Der Fokus unseres Lebens: Gedanken und Emotionen

28. April 2016 en Emotionen 13 Geteilt

Es ist nicht möglich, die exakte Anzahl unserer Gedanken zu ermitteln. Aber schätzungsweise sind es etwa 70.000 pro Tag und das New Scientist  Magazin hat errechnet, dass wir in unserem gesamten Leben etwa 1080.000.000.000.000 solcher Gedanken haben. Diese Zahl ist größer als die Anzahl von Atomen im gesamten Universum, wenn man all die Neuronen und ihre Verbindungen zueinander hinzuberechnet.

Bei dieser großen Zahl an Gedanken müssen wir lernen, herauszufinden, welche dieser Gedanken, die wir uns in unserem Leben von Tag zu Tag machen, am ehesten der Realität entsprechen. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf jene, die in uns eine konkrete Emotion hervorrufen und die uns dazu bringen, uns auf eine bestimmte Art und Weise zu verhalten.

„Dein ärgster Feind vermag nicht dir mehr zu schaden als deine eigenen, unbedachten Gedanken.“

Buddha

Unsere Gedanken rufen Emotionen hervor

Wenn wir davon ausgehen, dass ein Ereignis gute Resultate hervorbringen wird, empfinden wir automatisch positive Emotionen, die uns motivieren, einen bestimmten Plan in die Tat umzusetzen, mit dem wir etwas erreichen können.

Wenn wir uns allerdings vorstellen, dass es ein katastrophales Ende geben wird, besteht die Möglichkeit, dass wir uns traurig und zu nichts mehr in der Lage fühlen. Auf diese Weise berauben wir uns unserer Motivation, Dinge zu Ende zu bringen oder wir werden uns nach nicht so guten Alternativen umsehen.

Unser Geist hat die Fähigkeit, sich Dinge vorzustellen, zu träumen, zu erschaffen, zu erfinden, zu kommunizieren, zu entdecken und Einfluss auf die Realität zu nehmen. Es ist allerdings auch genau diese Fähigkeit, die uns manchmal ganz schön hinters Licht führen kann.

Schmetterlinge und Augen

Wir selbst sind die Interpreten unserer Emotionen. Das ist einerseits eine wunderbare Fähigkeit, die der Mensch besitzt. Wir müssen auf unsere Gefühle achten, sie willkommen heißen und uns mit ihnen auseinandersetzen, um etwas über uns zu lernen und auf diese Weise auch empathisch mit anderen umgehen zu können. Aber es ist andererseits auch notwendig, dass wir uns vor Augen halten, dass wir diesen Emotionen nicht immer blind vertrauen können. Denn nicht in allen Fällen führen sie uns zu einem folgerichtigen Urteil.

In vielen Fällen spielen unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit eine Rolle. Dann werden in uns Assoziationen geweckt und wir erinnern uns daran, wie wir uns bei einem bestimmten Ereignis aus der Vergangenheit gefühlt haben. Wenn wir uns bei dieser Erfahrung schlecht gefühlt haben, dann projizieren wir dies oftmals auch auf die Zukunft und glauben, dass wir in allen ähnlich gearteten Szenarien auch ähnlich negative Gefühle haben werden.

Wir befinden uns in einem Lernprozess und machen dabei Fehler. Dabei müssen wir uns vor Augen halten, dass das Leben auch noch andere Faktoren bereithält, die das, was passiert, beeinflussen können. Wenn wir dies außer Acht lassen, werden wir uns immer schuldig fühlen oder anderen die Schuld in die Schuhe schieben.

Damit wir eine offene Haltung der Lernbereitschaft entwickeln können, ist es notwendig, dass wir aus unseren Fehlern lernen und anderen unser Unbehagen zwar mitteilen, sie aber nicht ständig für alles schuldig machen können.

Das Denken ist nun einmal etwas, das in deinem Kopf abläuft. Dies können wir uns anhand einer beispielhaften Situation verdeutlichen, in der zwei unterschiedliche Konzepte zur Sprache kommen.

Martha wird sich bald mit einem Freund treffen, mit dem sie viele Jahre lang in einer Beziehung war. Vielleicht hat sie bezüglich des Treffens einige Zweifel und stellt sich schon alle möglichen Szenarien vor, die sich bei diesem Wiedersehen abspielen könnten. Martha hat diesem Mann gegenüber nach all der Zeit aber keine negativen Gefühle mehr wie zum Beispiel Zorn. Sie hat sich wieder von neuem verliebt und möchte die Vergangenheit auf sich beruhen lassen.

Natürlich ist es logisch, dass sie Emotionen hat, die in ihr hochkommen, wenn sie darüber nachdenkt, wie es wohl sein würde, wieder mit diesem Ex-Freund zu sprechen. Aber genau dieser Vorgang, in dem wir uns wieder an das, was einmal war, erinnern, kann dazu führen, dass wir voreingenommen und entweder mit einer positiven oder eben einer negativen Einstellung in die Verabredung hineingehen. Dies entscheidet also letztlich darüber, ob wir dabei gute oder schlechte Gefühle erleben werden.

  • Ich-syntonisch: Verhaltensweisen, Werte und Gefühle, die in einem harmonischen Verhältnis zu uns selbst stehen. Unser Selbst kann sie für sich annehmen, da sie mit unserem Selbstbild und unseren Idealen übereinstimmen.

„Ich würde gern das, woran ich gedacht hatte, in die Tat umsetzen, denn darin befinde ich mich im Einklang mit mir selbst.“

Ich habe mir vorgestellt, wie wir uns an diesem bestimmten Ort nach all den Jahren endlich wiedersehen und dass wir uns darüber so freuen werden, dass wir miteinander ein ausgedehntes Gespräch führen können.

  • Ich-dystonisch: Verhaltensweisen, Werte und Gefühle, die Konfliktpotenzial haben und die weder in Übereinstimmung zu den Bedürfnissen und Zielen meiner Selbst stehen, noch zu meinem Selbstbild passen.

Ich habe mir vorgestellt, wie ich dich verletzen werde, wie ich dir Dinge sage, die dir wehtun und wie ich gar nicht mehr aufhören kann, sie dir an den Kopf zu werfen. Ich bin eine schlechte Person.

„Ich möchte auf keinen Fall das tun, was ich mir in Gedanken vorgestellt habe, denn darin befinde ich mich nicht im Einklang mit mir selbst.“

Gehirn mit Fluegeln

Letztlich ist es entscheidend, Folgendes im Hinterkopf zu behalten:

  1. Sei dir darüber im Klaren, dass dein Geist die Fähigkeit besitzt, sich das Allerbeste vorzustellen, es zu erträumen und es zu erschaffen – ebenso allerdings auch das Allerschlechteste.
  2. Denke immer daran, dass Emotionen zwar notwendig sind, dass sie aber nicht immer dabei helfen, herauszufinden, was wir eigentlich wirklich denken.
  3. Unterscheide zwischen ich-syntonisch und ich-dystonisch. Wir wissen, dass unsere Gedanken nicht die Realität widerspiegeln. Außerdem werden wir nicht zu schlechten Menschen, weil wir negative Gedanken haben. Es bedeutet einfach, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt unser Selbstbild, unsere moralischen Maßstäbe, unsere Gedankengänge und unsere Wertvorstellungen evaluieren können.
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