Dieser Kurzfilm zeigt dir, wie schön Anderssein ist

· 31. Mai 2016

For the birds  ist ein himmlischer Kurzfilm. Es sind nur ein paar unterhaltsame Minuten, in denen du eine Gruppe von 15 sehr nervigen und störenden Vögelchen kennenlernst, die dich zum zum Lachen bringen, und noch mehr in dir auslösen, ab dem Moment, in dem sie auf einmal auf einen etwas struppig aussehenden Vogel treffen.

Wenn du Kinder zu Hause hast, dann zögere nicht, mit ihnen diese Produktion anzuschauen, die Pixar uns im Jahr 2000 geschenkt hat. Die Regie führte Ralph Eggleston, ein sehr bekannter Name in der Animationsfilmindustrie, der an so bekannten Filmen wie  Up, Toy Story, Wall-E  oder Findet Nemo  beteiligt war.

For the Birds ist eine Metapher für das Leben selbst, wir stehen hier vor einer Gemeinschaft an Vögeln, die ein Stromkabel bewohnt, aber es könnte genauso gut eine Gemeinschaft von Nachbarn sein oder in der Aula einer Schule passieren: Eben dort, wo Anderssein stets zum Anlass genommen wird, sich lustig zu machen oder zu lästern.

Unsere Hauptperson ist ein ganz schön seltsamer Vogel. Er hat lange Füße, einen langen Hals und seine Stimme klingt anders als die der kleinen Vögelchen. Unser Vogel gehört offensichtlich zu einer anderen Art und versucht, wie jeder andere es auch tun würde, sich dort zu integrieren, wo ihn seine Flügel hintragen.

Doch wie wir alle wissen, ist Anderssein manchmal ein Problem, mit dem jemand erst einmal umzugehen lernen muss. Der seltsame und schlaksige Vogel aus diesem Kurzfilm macht dies, so gut er nur kann.

Die Kunst des Andersseins und der Versuch, ähnlich zu sein

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Bestimmt ist dir eine solche Szene, mit der der Kurzfilm beginnt, schon bekannt: Ein Haufen sich ähnlicher Vögelchen zwitschern unter sich, regen sich auf und bewegen sich stolz innerhalb einer Szenerie, die sie fast auf militärische Weise kontrollieren. Sie sind wie Jugendliche, die versuchen, stets ähnliche Klamotten anzuziehen, oder wie diese Arbeitskollegen, die ein nach außen hin geschlossenes Grüppchen bilden.

Manchmal ist es besser, für unser Anderssein Kritik einzustecken, als nur deshalb angenommen zu werden, weil wir genauso wie alle anderen geworden sind, genauso wie die, die uns zuvor abgelehnt und nicht wertgeschätzt haben.

Im Leben finden wir uns oft in Situationen  wieder, die der aus dem Kurzfilm ähnlich sind. Die Ankunft eines „Fremden“ bringt die Gemeinschaft in Aufruhr, wie etwa eine Schulklasse, eine Nachbarschaft oder ein Dorf in der Provinz.

Unsere 15 blauen Vögelchen versetzt die Ankunft des schlaksigen, großen Vogels in Alarmbereitschaft. Weit davon entfernt, ihn integrieren zu wollen und auf seine freundliche Begrüßung zu reagieren, beginnen sie betäubend zu zetern, wie kleine, konspirative Lästermäuler mit bedrohlichen Augen.

  • Anderssein wird oft als eine Bedrohung wahrgenommen, weil es manchmal auch unseren eigenen Lebensstil in Frage stellt, all das, was in unserer Kontrolle liegt und uns Sicherheit gibt.
  • Teil einer Gruppe zu sein und das Gemeinsame dieser Gruppe zu schützen, ist ein wichtiges Unternehmen für diejenigen, denen es an Selbstwertgefühl und eigener Identität mangelt. Wenn ich mich an die Gruppe anpasse und von ihr tragen lasse, dann werde ich mich immer sicher fühlen.
  • Anderssein ist kein Problem, in Wirklichkeit haben die anderen ein Problem, weil sie keine neuen Perspektiven kennenlernen und akzeptieren wollen, und sich nicht daran bereichern wollen, was anders ist als das, was man kennt.
  • Das Anderssein sollte uns die Gelegenheit geben, sich an unserer Authentizität und Einzigartigkeit zu erfreuen. Etwas, worauf nicht viele Menschen stolz sein können.
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Es gibt einen wunderbaren Aspekt in dem Kurzfilm For the birds : Die Einstellung unseres Protagonisten, die Art, wie der seltsame und exzentrische Vogel sich dieser Gruppe an aufgeregten Vögeln stellt, die seine Anwesenheit auf der Elektroleitung mit so viel Misstrauen betrachten.

Er verliert in keinem Moment sein Lächeln, es ist sein Erkennungszeichen, seine Stärke, sein Charme. Dieses angenehme Lächeln wird manchmal zu einem neugierigen und manchmal auch zu einem mitleidigen Lächeln, denn im Angesicht einer Gruppe negativ eingestellter und unsympathischer Kreaturen ist ohne Zweifel die einzig mögliche Waffe die Güte und Freundlichkeit.

Er gibt nicht auf. Es ist ihm egal, dass keines der Vögelchen seine Begrüßung erwidert, es ist ihm auch egal, dass sie ihm keinen Platz auf dem hängenden Stromkabel machen. Unser Protagonist hält aus und hält stand, und weit davon entfernt, wieder zu gehen, versucht er das Eis zu brechen, indem er sich genau in der Mitte von allen einen Platz sucht.

Dieser mutige Akt löst eine unendliche Tirade an Kritik aus, an Gezeter und nervigem Gezwitscher, die in einfach nur entzückenden Gesten enden, die uns laut zum Lachen bringen. Das Ende ist eines der berühmtesten von Pixar, weshalb For the Birds  im Jahr 2001 einen Oskar für den besten Animationskurzfilm, einen Annie Arward und weitere Auszeichnungen erhalten hat.

Manchmal stehen wir in dem Versuch, anderen möglichst ähnlich zu sein, nackt vor unseren eigenen Fehlern. Das ist etwas, was authentischen Personen nicht passieren wird, denn für sie bedeutet Anderssein, etwas Besonderes zu sein.