5 Führungstypen – Gruppenpsychologie für Fortgeschrittene

26. Juli 2016 en Psychologie 0 Geteilt
Führungstypen - ein Streichholz mit grünem Kopf ragt über alle anderen hinaus

Wir alle kennen eine oder mehrere Personen, die anscheinend mit einer speziellen Gabe geboren wurden, denn sie können dirigieren, organisieren, befehlen, anordnen, innovieren, motivieren und andere in bestimmte Bahnen lenken. Trotz dieser Gemeinsamkeiten sind sie nicht alle gleich, sondern gehören verschiedenen Führungstypen an. Wir könnten hier zahlreiche Eigenschaften auflisten, über die diese Führungstypen verfügen, aber in diesem Artikel soll es um ihre wesentlichen Charakteristika gehen.

Zuerst muss hervorgehoben werden, dass sich der Erfolg aller Führungstypen auf bestimmte Säulen stützt, die wir einfach identifizieren können. Zum Beispiel auf die Entwicklung sozialer Fähigkeiten, das Vermögen, Empathie zu zeigen, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren, oder die Intuition, die es erlaubt, im richtigen Moment und trotz Störfaktoren schnell und effizient zu entscheiden.

Rotes Papierschiff führt Gruppe weißer Papierschiffe

Es ist sicher, dass jeder von uns schon einmal auf Führungstypen gestoßen ist, oder vielleicht gehören wir sogar selbst zu diesem Kreis. Zu letzterer Schlussfolgerung kommen wir allerdings häufig zu schnell, wenn wir die zwei wesentlichen Eigenschaften aller Führungspersönlichkeiten missachten:

  • Einerseits sind nicht immer die Personen, die versuchen, die Führung einer Gruppe zu übernehmen, dazu auch am besten dazu geeignet. Der gute Wille macht noch keine Führungspersönlichkeit aus.
  • Führungspersönlichkeiten werden von anderen Menschen als solche wahrgenommen, nicht nur von sich selbst.

Weiterhin gilt, dass eine Person, die eine bestimmte Gruppe führen kann, weil sie ganz bestimmte Charakterzüge und Ziele hat, nicht zwingend jede andere Gruppe leiten kann. Ein wunderbares Beispiel dafür bilden Mannschaftssportarten: Selten vergeht ein Wochenende, ohne dass ein Trainer eines Fußballvereins von seinem Posten entlassen wird. Der Grund der Entlassung ist in der Mehrzahl der Fälle, dass es der Trainer nicht geschafft hat, die Gruppe richtig zu führen. Meist ist die mangelnde Umsetzung technischer Aspekte dabei nicht ausschlaggebend.

Das Problem ist, dass das gleiche Rezept nicht in jeder Gruppe funktioniert, mit einer Gruppe mit kleinem Budget muss man anders arbeiten als mit einem Team voller Stars.

5 Führungstypen, wie sie Gruppenpsychologen definieren

Das Wort Führung ist in der Psychologie mit einem Experiment und einem Namen verbunden: mit dem von Kurt Lewin, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Modell der Führungsstile entwickelte. Seine Arbeit stand im Zusammenhang mit der Machtergreifung durch Diktatoren, die in der Lage waren, eine große Anzahl von Menschen an ihr Projekt glauben zu lassen, obgleich dieses ethischen oder anderen Standards nicht gerecht wird. Dabei ist folgendes zu berücksichtigen: Damit ein neuer Führer an Macht gewinnen kann, muss es ein Machtvakuum geben oder eine starke Infragestellung der Gruppe, die bereits an der Macht ist. Ein sehr aktuelles Beispiel für eine solche Situation sind die Bundestagswahlen, die gerade stattgefunden haben.

Auch im Dschungelbuch sehen wir verschiedene Führungstypen.

Wenn wir weiterhin dem historischen Faden folgen, können wir sehen, wie sich das Interesse an psychologischen Studien zu Führungstypen, die sich anfangs vor allem auf den Gebieten Militär und Politik anboten, langsam auf andere Ebenen ausgedehnt hat, z.B. auf die Wirtschaft, den Sport oder die Bildung. Weil man gesehen hat, wie Führung und verschiedene Führungstypen die Entscheidungen der Menschen beeinflussen, sind sie zu einer Frage von allgemeiner Wichtigkeit geworden.

Es gibt heute mehr als ein Schema zur Klassifizierung von Führungsstilen. Deshalb werden wir uns in diesem Artikel auf eines konzentrieren, dass von Gruppenpsychologen anerkannt und häufig angewandt wird. Dieses unterscheidet fünf Führungstypen, zwei mehr als ursprünglich von Kurt Lewin identifiziert wurden.

1. Delegative Führung (laissez-faire)

Wir reden hier von einer Führungsperson, die kaum wahrgenommen wird, weil sie Aufgaben erfüllen lässt und nicht selbst erfüllt. Es handelt sich um eine Art Manager, der sich darum kümmert, die Aufgaben zu verteilen. Dies ist besonders effektiv in Gruppen, die sich aus fähigen und motivierten Personen zusammensetzen, die nur darauf warten, dass jemand ihnen die Richtung vorgibt, in die sie gehen sollen. Das heißt, bei diesem Führungstyp dienen Anweisungen zum Aufbau einer Bindung und zur Kommunikation unter den anderen Teilnehmern der Gruppe.

