Die schönsten Zitate von André Gide

16. Juni 2019
Zitate von André Gide machen es uns leicht, die freie und zarte Seele dieses französischen Schriftstellers schätzen zu lernen. Seine kritischen Positionen bezüglich der Politik, nicht zuletzt aber auch seine Homosexualität, brachten starken Gegenwind auf, der aber sein Gleichgewicht und seinen Optimismus nie erschüttern konnte.

Die von uns ausgewählten Zitate von André Gide bringen uns dieses humanistische Genie näher, dem der verdiente Ruhm lange verwehrt blieb.

Gide hob sich nämlich nicht nur als Schriftsteller hervor, sondern erlangte vor allem auch durch seine kritische Perspektive auf die Präsenz der Franzosen in Afrika Bekanntheit. Der Mut, mit dem er dieses Thema ansprach, wurde vielerorts bewundert, aber seine Position nicht generell geteilt.

Dieser französische Schriftsteller lebte von 1869 bis 1951 und damit in einer turbulenten Zeit, in der es noch mehr Tabus gab, als wir sie heute zu brechen versuchen.

Sein ganzes Leben lang stand Gide vor moralischen Dilemmata, die hauptsächlich mit Ehrlichkeit, Liebe und Sexualität in Zusammenhang standen. Das kommt in mehreren der Zitate von André Gide deutlich zur Geltung.

„Wenn du wirklich glücklich sein willst, widerstehe der Versuchung, den Moment des Glücks mit anderen Momenten aus deiner Vergangenheit zu vergleichen, die du vielleicht auch nicht genießen konntest, weil du annahmst, dass das Leben noch etwas Besseres für dich bereithalten müsse.“

André Gide

Einige seiner Werke haben deutlich autobiografische Inhalte, da sein eigenes Leben ihm mit zahlreichen Herausforderungen begegnete. Und dennoch: Die Zitate von André Gide sind in der Regel frisch und fröhlich.

In seinen Aussagen finden wir keine Ressentiments, auch wenn er wahrlich allen Grund dazu gehabt hätte, sich über das die Welt beherrschende Unrecht zu beklagen. Als Beispiel sei nur angeführt, dass seine Schriften lange Zeit verboten waren.

Im Folgenden wollen wir uns nun ein paar seiner aussagekräftigsten Zitate anschauen.

Zitate von André Gide

Das Geheimnis des Glücks

Beginnen wir doch gleich mit einem der schönsten Zitate von André Gide, einem Satz, in dem der Schriftsteller auf die Magie anspielt, die manchmal zwischen Glück und Arbeit entsteht: „Das Geheimnis meines Glücks liegt darin, nicht nach Vergnügen zu streben, sondern Vergnügen in Anstrengung zu finden.“

Zitate von André Gide über Glück und Geben

Und er hatte definitiv Recht mit seiner Überzeugung, dass Freude oder Zufriedenheit nicht durch Anstrengung als solche erreicht werden können. Mehr als ein Ziel an sich sollen Freude und Glück Konsequenzen unseres Handelns sein. Uns auf das einzulassen, was wir lieben, ist ein Akt der Freiheit, der Befriedigung erzeugt, ohne anderes zu benötigen.

Eines der Zitate von André Gide über Besitz

Der Wunsch nach materiellem Besitz motiviert, der scheinbare Mangel an ihm weckt Neid und generell handelt es sich hier um ein Thema, das zum Nachdenken anregt.

André Gide wies in diesem Zusammenhang auf Folgendes hin: „Tatsächlicher Besitz kann nur durch Geben bewiesen werden. Alles, was wir nicht geben können, besitzt uns.“

Das ist ein schöner und klarer Satz, in dem die Tatsache bekräftigt wird, dass Geben die eigentliche Manifestation des Besitzes ist.

Wer gibt, tut das, weil er es kann, weil er besitzt. Wer nicht gibt, auch wenn er es könnte, besitzt nichts, sondern gehört dem, was er für sich behält.

