Die Notwendigkeit, zu gefallen, beraubt uns unserer Essenz

7. Januar 2016 en Psychologie 0 Geteilt

In der heutigen Wettbewerbsgesellschaft existiert eine nie größer gewesene Notwendigkeit, anderen zu gefallen, um zu überleben. Wir müssen uns anpassen, um das zu erreichen, was wir wollen, und sollten es vermeiden, anders oder „unnormal“ zu sein.

Diese Notwendigkeit, zu gefallen, kann sich in jedweder Situation und Umgebung ergeben. Es ist heutzutage normal, sich in sozialen Netzwerken zu präsentieren, mit der Absicht, zu gefallen.

Das beste Beispiel ist Facebook, wo man versucht, eine größtmögliche Anzahl an „Gefällt mir“ zu bekommen. Viele Menschen verwenden viel Zeit ihres Lebens dafür, wahre Peripetien zustande zu bringen, indem sie ihr gesamtes Intimleben öffentlich ausbreiten, nur um ein „Gefällt mir“ zu bekommen.

Die Verführung, um Gefallen zu finden

Auch wenn das Wort Verführung normalerweise in einem sexuellen Kontext verwendet wird, um zu beschreiben, wie man jemanden für sich gewinnt, der uns gefällt, greifen wir ebenfalls zur Verführung, um anderen in allen weiteren Lebensbereichen zu gefallen.

Verführung ist etwas, was wir alle im Verlauf unseres Lebens entwickeln. Von klein auf versuchen wir, zu verführen, um das zu bekommen, was wir wollen.

Verführung ist eine angeborene Fähigkeit, die uns hilft, zu überleben. Das Baby mit seinem Lachen und seiner Niedlichkeit ist bereit zum Verführen, um der Person, die es pflegt, zu gefallen, um mit einer leichten Geste die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und das zu bekommen, was es braucht.

Baby mit Ohrenmmütze

In alltäglichen Situationen, wie zum Beispiel in einem Bewerbungsgespräch, in der Beziehung zu unseren Eltern, Familienmitgliedern, Freunden, dem Partner nutzen wir unser verführerisches Repertoire, indem wir es in zielgerichtetes Verhalten umsetzen; zum Beispiel, indem wir Dinge sagen, die andere hören wollen oder lachen, um uns in diesem Moment von unserer Schokoladenseite zu zeigen.

„Verführung lässt sich definieren als die Gesamtheit von Ausdrucksvermögen und Meinungsäußerung einer Person, ihrer körperlichen Aspekte, ihrer Verhaltensweise, ihres Vermögens und ihrer Wesensart; das Gesamtprodukt ihrer Geschichte und ihres Lebenslaufes, das die Anziehungskraft einer Person ausmacht.“

Fina Sanz

Die Notwendigkeit, zu gefallen, um uns gut zu fühlen

Wenn sich der Wunsch nach Gefallen in eine Notwendigkeit verwandelt, auf eine Art, die uns dazu veranlasst, alles Mögliche zu tun, um allen zu gefallen, verlieren wir uns selbst und unsere Essenz und Aufrichtigkeit.

Wir vergessen komplett, was wir eigentlich wollen, denn um zu gefallen, passen wir uns unter allen Umständen den Vorstellungen der anderen Menschen an. Außerdem erfahren wir, dass es unmöglich ist, allen zu gefallen, weshalb Frust eine Konstante in unserem Leben sein wird.

Schwarze Figur im Strudel

Zu versuchen, allen zu gefallen, bedeutet, aufzuhören, man selbst zu sein, um sich eine Art anzueignen, die anderen passt. Wir hören auf, zu zeigen, wer wir wirklich sind und verlieren so unsere Essenz und das gewisse Etwas, das uns ausmacht.

Dieses gewisse Etwas ist das, was Menschen, die uns so akzeptieren, wie wir sind, an uns gefällt, ohne dass wir dabei falsche Hoffnungen wecken, die uns früher oder später enttarnen werden, woran unsere auf einer Lüge basierenden Beziehungen zu Bruch gehen werden.

„Ich kenne das Erfolgsrezept nicht, aber ich weiß mit Sicherheit, dass das Rezept zum Scheitern beinhaltet, dass man versucht, allen zu genügen.“

Woody Allen

Unser gewisses Etwas, unsere wahre Essenz ist, was uns bereichert und uns anderen Menschen in Aufrichtigkeit und Vertrauen näherbringt, um stabile und zufriedenstellende Beziehungen einzugehen, ohne Beschränkungen, die uns davon abhalten, uns so zu zeigen wie wir sind.

Mädchen vor Sonnenuntergang

Seine Essenz findet man, indem man seine Ecken und Kanten akzeptiert, und indem man seine Tugenden und Potenziale anerkennt.

Wir gefallen mehr und verführen besser, wenn wir uns erlauben, wir selbst zu sein, wenn wir unsere Persönlichkeit wertschätzen, und wenn wir mit der Gewissheit leben, dass wir nicht gefallen müssen, damit es uns gut geht. Das Wesentliche ist es, sich selbst zu gefallen und sich zu lieben.

„Der Mensch darf in seiner Essenz kein Sklave sein, weder seiner selbst noch der anderer, sondern einzig ein Liebhaber. Seine einziges Ziel ist die Liebe.“

Rabindranath Tagore

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