Die 5 besten Sätze von Alejandra Pizarnik

· 20. Juli 2018

Die Sätze von Alejandra Pizarnik lassen eine Dichterin erkennen, die mit einer beeindruckenden Sensibilität und einer außergewöhnlichen Klarheit gesegnet war. Diese Künstlerin, Tochter russischer Einwanderer und in Argentinien geboren, führte jedoch ein instabiles und unglückliches Leben.

Alejandra Pizarnik war von ihrer Kindheit und Jugend geprägt. Sie litt unter aggressiver Akne, Asthma und Übergewicht. Ihre Schwester hingegen war in den Augen ihrer Eltern „perfekt„. Sie wurde ein rebellisches, aber gleichzeitig introvertiertes Mädchen, das alles repräsentierte, was eine junge Frau nicht sein sollte. Von klein auf nahm sie Amphetamine und Barbiturate ein.

„Bedecke die Erinnerung an dein Gesicht mit der Maske derer, die du sein wirst, und erschrecke das Mädchen, das du warst.“

Alejandra Pizarnik

Nach einer Psychoanalyse fand sie vorübergehende Stabilität, was eine Zeit großer intellektueller Produktivität einläutete. Aus dieser Phase stammen ihre schönsten Gedichte und die unvergesslichen Sätze von Alejandra Pizarnik. Sie tötete sich schließlich selbst, als sie erst 36 Jahre alt war. Dies sind einige ihrer denkwürdigsten Aussagen.

Alejandra Pizarnik über Arbeit

Einer der Sätze von Alejandra Pizarnik lautet: „Die Wahrheit ist, arbeiten, um zu leben, ist dümmer als zu leben. Ich frage mich, wer den Ausdruck ’seinen Lebensunterhalt verdienen‘ als Synonym für ‚arbeiten‘ erfunden hat. Wo ist dieser Idiot?“

Dieser Text spiegelt sehr gut ihren kritischen und kontroversen Geist wider. In diesem speziellen Satz zeigt sich eine wütende und empörte Alejandra Pizarnik. Mehr als gegen die Arbeit begehrt sie hier dagegen auf, dass man sie mit dem Leben gleichsetzt. Die Annahme, dass das Leben nur bei der Arbeit gemacht, verdient oder gespielt würde, ist aber schlichtweg falsch.

Buch mit Zweigen

Die Aufgabe des Dichters

Es wurde viel darüber geredet, wofür Poesie da sei und wozu Dichter dienen. Einer der Sätze von Alejandra Pizarnik löst die Frage auf eine schöne und elegante Weise. Er verbindet Poesie mit Heilung. Er gibt dem poetischen Wort die Kraft zu heilen, zu reparieren und zu entgiften.

So heißt es: „Man sagt, der Dichter sei der große Therapeut. In diesem Sinne würde die poetische Aufgabe darin bestehen, zu exorzieren, zu beschwören und zusätzlich zu reparieren. Ein Gedicht zu schreiben bedeutet, die grundlegende Wunde, den Riss, zu reparieren. Weil wir alle verletzt sind.“

Die Dualitäten und das Sein

Viele der Sätze von Alejandra Pizarnik sprechen über jene Dualitäten, die in uns wohnen. Davon, einer und zugleich ein anderer zu sein. Von der schwebenden, sich verändernden und nie ganz definierten Identität. Dabei wird klar, dass in ihr selbst ein verletztes Mädchen und eine ungezähmte Frau lebten.

Einer ihrer Sätze lautet: „Es ist eine Freude, sich in dem Bild zu verlieren, das man erahnt. Ich stand von meiner Leiche auf und suchte, wer ich bin. Pilgerin in mir, bin ich zu derjenigen gegangen, die im Land des Windes schläft.“  Sie spricht darüber, was einer war und was er nicht mehr ist, aber was er für immer sein wird. Vom Sterben und der Wiedergeburt eines anderen, der aber diese Leiche in sich trägt.

Traurige Frau auf windigem Feld

Die Suche und die Schwindelgefühle

Das ist einer der schönsten Sätze von Alejandra Pizarnik: „Suchen. Es ist kein Verb, sondern ein Schwindelgefühl. Kein Hinweis auf eine Handlung. Es bedeutet nicht, jemanden zu treffen, sondern daliegen, weil jemand nicht kommt.“

Die Suche, auf die sie sich bezieht, ist die, welche die Erwartung dessen begleitet, was oder wer kommen wird. Das innig Gewünschte erzeugt jenes Schwindelgefühl, bei dem man nicht weiß, welches Gefühl extremer ist: das der Abwesenheit oder der Präsenz. Wenn du auf etwas wartest, das du liebst, bist du nicht in einer aktiven Position, sondern in einer Qual, für die es keine Worte gibt. Und wenn es lange dauert, wird die Qual zur Folter, führt mitunter zum Tod.

Mit Unschuld schauen

Mit Unschuld zu schauen bedeutet für sie, ohne Erwartung, ohne Voreingenommenheit und ohne Vorurteile zu schauen. Es ist die Art von Blick, die nicht erwartet, etwas zu finden, sondern sich mit der bloßen Tatsache des Sehens, des Nachdenkens zufriedengibt. Im folgenden Satz verbindet sie diesen unschuldigen Blick mit dem Nichts: „Und vor allem mit Unschuld schauen. Als ob nichts passiert wäre, was wahr ist.“

Zu diesem Blick, der nichts erwartet, müssen wir die Tatsache hinzufügen, dass das, was wir sehen, in der Tat das Nichts ist. Eine schöne Art, die Verwaisung auszudrücken, die den leeren Momenten innewohnt.

Frau mit Vögeln auf dem Kopf

Alejandra Pizarnik konnte die Depression, die sie in lange Gefangenschaft und schmerzhafte Grübeleien stürzte, nie ganz überwinden. Sie wurde mehrmals in psychiatrische Kliniken eingeliefert. Die letzten Verse, die sie kurz vor ihrem Tod schrieb, lauten: „Ich will nicht gehen / nichts mehr / als nach unten.“