Die Demut des Herzens

· 16. Februar 2016

Die Demut, die aus dem Herzen entspringt, kennt keine Tricks. Es ist eine innere Offenheit, die sich auf andere projiziert, um sie anzuerkennen, um Respekt und Vertrauen anzubieten. Sie bedeutet, mit bescheidenen Augen die Welt zu sehen und die einfachen Dinge wertschätzen zu können.

Beginnen wir mit einer kleinen Frage zum Nachdenken: Denkst du, dass die Menschen heutzutage demütig sind?

Vielleicht sollten wir zuerst die Begriffsbedeutung klären. Manchmal assoziieren wir die menschliche Demut mit dem Altruismus dieser Personen, die in der Lage sind, alles zu geben und sich von allem zu lösen, um ihren Mitmenschen zu helfen.

Auch wenn wir natürlich diese Seite berücksichtigen müssen, ist die Demut in Wirklichkeit mehr als nur diese Art des Handelns. Sie ist ein inneres Gut, eine Haltung, eine Art, zu denken und zu fühlen.

Viele von uns sind es gewohnt, die Aspekte zur Priorität zu machen, die die moderne Gesellschaft in uns sucht: Individualismus, Wertschätzung des Materiellen, Konkurrenzdenken und sogar den „Wegwerf-Gedanken“, das Konsumieren und Wegwerfen, das schnelle Leben.

In vielen dieser Elemente findet sich in Wirklichkeit eine Prise von feinem Egoismus. Das ist die andere Seite der Waage im Herzen von demütigen Menschen.

Die Demut und die Kraft, andere anzuerkennen

Demut

Manchmal gewöhnen wir uns im Alltag die oben genannten Verhaltensweisen an und werden zu Personen, die selbst ihre höchste Priorität sind, die ihre eigenen Bedürfnisse vor die anderer stellen, die sich vom Alltag tragen lassen, in dem sie ein möglichst schnelles Leben erfahren.

In vielen dieser Fälle finden sich „verflüssigte Beziehungen“, wie der Soziologe Zygunt Bauman sie nennt. Dies bezeichnet Freundschafts- oder Liebesbeziehungen, die wir nur mit flüchtigen und schwachen Verbindungen aufbauen. Somit hören sie häufig frühzeitig auf und manchmal sogar ohne die Notwendigkeit, sich von Angesicht zu Angesicht Tschüss zu sagen. Es reicht aus, die Person aus der Freundesliste in den sozialen Netzwerken zu löschen.

In diesen Verhaltensweisen erkennt man oft einen Mangel an innerer Kenntnis, einen Mangel an Reflektiertheit, an emotionaler Reife und eben auch an Demut.

Die Demut, die vom Herzen kommt, besitzt ein großes Wissen über sich selbst. Und wenn man genau weiß, wie man selbst ist, kann man auch die Bedürfnisse anderer erkennen. Das ist die Feinheit der weisesten Empathie, die Fähigkeit, die Welt mit einem offenen Geist anzuschauen, um jede Kleinigkeit und jede Emotion aufzunehmen.

Den anderen Offenheit und Anerkennung zeigen zu können ist einer der grundlegendsten Werte des Menschen. Wir alle wollen als Personen wertgeschätzt werden und wünschen, dass unsere Anstrengungen, unsere Tugenden und unsere Bedürfnisse anerkannt werden.

Wenn die Eltern ihre Kinder nicht anerkennen, werden diese sich nie ihrer Schritte sicher sein. Sie werden nicht erfahren, was Vertrauen und Unterstützung bedeuten. Und die Zuneigung, die sie zu ihren Eltern entwickeln, wird weder sicher noch tiefgründig sein.

Und was können wir über Liebesbeziehungen sagen?

Einen demütigen Partner an unserer Seite zu haben, der in der Lage ist, seine eigenen Fehler zu sehen, immer ehrlich und ohne Egoismus zu handeln, der die kleinen Dinge des Beziehungsalltags wertschätzen kann, ist sicherlich das Beste, was wir erstreben können.

Der Mut zu vergeben

Vergebung ist kein Akt der Schwäche. Es bedeutet nicht, sich demjenigen zu beugen, der uns Leid zugefügt hat. Nur die tapfersten und demütigsten Menschen führen die Vergebung in ihrer weisesten Form aus: um sich vom Leid zu befreien und mit größerer Stärke fortzuschreiten.

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Wann war das letzte Mal, dass du etwas verziehen hast? Wir wissen und verstehen, dass es nicht einfach ist, zu vergeben, und dass es nicht immer möglich ist.

Wie können wir jemandem verzeihen, der uns absichtlich wehgetan hat? Den Eltern, die unsere Kindheit zerstört haben? Oder dem Partner, der uns das tiefste Unglück gezeigt hat?

Die Wahrheit ist, dass die Vergebung oft ein wirksames klinisches Werkzeug in Einzel- und Paartherapien ist, auch wenn sie schmerzen mag und uns schwer fällt.

Dies ist der erste Schritt zur emotionalen Befreiung und der Wille, den Groll loszuwerden ebenso wie die negativen Gefühle und die innere Qual.

Vergebung befreit uns und ist eine der besten Handlungen, die die Demut unseres Herzens symbolisiert.

Hass, Groll oder Zorn machen uns zu Gefangenen des Schmerzes. Warum sollten wir uns nicht befreien? Warum sollten wir nicht vergeben?

Im Herzen demütig zu sein ist eine gesunde Übung für jeden Tag, die uns viel Gutes bringen kann. Durch sie lernen wir, ein einfaches Leben zu führen und den Wert dessen zu entdecken, was wirklich wichtig ist: Die Liebe, die Freundschaft, das tägliche Glück. Es bedeutet, wertschätzen und vergeben zu können. Es bedeutet, die Welt mit Hoffnung anzusehen und die Seele mit Harmonie zu füllen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Gregory Colbert