte geschrieben. Die Sterbeforscherin hatte wegen ihrer Hilfsbereitschaft bereits als Schulkind den Spitznamen “Dr. Pestalozzi”.

Sie lehrte uns zu verstehen, dass der menschliche Verlust ein Teil unserer Existenz ist. Der Schlüssel ist, das Beste aus jedem unserer Tage zu machen, indem wir lernen, die Momente zu würdigen, in denen Menschen eine Reise in eine andere Dimension antreten. Wie die Sterbeforscherin immer sagte, eine Dimension voller Liebe und Licht.

“Die Sterbenden waren schon immer Lehrer großer Lektionen, denn wenn wir ans Ende des Lebens gedrängt werden, sehen wir es am deutlichsten. Indem sie ihre Lektionen mit uns teilen, lehren uns die Sterbenden viel über den unermesslichen Wert des Lebens selbst.”

Elisabeth Kübler-Ross

Kübler-Ross

Elisabeth Kübler-Ross ging ihren eigenen Weg

“Du kannst Sekretärin oder Hausangestellte werden, aber du wirst niemals Medizin studieren.” Dies war die Antwort ihres Vaters, als ihm Elisabeth Kübler-Ross mit acht Jahren von ihrem Traum erzählte, Ärztin zu werden. Sie wurde am 8. Juli 1926 in Zürich geboren und war die jüngste und schwächste der Drillingsschwestern, was sie aber nicht davon abhielt, ihr Elternhaus mit 16 Jahren zu verlassen. Der Widerstand ihres Vaters sollte sich ihren Wünschen nicht in den Weg stellen.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie als Freiwillige, half in Krankenhäusern und kümmerte sich um Flüchtlinge. Nach Kriegsende schaffte sie es, ihr Medizinstudium an der Universität Zürich zu absolvieren und lernte einen amerikanischen Arzt kennen. Sie heiratete ihn und zog mit ihm in die Vereinigten Staaten, wo sie sich an der Universität von Colorado auf Psychiatrie spezialisierte.

Die Notwendigkeit, Sterbenden Würde zu geben

In den Vereinigten Staaten war Elisabeth Kübler-Ross über die fehlende psychologische Betreuung unheilbar kranker Menschen, insbesondere Kinder, erstaunt. Sie war sich auch der mangelnden Vernachlässigung und Sensibilität gegenüber den Sterbenden bewusst. Die Psychiaterin versuchte, all das zu ändern, es handelte sich um eine notwendige Revolution.

  • Sie war eine Pionierin bei der Schaffung der modernen Grundlagen der Palliativmedizin. In ihrem Buch “Interviews mit Sterbenden” stellte sie das Kübler-Ross-Modell vor, das in vielen Krankenhäusern angewendet werden sollte.
  • Sie führte auch einen neuen Kurs an der Universität von Chicago ein, in dem sie Verständnis für den Sterbeprozess und die Notwendigkeit der Unterstützung von unheilbar Kranken lehrte. In diesen Klassen kamen Patienten, die nur noch wenig Zeit zu leben hatten, um ihr Zeugnis abzulegen.

“Wenn die Zeit reif ist, können wir unseren Körper gehen lassen, und wir werden frei sein von Schmerzen, frei von Ängsten und Sorgen, frei wie ein wunderschöner Schmetterling, der heimkehrt zu Gott.”

Elisabeth Kübler-Ross

Das Kübler-Ross-Modell

Dieses Modell besteht aus fünf Trauerphasen, die wir durchlaufen, um den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten:

  1. Leugnen
  2. Zorn
  3. Verhandeln
  4. Depression
  5. Zustimmung

Kübler-Ross wandte dieses Modell ursprünglich auf Menschen an, die an einer unheilbaren Krankheit litten, weitete es aber später auf alle Verlusterfahrungen aus. Es repräsentiert den Trauerprozess bei bedeutsamen Lebensereignissen, wie dem Verlust des Arbeitsplatzes, dem Tod eines geliebten Menschen, einer Scheidung, Drogenabhängigkeit, der Diagnose Unfruchtbarkeit usw.

