Höhere Selbstachtung durch realistisches Hinterfragen

· 5. September 2018

Höhere Selbstachtung ist eines der wichtigsten Ziele vieler Therapien, denn sie ist einer der Bausteine, mit denen wir den richtigen Weg pflastern. Ein hohes Selbstwertgefühl stärkt unsere emotionale Immunität und erhält unsere Belastbarkeit. Im Wissen um seine Bedeutung stellen wir uns die Frage: Wie können wir unser Selbstwertgefühl verbessern?

Um das zu erreichen, müssen wir, genau wie bei anderen psychologischen Herausforderungen, verschiedene Instrumente und Strategien einsetzen. Das liegt daran, dass der Niedergang unseres Selbstwertgefühls immer in verschiedenen Faktoren begründet ist. Zwei der wichtigsten Faktoren ist das System der Attributionen oder Zuschreibungen, das wir anwenden, und der Grad des Einflusses, den wir auf das, was mit uns geschieht, haben.

„Geringes Selbstwertgefühl ist wie mit angezogener Handbremse durchs Leben zu fahren.“

Maxwell Maltz

Was ist kausale Zuschreibung und wie kann sie unserem Selbstwertgefühl schaden?

Wenn es uns an Selbstachtung mangelt, denken wir, dass das, was mit uns geschehe, eine Folge von persönlichen, inneren Faktoren wäre, die wir nicht ändern könnten. Die Ursache unseres „Unglücks“ schreiben wir uns selbst zu. Was empfinden beispielsweise Menschen mit geringem Selbstwertgefühl, wenn ihnen das Herz gebrochen wird? Sie denken, dass es ihre Schuld gewesen wäre, dass die Beziehung zerbrochen sei.

So entstehen negative Gedanken wie „Ich bin nicht gut genug“, „Ich verdiene das nicht“  und „Das ist alles meine Schuld“.  Wenn eine Beziehung endet, teilen sich jedoch immer beide Parteien die Verantwortung. Es ist niemals nur eine Person schuld, auch wenn beide so denken mögen.

Traurige Frau in einer Kammer

Deshalb ist es normal, dass bei einer Trennung Schuldgefühle aufkommen. In dem Moment, in dem diese Gedanken auftauchen, sollte unsere Selbstachtung jedoch die Belastung verringern und einen Zusammenbruch vermeiden, was bedeutet, dass wir in den kausalen Zuschreibungen, die wir vornehmen, realistisch bleiben. Das Gleiche passiert in vielen anderen Situationen in unserem Leben.

Und nicht nur das, Menschen mit mangelndem Selbstwertgefühl neigen auch dazu, den guten Dingen, die ihnen widerfahren, externe Ursachen zuzuschreiben. Sie mögen zum Beispiel annehmen, dass sie bei der Arbeit befördert worden wären, weil ihr Chef nett sei, und nicht, weil sie qualifiziert seien. Deshalb fühlen sie sich niemals wohl, wenn sie belohnt werden.

„Solange du dich nicht schätzt, wirst du deine Zeit nicht schätzen. Solange du deine Zeit nicht schätzt, wirst du nichts mit ihr anfangen.“

M. Scott Peck

Lernen, die kausale Zuschreibung zu ändern: Verbesserung unseres Selbstwertgefühls

Was können wir also tun, um kausale Zuschreibungen zu hinterfragen und damit unser Selbstwertgefühl zu verbessern? Fangen wir an, indem wir einen Schritt zurückgehen und die Dinge ins rechte Licht rücken. Auf diese Weise ist es möglich, eine mehr oder weniger objektive Untersuchung durchzuführen, die an die Realität angepasst und nicht auf unsere Fehler ausgerichtet ist.

Dabei sollten wir uns fragen, inwieweit wir Einfluss darauf haben, was mit uns geschieht und welche anderen Elemente wirkten, sodass ein bestimmtes Ergebnis erzielt wurde. Wir müssen lernen, uns selbst ein Teil des Guten zuzuschreiben, wenn etwas Gutes passiert ist. Natürlich sollen wir gleichzeitig Verantwortung übernehmen, wenn wir Fehler machen, aber wir sind dennoch nicht an allem Schlechten schuld. In der Balance finden wir unser Wohlbefinden und können unsere Selbstachtung erhöhen.

Ein Mädchen macht ein Selfie

Außerdem, wenn wir hauptverantwortlich für etwas Schlechtes sind, ist es nicht gut, uns selbst zu bestrafen, nachdem wir es analysiert und daraus gelernt haben. Wenn wir aus unseren Fehlern lernen, werden wir es in Zukunft vermeiden, sie zu wiederholen, und müssen unser Selbstwertgefühl damit nicht schädigen.

„Wenn du dich erholst oder etwas entdeckst, das deine Seele nährt und dir Freude bringt, kümmere dich gut genug um dich selbst, um Platz dafür in deinem Leben zu schaffen.“

Jean Shinoda Bolen

Nach diesen Schritten können wir uns weiterentwickeln und verbessern. Die Fähigkeit, unser Verhalten realistisch zu analysieren, wird uns helfen, unsere Stärken und Schwächen besser einzuschätzen. Das wird unser Selbstwertgefühl verbessern und unsere Eigenverantwortung erleichtern. Wir werden in der Lage sein, die Ziele, in die wir unsere Ressourcen investieren, besser zu wählen.