Gefährlich wird es für einen delegativen Führungstyp in Situationen, in denen sein Handeln gefragt ist, er aber nicht eingreift. Denn wir haben es mit einer Führungsperson zu tun, die selbst kein Risiko auf sich nimmt, und so kann es einfach passieren, dass ein destabilisierendes Element dafür sorgt, dass alles aus dem Ruder läuft. Ein Beispiel für eine delegative Führungsperson könnte Gandalf in der nachfolgend abgebildeten Szene sein.

Gandalf in Führung mit Frodo

2. Autokratische Führung

Im Unterschied zum vorherigen Führungstyp ist eine autokratische Führungsperson ein interventionistischer Führer. Kommunikation findet nur in eine Richtung statt, da nur er redet, aber der Gruppe nicht zuhört, die er leitet.

Weiterhin ist der autokratische Führer in der Regel eine sehr kontrollierende Führungspersönlichkeit, die vor allem solche Gruppen gut leiten kann, in denen, trotz großer Motivation, viele Zweifel darüber bestehen, wie man die Aufgaben erledigen soll, die verteilt werden.

Die Gefahr bei diesem Führungstyp besteht darin, dass es wirklich demotivierend für gut vorbereitete Gruppen sein kann, sich gemeinsam in den Abgrund stürzen müssen, nur weil es jemand entschieden hat. Denn der autokratische Führungstyp begegnet den Menschen, die er dirigiert, stets mit einem Gefühl der Überlegenheit. Ein Beispiel für einen autokratischen Führer ist Margaret Thatcher.

Margaret Thatcher in Führung

3. Demokratische Führung

Wie du dir bestimmt schon gedacht hast, bauen viele politische Systeme in der westlichen Welt auf demokratischer Führung auf. Der demokratische Führungstyp versucht nach bestem Wissen und Gewissen, sich der Kommunikation in beide Richtungen zu bedienen. Er übernimmt die Führung, aber ohne zu vergessen, wie wichtig es ist, auf das Feedback zu hören, was die Gruppe ihm für seine Entscheidungen gibt. Mehr noch, das ständige Suchen nach Rat ist charakteristisch für diesen Führungstyp.

Es ist ein guter Führungstyp für fähige Gruppen, auch wenn deren Mitglieder nicht allzu sehr motiviert sind. Die Tatsache, dass sie angehört werden, kann die beste Medizin für dieses Defizit sein, da so auf feinfühlige Art das Interesse am Prozess und an den Zielen erhöht wird. Ein Beispiel für einen demokratischen Führer ist Nelson Mandela.

Nelson Mandela in Führung

4. Transaktionale Führung

Die transaktionale Führung konzentriert sich voll und ganz auf die Ziele. Dieser Führungstyp nimmt die Rolle des Motivators in der Gruppe ein. Seine Aufgabe besteht darin, Belohnungen oder Strafen zu verteilen, um so die das Interesse an und die Ausführung der Aufgaben zu verbessern. Dieser Führungstyp ist deshalb gut geeignet, um lange und zähe Prozesse zu begleiten, in denen die Gruppe keine intrinsische Motivation für das finden kann, für das, was sie umsetzen muss. Da hier nur Externes als Belohnung dienen kann, ist derjenige ein guter transaktionaler Führer, der sich auf die Verteilung von solchen Belohnungen konzentriert und dies auf effektive Weise macht.

Die Gefahr bei diesem Typ der Führung besteht darin, dass sowohl das Ziel als auch die Stimmung innerhalb der Gruppe oft durch den Wettbewerb um Belohnungen Schaden nehmen: Denken wir doch nur mal an Beförderungen, Prämien, Auszeichnungen. Ein Beispiel für transaktionale Führer sind Fußballtrainer.

Fußballtrainer in Führung

5. Transformationale Führung

Die transformationale Führung sieht den Führer vor allem für die Motivation der Gruppe verantwortlich, aber immer mit der Aufgabe selbst im Blick. Seine Intention ist es, dass die Gruppe ihre Ziele erreicht, aber ohne andere Ziele zu vernachlässigen. Diese lateralen Ziele können sehr unterschiedlich und vielseitig sein: die Aneignung neuer Fähigkeiten durch die Mitglieder der Gruppe, Verbesserung der Stimmung, die innerhalb der Gruppe vorherrscht, sich um die Umwelt kümmern, usw.

Diese Art der Führung ist besonders geeignet, um eine Gruppe zu führen, die weder einen hohen Grad an Befähigung noch an Motivation hat und die keinem großen Druck ausgesetzt ist, die Hauptziele zu erreichen. Ein Beispiel für eine solche charismatische Führung ist die, die John F. Kennedy gezeigt hat.

John F. Kennedy in Führung

Wie wir sehen, sind die verschiedenen Führungstypen, wie sie in Studien der Gruppenpsychologie klassifiziert wurden, in unseren Mitmenschen auch als solche zu erkennen. Allerdings verhalten sich die meisten Führungspersonen nicht ausschließlich entsprechend eines Führungsstils, sondern handeln vielseitiger.

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