Kübler-Ross erklärte auch, dass diese Phasen nicht unbedingt in der oben dargestellten Reihenfolge ablaufen müssen. Außerdem machen nicht alle Menschen alle Phasen durch (wir erleben jedoch alle mindestens zwei dieser Phasen).

Die meisten Menschen durchlaufen mehrere Stadien des Prozesses wie auf einer Achterbahn: Zwei oder mehr Phasen wechseln sich ab und kehren vor dem Ende des Prozesses erneut zurück.

Wichtig ist auf jeden Fall, den Prozess nicht zu beschleunigen und ihn auch nicht zu beschönigen. Betroffene sollten sich bewusst sein, dass sie jede Stufe überwinden müssen, um die Situation schließlich zu akzeptieren. Bei manchen geht das schneller, andere brauchen mehr Zeit.

“Wenn wir einen Verlust erleben, erfahren wir auch, dass diejenigen, die wir lieben – und manchmal sogar Fremde – sich in Zeiten der Not um uns kümmern. Verlust ist ein Loch im Herzen. Aber es ist ein Loch, das Liebe inspiriert und die Liebe anderer enthalten kann.”

Elisabeth Kübler-Ross

Familien- und Trauerbegleitung

Elisabeth Kübler-Ross hat Tausenden von Familien geholfen. Sie gab ihnen Strategien an die Hand, um die Person im Todeskampf und am Sterbebett mit Würde zu begleiten und mit dem anschließenden Verlust umzugehen. Das klassische Trauermodell erleichterte den Umgang mit den dabei auftretenden Emotionen.

Ihre Arbeit und Inspiration führten auch zur Gründung mehrerer Stiftungen, die sich für einen würdevollen Tod einsetzen. Die Sterbeforscherin versuchte sogar, ein Hospiz für AIDS-kranke Kinder einzurichten, doch sie begegnete Kritik und Hindernissen, die der Verwirklichung dieses Ziels im Weg standen.

Dr. Kübler-Ross schrieb mehr als 20 Bücher über den Tod und reiste um die Welt, um Workshops über Leben und Tod zu geben. Sie investierte ihre Verdienste zur Gänze in die Organisation von Exerzitien, um Menschen bei der Bewältigung von Verlusten, Krankheiten und Ängsten vor dem Lebensende zu helfen.

Sterbeforscherin Kübler-Ross

Elisabeth Kübler-Ross: Der Tod als Morgengrauen, ein Übergang in ein anderes Stadium

Eines ihrer umstrittensten Bücher war zweifellos “Über den Tod und das Leben danach“. Darin betonte sie eine sehr konkrete Idee: Der Tod ist der Übergang in einen neuen Bewusstseinszustand. Es ist das Hinübergleiten in eine Dimension voller Liebe und unbeschreiblichem Wohlbefinden, umgeben von Licht…. Von diesem Punkt an, so der Ansatz der Ärztin, beginnt eine Reise des spirituellen Wachstums.

Diese Ansicht wurde von der wissenschaftlichen Gemeinschaft kritisiert. Es stimmt, dass ihre Modelle der Palliativpflege und der Bewältigung von Verlust und Krankheit allgemein akzeptiert wurden. Ihre spirituellen Ansichten über das Leben nach dem Tod ernteten jedoch Kritik. Trotzdem gibt es viele Menschen, die diese Idee unterstützen und sich von dieser Vision trösten lassen. Ihre beruhigenden und hoffnungsvollen Lektionen über den Tod und das Leben sind zweifelsohne auch heute noch aktuell.

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  • Kübler-Ross, Elisabeth (2005) La muerte un amanecer. Luciérnaga
  • Kübler-Ross, Elisabeth (2001) Sobre la muerte y los moribundos. Luciérnaga
  • Kübler-Ross, Elisabeth (199) Sobre la muerte y el dolor. Luciérnaga
  • Kübler-Ross, Elisabeth (2003) La rueda de la vida. Luciérnaga