Die intelligente Disziplin

· 23. März 2016

Intelligente Disziplin wird als jene Disziplin definiert, die es den Personen erlaubt, sich gesunden Regeln und Normen auf bewusste Weise anzupassen, und zwar in Funktion des persönlichen und kollektiven Wachstums.

Es handelt sich dabei um eine Art der Disziplin, die sich auf vernünftige Art äußert, im Gegensatz zur nachgiebigen antiautoritären Erziehung und zur autoritären Erziehung.

Die Folgen einer antiautoritären Erziehung sind wahrhaft unheilbringend, genauso oder sogar noch mehr als die einer autoritären Erziehung.

Es ist eindeutig nachgewiesen, dass Kinder und Jugendliche, die niemals gelernt haben, sich einer Disziplin zu unterwerfen, große Schwierigkeiten bei der Charakterbildung sowie bei der Verfolgung und Erreichung ihrer Lebensziele haben.

“Die Disziplin ist der beste Freund des Menschen, denn sie leitet ihn hin zur Verwirklichung der tiefsten Sehnsüchte seines Herzens.”

Mutter Teresa von Kalkutta

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Eine antiautoritäre Erziehung ohne Disziplin ruft einige sehr klar definierte Persönlichkeitszüge hervor: Verantwortungslosigkeit, Aufsässigkeit, Rücksichtslosigkeit, Egoismus, Kriminalität und Unreife. Eine autoritäre Erziehung wiederum bringt unterwürfige, ängstliche und unsichere Menschen hervor.

Das schlimmste Szenarium ergibt sich allerdings, wenn beide Ausrichtungen kombiniert auftreten, wenn sich Nachgiebigkeit mit Autoritarismus abwechselt.

Dies ist der typische Fall bei Eltern, die bei der Verhängung einer Strafe über das Ziel hinausschießen oder eine Anweisung mit übertriebener Härte durchsetzen. Danach fühlen sie sich schuldig, so gehandelt zu haben, und dann verhalten sie sich in anderen Situationen auf einmal ganz nachgiebig, um ihr schlechtes Gewissen zu entlasten.

Antiautoritäre und autoritäre Erziehung

Bevor wir uns die intelligente Disziplin näher ansehen, ist es wichtig, dass wir uns zunächst die Eigenschaften der antiautoritären und autoritären Erziehung vor Augen halten.

Die folgenden Hauptmerkmale charakterisieren eine antiautoritäre Erziehung:

  • Es gibt keine klar definierten Regeln.
  • Man versucht, dem Kind oder Jugendlichen gefällig zu sein.
  • Fehler und Irrtümer der Kinder werden entschuldigt.
  • Allen Launen des Kindes wird nachgegeben.
  • Es gibt nur geringe Anforderungen an das Kind, die ihm in keiner Weise schwerfallen.
  • Bestrafungen werden ausgesetzt oder verhandelt.
  • Man erlaubt dem Kind, nach seinem eigenen Urteilsvermögen Entscheidungen zu treffen.
  • Der Pünktlichkeit, Ordnung und dem Erreichen von Zielen wird wenig Bedeutung beigemessen.
  • Es wird eine übermäßige Freiheit gewährt: Das Kind soll auf eigene Faust aus seinen Fehlern lernen.

Die Hauptcharakteristika der autoritären Erziehung sind hingegen:

  • Regeln werden aufgezwungen, ohne Erklärungen oder Argumente.
  • Jeder Verstoß gegen die Regeln wird hart bestraft, unabhängig von der Schwere des Verstoßes.
  • Es wird versucht, eine absolute Kontrolle über das Leben des Kindes auszuüben und aufrechtzuerhalten.
  • Bestrafungen sind streng und bestehen auch häufig aus physischer und psychischer Gewalt.
  • Es wird übertriebener Wert auf die Ordnung gelegt.
  • Dem Kind wird weder ein Ansporn geboten noch werden seine Leistungen belohnt.
  • Die Meinung des Kindes wird nicht gehört, ihr wird kein Wert beigemessen.

Die antiautoritäre Erziehung ist oft auf Desinteresse oder fehlende Charakterstärke der Eltern zurückzuführen, während der autoritären Erziehung häufig ein Trauma der Eltern oder deren übertriebene Ängstlichkeit oder Furcht zugrunde liegt.

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Hin zu einer intelligenten Disziplin

Die intelligente Disziplin definiert sich als jene, die fähig ist, den Kindern Werte zu vermitteln und ihnen bei der Anerkennung ihrer Grenzen hilft, damit sie lernen können, auf unmögliche Wünsche zu verzichten.

Der Mensch baut sich im Laufe seines Lebens viele Fantasien rund um seine Wünsche. Im Grunde unseres Seins sind wir alle unheilbare Narzissten, die immer im Mittelpunkt stehen wollen. Und dann gibt es in jedem von uns noch einen Egoisten, der alles für sich will. Und natürlich einen kleinen Diktator, der all das haben will, was er sich wünscht, auch wenn er über Leichen gehen muss, um es zu erlangen.

Die Disziplin führt einige kleine Frustrationen und Enttäuschungen ein. Indem diese Grenzen akzeptiert werden, lernen wir, dass wir nicht allein auf der Welt sind, und dass wir nicht alles erhalten können, was wir uns wünschen.

Dieser Lernprozess wiederum erlaubt es uns, Strategien zur Anpassung an die Welt zu entwickeln. Dies schließt die Benutzung des Verstandes und der Frustrationstoleranz ein. Mit anderen Worten, die Disziplin lehrt uns, mit beiden Füßen auf dem Boden zu stehen.

Klarheit und Beständigkeit in der Befolgung der Regeln unterstützen uns darin, ein Prinzip solider Realität zu entwickeln. Dies übersetzt sich mit der Zeit in Selbstsicherheit und Wertschätzung sich selbst gegenüber.

Sie hilft uns weiterhin, Ziele zu entwickeln und das Mögliche und Notwendige zu tun, sie zu erreichen. Damit haben wir ein gutes Bündel gesunder Emotionen geschnürt, das uns dabei hilft, weniger Probleme und mehr Erfolg in unserem Leben zu haben.

Regeln für die Anwendung einer intelligenten Disziplin sind:

  • Grenzen setzen, bevor Regeln als solche aufgestellt werden.
  • Bei der Anwendung der Regeln sehr gut definierte Auswahlmöglichkeiten anbieten.
  • Bei der Einführung einer neuen Regel das Kind mit einbeziehen, sodass es sieht, dass seine Meinung zählt, aber nicht die ausschlaggebende ist.
  • Die Werte, die man vermitteln möchte, für sich selbst klar haben.
  • Zur Entwicklung der Selbstkontrolle motivieren.
  • Ganz deutlich erklären, warum manche Verhaltensweisen die Erwachsenen und andere Personen verärgern.
  • Die guten Taten des Kindes anerkennen und wertschätzen.
  • Nicht in Konflikt geraten mit anderen disziplinarischen Modellen in der Familie.
  • Bei einem Fehlverhalten sofort handeln, ohne dies auf später zu verschieben.
  • Die Strafen für Regelverstöße klar festlegen und das tun, was angekündigt wurde.

Die intelligente Disziplin formt freie und bewusste Menschen; Individuen, die in der Lage sind, das Beste aus sich herauszuholen und die jene alte Maxime respektieren, die die Grundlage jeglichen gesunden Zusammenlebens ist: „Deine Rechte enden dort, wo die deiner Mitmenschen beginnen.“