Der Wunsch nach Beibehaltung des Besitzes beziehungsweise die Angst davor, sich von diesem trennen zu müssen, dominiert ihn. Vielleicht hat er das Gefühl, dass er nicht genug hätte. Auf diese Weise schließt er sich jedoch mit seinem Besitz ein und aus seinem Umfeld aus.

Die schönsten Dinge

Viele der Zitate von André Gide haben einen zarten poetischen Ton, ohne fordernd zu klingen. Dieses zum Beispiel besagt: „Die schönsten Dinge sind diejenigen, die von der Verrücktheit angeregt und vom Vorstand geschrieben sind.“  Gide sieht die Schönheit als Ergebnis der Verbindung von Wahnsinn und Vernunft.

Seiner Meinung nach sei der Wahnsinn die kreative Kraft. Es ist diese absurde Leidenschaft, die zu etwas Neuem führt, das allerdings nur dann schön werden kann, wenn die Vernunft es formt.

Deshalb muss die Welt der Ideen, also die Fantasie, die Unvernunft prägen. Aus alledem entsteht schließlich Kunst, wenn der Intellekt es zulässt und sich dabei an die Gesetze der Logik hält.

Frau macht sich auf den Weg, Zitate von André Gide

Die Entdecker

André Gide war ein begeisterter Reisender, der große Freude dabei empfand, neue Kulturen und Lebensweisen kennenzulernen. Und wie wir wissen, sind Reisende meist neugierige Menschen, die das Neue nicht fürchten und sich mit Mut und Entschlossenheit auf Abenteuer einlassen. Das gilt für materielle, intellektuelle und spirituelle Reisen.

Dieser Entdeckergeist spiegelt sich in folgendem der Zitate von André Gide wider: „Man kann neue Kontinente nur entdecken, wenn man den Mut hat, die alten Ufer aus den Augen zu verlieren.“ 

Damit gibt er uns eine Metapher an die Hand, eine Metapher für die Bedeutung des Loslassens von allem Bekannten, um seinen Horizont zu erweitern und sich wahrhaft für Neues zu öffnen.

Manchmal bemerken wir es nicht…

Schließen wir diesen Beitrag mit einem sehr weisen Satz ab, mit dem sich sicherlich viele unserer Leser identifizieren können. André Gide betonte: „Wenn wir die Präsenz des Glücks nicht häufiger bemerken, dann deshalb, weil es sich uns anders zeigt, als wir es erwartet haben.“ 

In diesem Zitat stellt Gide den Kontrast zwischen Glück als Konzept und Glück als konkrete Realität heraus.

Wir Menschen machen oft Fehler, wenn wir beurteilen, was uns glücklich macht. Oftmals suchen wir unser Glück in dem, was wir nicht haben oder nicht erreichen können. Aber stattdessen sollten wir vielleicht lernen, es in jedem Moment unserer Existenz zu erkennen.

Vielleicht könnten wir dann mehr von der Glückseligkeit genießen, die so oft in unserer Reichweite liegt und deren Gegenwart wir schlicht und einfach nicht bemerken.

Frau vor Berglandschaft genießt ihre Freiheit

André Gide erhielt 1947 den Nobelpreis für Literatur. Dennoch waren seine Bücher lange Zeit verpöhnt, ja verboten, wobei der Kirche eine wesentliche Verantwortung zufällt.

Trotz allem aber wurden sein Werk und sein Vermächtnis zum Leitfaden für viele seiner Zeitgenossen, wie Albert Camus und Jean-Paul Sartre, und nicht zuletzt für uns, die wir heute nach Glück und Zufriedenheit streben.

  • Gide, A. (2012). Corydon. Editions Gallimard.
  • Gide, A. (1981). Defensa de la cultura (Vol. 1). Ediciones de la Torre.
  • Gide, A. (1988). El inmoralista (Vol. 96). Ediciones Catedra.