Mobbing am Arbeitsplatz: Eine stille Realität

03 März, 2018
 

Stell dir vor, dass sich ein Mitarbeiter oder dein Chef in aller Öffentlichkeit über dich lustig macht. Oder dass er dir eine Liste mit Aufgaben überreicht, die laut deinem Vertrag nicht in dein Aufgabengebiet fallen. Wenn du diese dann nicht erledigst, tadelt oder erniedrigt er dich vor den Augen deiner Kollegen. Ohne dass es dir explizit auffällt, gibst du dem Druck nach und machst dich klein. Du tust bereitwillig, was er von dir will. Nur damit er dich endlich in Ruhe lässt.

Und das scheint auch zu funktionieren … zumindest für eine Weile. Denn eines Tages wird er noch einen Schritt weitergehen – obwohl du alles tust, was er von dir möchte. Und er trägt dir auf, etwas zu tun, was noch erniedrigender für dich ist. Oder die Lästerei wird noch schlimmer. Vielleicht fängt er an, dich anzuschreien. Bis es dir reicht. Du suchst Zuflucht bei einem Vorgesetzten. Und alles, was dieser zur Lösung anbieten kann, ist, dass du dich mit der Situation abfinden musst. Aber warum solltest du das tun? Warum unternehmen gerade diejenigen nichts, die die Situation retten könnten? Schluss damit!

“Wenn es keine Helden gibt, die dich retten können, musst du selbst zum Helden werden.”

Aus: Dempa Kyōshi

Die Ursachen für Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing ist besorgniserregend, und dennoch häufen sich die Fälle. Mobbing am Arbeitsplatz findet zwischen zwei Personen im Arbeitsumfeld einer Firma statt. Eine Person übt Mobbingverhalten gegenüber einer anderen Person – dem Opfer – aus. Die Situation kann sich grundsätzlich verbessern, oder aber weiter verschlechtern. Es gibt eine Anzahl von Faktoren, die auf das Auftreten und den Verlauf von Mobbing einen Einfluss haben. Einige davon werden wir uns in diesem Artikel näher ansehen.

 

Die Person, die Mobbing ausübt, neigt dazu, bestimmte Charakterzüge aufzuweisen. Oft ist sie narzisstisch veranlagt, cholerisch und rachsüchtig. Darüber hinaus haben solche Menschen ein eher niedriges Selbstwertgefühl und gewaltige innere Ängste.

“Menschen, die über Selbstliebe verfügen, wollen anderen Menschen nicht wehtun. Je mehr wir uns selbst hassen, desto mehr möchten wir, dass andere leiden.”

Dan Pearce

Chef macht Angestellte nieder

Wenn ein Vorgesetzter missbräuchliches Verhalten an den Tag legt

In diesem Fall zeigt die vorgesetzte Person eine missbräuchliche, kontrollierende Wachsamkeit gegenüber dem Untergebenen. Sie handelt misstrauisch, was zu einer schlechteren Leistung des schikanierten Mitarbeiters führt. Doch damit noch nicht genug. Dem Mitarbeiter können Verantwortlichkeiten entzogen oder Aufgaben zugeteilt werden, die für ihn unangenehmer sind als seine gewöhnliche Arbeit. So wird sich der Konflikt zunehmend zuspitzen.

Zu den spezifischen Verhaltensweisen der vorgesetzten Person kommen noch eine Reihe von Entscheidungen hinzu, die im Arbeitsumfeld gefällt werden. Diese erhalten die Situation über einen längeren Zeitraum hinweg aufrecht. Es verhält sich folgendermaßen: Wenn hohe Anforderungen an die Mitarbeiter gestellt werden, aber die Ressourcen nicht ausreichen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es zu Mobbing im Arbeitsumfeld kommt.

 

Außerdem spielt die Persönlichkeit des Vorgesetzten eine große Rolle bei der Konflikterzeugung, -aufrechterhaltung und -lösung. Wenn die vorgesetzte Person eine zu geringe soziale Kompetenz aufweist, hat dies negative Auswirkungen auf die Situation. Die Art der Mitarbeiterführung spielt eine große Rolle. Ist ihr Führungsstil passiv und despotisch und sind die getroffenen Entscheidungen willkürlich, wird die Situation weiter angeheizt, weil genau dies die charakterliche Disposition eines Vorgesetzten ist, der aggressivem Verhalten am Arbeitsplatz, das Mobbing begünstigt, mit einer nachgiebigen Haltung begegnet.

Die Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz

Wenn eine Firma Mobbing am Arbeitsplatz zulässt, ist das für alle Beteiligten höchst beunruhigend. Dieser Mangel an Respekt schadet nicht nur dem Angestellten, der direkt davon betroffen ist. Es verursacht dem betreffenden Unternehmen hohe Kosten. Und auch der Gesellschaft im Allgemeinen. Es ist daher paradox, dass Vorgesetzte, die dem Mobbingverhalten ein Ende bereiten könnten, es nur deswegen nicht tun, weil sie sich damit nicht auseinandersetzen wollen. Die Mobbingsituationen weiten sich dann für gewöhnlich aus und werden noch komplexer.

Mobbing am Arbeitsplatz wird natürlich Auswirkungen auf das Opfer haben. Zum ersten wird die psychologische Gesundheit der betroffenen Person in Mitleidenschaft gezogen. Es können sich Symptome einer Angststörung und einer Depression zeigen, dazu kommen dann Wutgefühle und emotionale Erschöpfung. Mobbing erzeugt auch ein Gefühl der Niedergeschlagenheit und körperliche Symptome treten auf, darunter Kopfschmerzen, Muskelverspannungen und Schlafstörungen.

