Wie wir unsere Identität erschaffen

· 2. Mai 2016

Unserer Essenz eine Identität zu geben erscheint immer komplexer in einer Welt, in der wir von Informationen, Reizen und widersprüchlichen Nachrichten überflutet werden. Damit wir nicht von dieser Vielzahl an Informationen erschlagen werden, verfügen wir über einen Schutzmechanismus, die sogenannte Introjektion, durch die wir automatisch alles aufnehmen, was wir in unserem Umfeld wahrnehmen, ohne dabei persönliche Kriterien zu beachten.

Die Introjektion – die Grundlage unserer Identität

Die Introjektion ist etwas, das wir mehr oder weniger erleben. In gewisser Weise ist sie sogar notwendig, wie wir im Laufe des Artikels sehen werden. Sie wird erst dann zu einem Problem, wenn dieser Mechanismus die Oberhand über uns und unsere Identität gewinnt.

Um uns der Gesellschaft Tag ein Tag aus anzupassen müssen wir ständig Normen, Gesetzen, Verhaltensweisen, Vorstellungen und Meinungen gerecht werden. Seit unserer Kindheit sind wir von all diesen Vorschriften und Regeln umgeben. Auch in unserem familiären Umfeld haben wir die unterschiedlichsten Dinge beigebracht bekommen. Die Stimmen unserer „Lehrer“ hören wir noch heute in unserem Kopf und wir fühlen uns schuldig, wenn wir uns entgegengesetzt dieser Regeln verhalten.

Wir haben hübsch verpackte Befehle verinnerlicht, ohne sie zu werten, sie anzupassen oder sie gemäß unserer eigenen persönlichen Kriterien zu überdenken.

Man sagte uns: „Du musst an etwas Wichtigem arbeiten, um jemand Wertvolles zu sein“, „gehe immer vom Schlechtesten aus und du kannst nicht enttäuscht werden“,  oder, „Männer weinen nicht.“  Diese Befehle sagen uns, was gut und was schlecht ist, und dadurch beeinflussen sie unsere Verhaltensweisen und unsere Identität.

Gesichtslos

Was steckt hinter der Introjektion?

Die Introjektion ist auch ein Mittel, das wir benutzen, um unserem Umfeld zu gefallen. Hier hat sie die Funktion, dass wir uns anpassen, um akzeptiert zu werden. Wenn der Mechanismus der Introjektion unser Leben leitet, ist das für unsere Identität gefährlich. Wir verlieren nach und nach unsere Essenz und unsere eigene und einzigartige Form des Seins.

Wenn wir uns im Wohlgefallen verlieren, auf Biegen und Brechen ein „Gutmensch“ sein wollen, nur noch machen, was andere von uns erwarten, verlieren wir dadurch die Fähigkeit, zwischen unserer eigenen realen Welt (dem, was wir wollen) und dem, was uns andere aufbürden, zu unterscheiden.

Wenn die Introjektion unser Verhalten bestimmt, verinnerlichen wir all das, was andere als gut erachten, und all die Erwartungen, die sie an uns haben. Was sie uns mitteilen, betrifft ihre Bedürfnisse, doch unsere eigenen werden dabei nicht berücksichtigt.

Genau dann machen wir die Gedanken unserer Mitmenschen zu unseren eigenen, ohne zu hinterfragen, was sie uns vermitteln, und wir schlucken sämtliche Befehle einfach herunter, nach denen wir unser Leben richten und das ist dann die Grundlage unseres Schicksals.

Auf diese Weise kann sich unsere eigene Form des Seins und die Essenz unserer Identität nicht entwickeln. Wir verlieren uns selbst aufgrund des Mechanismus der Introjektion, der nur darauf abzielt, die Erwartungshaltung anderer an uns zu befriedigen.

Die Introjektion besitzt jedoch auch einen kreativen Aspekt, der uns dazu bewegt, aus einem Ereignis zu lernen, um unseren Horizont zu erweitern und die positiven Seiten zu erkennen, die wir in unsere Identität mit einfließen lassen wollen.

Frau laeuft am Strand

Wie können wir die Introjektion in ein nützliches Werkzeug verwandeln?

Die Funktion der Anpassungsfähigkeit, die die Introjektion für uns bereithält, ist nützlich, um unser Umfeld zu beachten und andere Vorstellungen und Meinungen anzunehmen und aus Traditionen und Volksweisheiten zu lernen. Um nicht zuzulassen, dass dieser Mechanismus für den Ablauf unseres Lebens verantwortlich ist und unser Schicksal durch das Denken und Handeln der anderen bestimmt wird, müssen wir uns dessen bewusst sein.

Es ist ein wichtiger Schritt in unserem Leben, zu erkennen, unter welchen Umständen, zu welchem Zeitpunkt und in Gegenwart welcher Menschen wir das Gefühl haben, uns automatisch zu verhalten, ohne eine Art Filter, der uns dabei hilft, entsprechend unserer Werte und unserer Identität zu handeln.

Wenn wir uns über das, was uns andere sagen, im Klaren sind, können wir diese Mitteilungen zu einem für uns nützlichen Werkzeug werden lassen und über die Aussagen unserer Mitmenschen nachdenken und den bestmöglichen Nutzen für unseren Lernprozess daraus ziehen.

Sobald wir alles hinterfragen und analysieren, was von außen auf uns einwirkt, bekommen wir die Möglichkeit, gründlicher durchdachte und angemessenere Entscheidungen gemäß unserer Gedanken, Gefühle und Auffassung vom Leben zu treffen.

Wenn wir selbst entscheiden, was wir aus dem machen, was uns andere mitteilen oder vermitteln, wissen wir auch, wie unsere Identität aussehen soll.

Wir sind die Architekten unseres eigenen Lebens und sind für unser Schicksal insoweit selbst verantwortlich, weil wir entscheiden, was wir machen und was wir und im Bezug auf unsere Lebensumstände aus Geschehenem lernen können. Daher ist es unabdingbar, all das, was wir lernen, in Übereinstimmung mit unseren persönlichen Kriterien einzuschätzen und somit unseren Entwicklungsprozess zu fördern und unsere eigene Identität zu erschaffen.