Wenn die Erziehung schadet: Toxische Mütter

· 27. November 2015

Heute wollen wir über toxische Mütter reden, aber natürlich gibt es auch toxische Väter und toxische Großeltern. Wir wollen über Stützen in der Erziehung von Kindern reden, die noch weit davon entfernt sind, persönliche Reife und Selbstsicherheit zu entwickeln, um sich später einmal der Welt zu öffnen. Denn solche Stützen können zu schweren Ankern werden, die die Entwicklung einer physischen und emotionalen Unabhängigkeit eines Kindes beeinträchtigen können.

Mütter spielen nach wie vor oft eine größere Rolle in der Erziehung der Kinder. Sie sind es, die dem Neugeborenen Geborgenheit und Zuneigung geben, das sich von da an jeden Tag ein kleines bisschen mehr aus ihren Armen löst, um mit sicheren Schritten in die Welt hinauszugehen. Dabei ist es sich der bedingungslosen, aber gesunden Liebe der Mutter ständig bewusst und sie hilft ihm dabei, zu reifen.

Die Liebe toxischer Mütter ist sowohl aufdringlich als auch unreif. Sie projizieren ihre eigenen Unsicherheiten auf ihre Kinder, um sich persönlich zu bestärken und so ihr Leben, und das ihrer Kinder, besser kontrollieren zu können.

Was steckt hinter der Persönlichkeit toxischer Mütter?

Dies ist eventuell überraschend, aber was hinter der Persönlichkeit toxischer Mütter steckt, ist die Liebe. Wir wissen aber, dass die Liebe eine Medaille mit zwei Seiten ist: Es gibt die Dimension, die fähig ist, das persönliche Wachstum einer Person zu begünstigen, sei es der Partner oder ein Kind, und dann gibt es die toxische Seite, die eine egoistische und eigennützige, manchmal sogar erstickende Liebe darstellt, die absolut zerstörerisch sein kann.

Mutter und zwei Kinder

Das Besorgniserregende dabei ist, dass Verwandte, die diese giftige Seite entfalten, dies in Richtung kleiner Lebewesen tun, die sich mitten im persönlichen Reifungsprozess befinden, in dem sich ihre Persönlichkeit und ihr Selbstbewusstsein ausbildet. All dies wird sich in sie einprägen und zu großen Leeren und Unsicherheit in ihrer Persönlichkeit führen.

Schauen wir uns an, welche psychologischen Aspekte toxische Mütter ausmachen.

1. Eine unsichere Persönlichkeit

Oft verbirgt sich dahinter fehlendes Selbstbewusstsein oder Selbstgenügsamkeit, weshalb sie in ihren Kindern einen „Rettungsanker“ sehen, etwas, das sie gestalten und kontrollieren und immer an ihrer Seite haben können, um ihre Mängel zu kompensieren.

Zu sehen, dass ihre Kinder eigenständiger werden, nicht mehr so sehr auf sie angewiesen sind und Schritt für Schritt immer fähiger werden, ihr Leben selbst zu gestalten und zu bestimmen, stellt für sie eine große Angst dar, denn sie fürchten sich davor, allein zurückzubleiben. Dies befähigt sie dazu, geschickte Entscheidungen zu treffen, um sie weiterhin an sich zu binden und zu rechtfertigen, dass dies so richtig ist. Ein Art dies zu tun ist die eigene Unsicherheit und das fehlende Selbstbewusstsein auf die Kinder zu projizieren.

Eltern mit erwachsener Tochter

2. Kontrollwahn

Das Verlangen ihr eigenes Leben bis ins kleinste Detail kontrollieren zu wollen führt dazu, dass sie dasselbe mit dem Leben ihrer Kinder tun wollen. Sie sind dabei nicht fähig, die Grenzen zu erkennen. Für sie bedeutet Kontrolle dasselbe wie Sicherheit und wie etwas Beständiges, das sich nicht verändert, was ein gutes Gefühl gibt.

Das Komplizierte daran ist, dass sie Kontrolle ausüben, weil sie denken, dass es ihren Kindern gut tut und sie so ihre Liebe zu ihnen ausdrücken können. „Ich  erleichtere dir das Leben, indem ich deine Angelegenheiten kontrolliere, damit du glücklich bist.“ – „Ich will nur das Beste für dich und deshalb verhindere ich, dass du Fehler machst“,  hört man von toxischen Müttern.

Kontrolle, die durch Zuneigung gerechtfertigt wird, ist der schlimmste Fall von Überbehütung. Dadurch verhindern wir, dass die Kinder eigenständig, fähig und mutig werden und dass sie aus ihren eigenen Fehlern lernen können.

3. Die Projektion unerfüllter Träume

„Ich möchte, dass du alles bekommst, was ich nie haben konnte.“ – „Ich möchte nicht, dass du dieselben Fehler begehst.“ – „Ich möchte, dass du das wirst, was ich nie werden konnte.“ – Oft projizieren toxische Mütter ihre eigenen, unerfüllten Träume auf ihre Kinder, ohne sich zu fragen, was diese selbst wollen, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu entscheiden. Dabei denken sie, dass sie ihnen ihre bedingungslose Liebe ausdrücken, obwohl es in Wirklichkeit falsche Liebe, eine eigennützige Liebe ist.

Wie können wir mit unserer toxischen Mutter oder Verwandtem umgehen?

  • Mach dir bewusst, dass du diesen toxischen Kreislauf unbedingt durchbrechen musst. Du hast lang genug in ihm gelebt und du kennst die negativen Auswirkungen, die er auf dich gehabt hat. Nun ist dir aber klar geworden, dass du deine eigenen Flügel öffnen musst, um du selbst zu sein. Um glücklich zu sein. Es wird dich Kraft kosten, aber du musst lernen „Nein“  zu sagen, deinen eigenen Bedürfnissen Vorrang zu geben und deine eigenen Grenzen festzulegen, die niemand übertreten darf.
Trauriges Mädchen

  • Es geht um deine Mutter oder um deinen Verwandten und dir muss bewusst sein, dass das Durchbrechen des toxischen Kreislaufs Schaden anrichten kann. Die Wahrheit zu sagen kann manchmal wehtun, aber sie ist überlebenswichtig. Es geht einzig darum, Grenzen zu setzen und klar zu bestimmen, was erlaubt ist und was nicht. Es ist nicht deine Absicht, Schaden anzurichten, das solltest du klar machen. Es sollte aber genauso klar werden, dass du selbst nicht Schaden nehmen willst.
  • Erkenne die Manipulation. Manchmal ist sie so subtil, dass wir sie gar nicht bemerken. Hinterfrage also jedes Wort und jede Handlung. Und vor allem, lass nicht zu, dass sich die toxische Person oder deine toxische Mutter als Opfer darstellen, sich als die Geschädigten sehen, obwohl es in Wirklichkeit du bist, dem sie Schaden zugefügt haben. Achte immer darauf!