Die Zwei-Faktoren-Theorie nach Mowrer: So funktionieren unsere Ängste

Phobien, Angstzustände und lähmende Qualen... die Mechanismen der Angst sind nicht so mysteriös, wie du es dir wahrscheinlich denkst. Erfahre im Folgenden mehr zum Thema!
Die Zwei-Faktoren-Theorie nach Mowrer: So funktionieren unsere Ängste

Letzte Aktualisierung: 18 März, 2021

Trotz der Tatsache, dass Mowrers Zwei-Faktoren-Theorie bereits 1939 aufgestellt wurde, bleibt sie aus zwei Gründen weiterhin eines der interessantesten Modelle. Erstens erlaubt sie es uns, Angstmechanismen und die Entstehung von Angststörungen und Phobien zu verstehen. Und zweitens handelt es sich um einen wertvollen Ausgangspunkt für den Umgang mit vielen Formen der Angst.

Von Angst zu sprechen bedeutet, sich auf Furcht und Qual zu beziehen. Keine Dimension ist so komplex wie die Angst selbst. So sehr sogar, dass der Dichter Horacio sagte, wer in Angst lebt, wird niemals frei sein. Kaum ein Argument ist so wahr wie dieses, aber nichts ist so typisch für den Menschen wie das Festhalten an Sorgen und Ängsten.

Dies macht letzten Endes ja auch Sinn, da sie ein Teil der menschlichen Natur sind und als Überlebensmechanismus dienen. Dennoch können sie sich zu einem pathologischen Zustand entwickeln. Panikstörungen, Zwänge oder Phobien bestimmen das tägliche Leben vieler Menschen und hindern sie daran, ein normales Leben zu führen.

Diese Zustände sind anmaßend, anstrengend und für jemanden, der sie nicht selbst erlebt, nur schwer zu erklären. Das Verstehen der grundlegenden Mechanismen der Angst kann uns helfen, unseren schlimmsten Feind zu entlarven. Lass uns im Folgenden tiefer in dieses Thema eintauchen.

„Die Angst, sich seinen Ängsten zu stellen, ist schwieriger zu überwinden als die Angst selbst.“

Anonym-

Die Zwei-Faktoren-Theorie nach Mowrer

Die Zwei-Faktoren-Theorie wurde 1939 von Orval Hobart Mowrer formuliert. Dieser amerikanische Psychologe und Psychologieprofessor, der an der Universität von Illinois arbeitete, ist vor allem für seine Forschungen zur Verhaltenstherapie bekannt. Er war unter anderem interessiert daran zu erfahren, woher Phobien kommen und warum sie so schwer zu überwinden sind.

Es ist zum Beispiel ziemlich sinnlos, jemandem, der Angst vor Flugzeugen hat, zu erklären, dass die Wahrscheinlichkeit, beim Überqueren einer Ampel zu sterben, höher ist als bei einem Flugzeugabsturz. Der Verstand klammert sich an bestimmte Vorstellungen und behält sie über einen längeren Zeitraum bei, bis sie unser Verhalten völlig verändern. Dr. Mowrer war ein Pionier auf diesem Gebiet. Tatsächlich hat er die Mechanismen hinter vielen Angstprozessen aufgeklärt.

Von Angst zu sprechen bedeutet, sich auf Furcht und Qual zu beziehen

Nach Mowrers Zwei-Faktoren-Theorie haben Ängste, Phobien und Angststörungen ihren Ursprung in zwei Phasen:

  • Stelle dir jemanden vor, der die Kontrolle über jeden Aspekt seines Lebens haben muss, jemanden, der zwanghaft und sehr anspruchsvoll ist. Plötzlich steigt diese Person zum ersten Mal in ein Flugzeug und stellt fest, dass sie diese Situation nicht unter Kontrolle hat.
  • Sie fühlt sich gefangen und gefesselt, hoch über dem Boden, was dazu führt, dass sie eine Panikattacke erleidet. Folglich wird diese Person dann nicht mehr in der Lage sein, wieder in ein Flugzeug zu steigen.
  • Und nicht nur das, denn ihre Angst ist nun nur noch größer. Sie hat Angst davor, in den Urlaub zu fahren oder auf Geschäftsreisen zu gehen. Wieder gezwungen zu sein, in ein Flugzeug zu steigen, verstärkt ihre Angst nur noch mehr.