 

Nicht nur die Mitarbeiter sind von Mobbing betroffen, auch die Firma wird negativen Konsequenzen ins Auge sehen müssen. Wenn der Leidensdruck des Opfers größer wird, wird es tendenziell eher die Kündigung einreichen. Die Angestellten, die trotzdem in der Firma bleiben, wirken sich negativ auf die Gesamtleistung derselben aus. Denn ihre Zufriedenheit am Arbeitsplatz und ihr Engagement der Firma gegenüber sinkt. Gleichzeitig verstärkt sich ihre Absicht, das Unternehmen zu verlassen oder ihm gar anderweitig zu schaden.

Angestellte stütz ihren Kopf in die Hände

Auch Mitarbeiter, die Zeugen von Mobbing werden, können die Auswirkungen spüren. Sie zeigen eventuell Stressreaktionen, emotionale Erschöpfung oder nehmen der Arbeit gegenüber eine negative Haltung ein. Diese widersprüchlichen Erfahrungen am Arbeitsplatz können auch einen Widerhall in anderen Lebensbereichen finden, wie zum Beispiel in der Familie.

Wie du dich vor Mobbing am Arbeitsplatz schützen kannst

Mobbing am Arbeitsplatz verursacht hohe Kosten, sowohl in gesundheitlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Es ist daher unabdingbar, sich dem Thema zu stellen und Mobbing Einhalt zu gebieten. Firmen sollten, was Mobbing anbetrifft, als konkrete Maßnahme eine passive Laissez-faire-Haltung vermeiden. Wie kann das vonstattengehen? Indem man eine positive Haltung fördert und situative Faktoren beseitigt, die einen nachteiligen Einfluss auf Mobbing am Arbeitsplatz haben könnten. Dazu zählen Überlastung, Führungsschwäche oder wahrgenommene Ungerechtigkeiten.

 

In diesem Sinne ist es vorteilhaft, die Teamleiter dazu anzuhalten, Fairness an den Tag zu legen und Solidarität zu zeigen. Und verstärkt emotionale Intelligenz zum Zuge kommen lassen. Dann wissen die Teamleiter auch genau, was zu tun ist, wenn jemand einen Fall von Missbrauch meldet. Daher ist es gut, wenn sie es verstehen, den Verhaltenskodex der Firma in die Tat umzusetzen. Damit das Problem von Grund auf beseitigt werden kann. Leider haben viele Unternehmen niemals derartige Richtlinien erstellt. Viele Entscheidungsträger treffen in einer Mobbingsituation nur verhaltene Entscheidungen, die nicht gut durchdacht sind.

“Leiste einem Missbrauch niemals stillen Widerstand. Lass dich niemals zum Opfer machen. Lass es nicht zu, dass irgendjemand dein Leben bestimmt. Du bist die Person, die dein Leben bestimmt.”

Tim Field

Angestellter liest ein Dokument

Eine passive Haltung und Mobbing gehen Hand in Hand

Innerhalb des Firma sollte es klare Richtlinien in Bezug auf Mobbing geben. Eine zweideutige Haltung sollte einer klaren Verhaltensvorgabe weichen: Ein Kodex, anhand dessen Fälle von Mobbing am Arbeitsplatz gemeldet und ein Umgang mit ihnen gefunden werden kann. Vorteilhaft ist auch, wenn die Firma auf ausgebildete Mediatoren zurückgreifen kann. Ein weiteres Plus ist das Angebot von Kursen für die Mitarbeiter zu Themen wie “Umgang mit Emotionen” und “Stressmanagement”. In diesen Kursen bekommen sie die notwendigen Werkzeuge an die Hand, um mit verschiedenen Konfliktsituationen, die in der Firma auftreten können, umzugehen.

 

Mobbing am Arbeitsplatz ist ein echtes Problem. Ein Problem, das viel häufiger auftritt, als es die offiziellen Statistiken zeigen. Denn wenn man Mobbing beschreiben müsste, müsste man auch angeben, dass es in den meisten Fällen verschwiegen wird. Kein Unternehmen ist gern in ein Mobbingaffäre verwickelt. In den Führungsetagen ist man oft der Auffassung, dass das Problem eine persönliche Angelegenheit sei, mit der man intern umzugehen habe. Obwohl das vielleicht nach außen hin nicht ausdrücklich kommuniziert wird. Somit ist Mobbing ein Problem, das viele Firmen zu vertuschen suchen. Damit nichts davon an die Öffentlichkeit dringt.

Da die von Mobbing am Arbeitsplatz verursachten Kosten in psychologischer, körperlicher und wirtschaftlicher Hinsicht hoch sind – für die Betroffenen, die Firmen und die Gesellschaft im Allgemeinen – ist es wichtig, Unternehmensrichtlinien zu entwickeln. Mithilfe einer adäquaten internen Firmenpolitik lässt sich das Thema Mobbing gezielt angehen.

Man kann sich Mobbingverhalten gegenüber keine Laissez-faire-Haltung erlauben. Es ist von äußerster Wichtigkeit für Betroffene, dass sie das Gefühl haben, dass Abhilfe geschaffen werden kann. Und dass die Firma dabei Hilfestellung leistet. Damit vermeidet man ein Gefühl der Schutzlosigkeit. Und dass sich das Problem Mobbing am Arbeitsplatz mit der Zeit immer weiter verschlimmert.