Wir können daran zwei Dimensionen erkennen, die die Zwei-Faktoren-Theorie von Mowrer definieren. Wir werden diese im Folgenden näher erläutern.

Phase 1. Klassische Konditionierung

Dr. Orval Hobart Mowrer konzentrierte seine Forschung auf den Behaviorismus. Aus diesem Grund stellte er fest, dass der erste Prozess, der das Auftreten von Phobien und vielen Angststörungen vermittelt, die klassische Konditionierung ist.

  • Das Individuum verwandelt einen neutralen und harmlosen Reiz (ein Flugzeug, eine Spinne, ein Ereignis bei der Arbeit, ein überfüllter Supermarkt usw.) in einen schmerzhaften oder traumatischen Reiz.
  • Zum Beispiel: „Seit ich eine schlechte Erfahrung mit meinen Kollegen gemacht habe, fällt es mir sehr schwer, aufzustehen, mich fertig zu machen und zur Arbeit zu gehen. Dieser Ort ist für mich zu einem Albtraum geworden.“
  • Wie du siehst, erlebt die Person in dieser Phase etwas scheinbar Normales auf unangenehme Weise.

Phase 2. Instrumentelle Konditionierung

Nachdem man die Auswirkungen der klassischen Konditionierung (ein bestimmter Reiz erhält eine schmerzhafte Konnotation) erlitten hat, würde es ausreichen, diese Situation einfach zu vermeiden, um zur Normalität zurückzukehren. Bei Phobien und Ängsten arbeitet das Gehirn jedoch anders.

Und hier kommt die zweite Phase, die instrumentelle Konditionierung, ins Spiel.

Fahren wir mit dem Beispiel am Arbeitsplatz fort. Wenn die Person von ihren Kollegen gemobbt wird, wäre es mehr als ausreichend, einfach den Job zu verlassen, um das Leiden zu beenden, oder?

  • Nicht wirklich, denn das ist nicht immer der Fall. Tatsächlich kann die Situation viel komplexer sein. Beispielsweise kann jeder Arbeitsplatz die Erinnerung an diese vergangene Erfahrung auslösen.
  • „Wenn ich mich an alles erinnere, was passiert ist, ist es für mich unmöglich, wieder zur Arbeit zu gehen. Mein Verstand verknüpft jeden Arbeitsplatz mit dem, was ich in der Vergangenheit durchgemacht habe.“
  • Mit diesem Verhalten verstärken die Betroffen jedoch nur die Angst. Es gibt einen beängstigenden Reiz, den sie vermeiden, doch sie vermeiden auch alles, was sie an diesen ursprünglichen Reiz erinnert. Die Angst wird folglich immer größer.

Daher vermeidet der Betroffene nicht nur den ursprünglichen aversiven Reiz, sondern auch alles, was diesem nahekommt.

Die Zwei-Faktoren-Theorie von Mowrer zeigt die irrationale Grundlage, die viele Ängste haben

Wie kann uns die Zwei-Faktoren-Theorie von Mowrer helfen?

Die Zwei-Faktoren-Theorie von Mowrer zeigt die irrationale Grundlage, die viele Ängste haben, und wie sie eine Person daran hindern, ein normales Leben zu führen. Erstens ist es in Ordnung, vor dem zu fliehen, was weh tut, vor dem, was sich als eine wahre Bedrohung verhält. Viele unserer Phobien und Ängste sind jedoch nicht logisch oder garantieren unser Überleben nicht. Im Gegenteil, einige Ängste behindern unser Wachstum nur.

Für den Umgang mit diesen psychologischen Realitäten sind Expositionstechniken sehr gut geeignet. Sich diesem furchterregenden phobischen Reiz zu stellen und die Angst zu rationalisieren, ist immer ein guter Schritt. Ebenso ist eine kurze strategische Therapie eine gute Ressource, um alles freizulegen, was dich einschränkt und dich in deinen Ängsten versinken lässt.

Der Kampf gegen deine Ängste liegt in deiner Verantwortung. Mache daher Gebrauch von den Werkzeugen, die dir dafür zur Verfügung stehen.

„Mut ist zu wissen, was man nicht fürchten muss.“

-Plato-

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  • Mowrer, O.H. (1939). A Stimulus-Response Analysis of Anxiety and its Role as a reinforcing agent. Psychological Review, 46 (6): 553-565.
  • Mowrer, O.H. (1954). The psychologist looks at language. American Psychologist, 9 (11): 660-694.