Selbstdarstellung – für dich selbst und nicht für andere

· 6. Januar 2016

„Wenn wir von unseren Wünschen diejenigen abziehen würden, die nicht unsere eigenen sind, wären wir von der geringfügigen Zahl verbliebener Wünsche schockiert. Das lässt sich mit unseren Ängsten wiederholen… auch mit uns selbst.“

In der Welt, in der wir leben, werden wir von einer Bewegung der übertriebenen Selbstdarstellung und einer Verherrlichung des Egos erschlagen.

Alle Leute haben plötzlich ihre eigenen Theorien zu bestimmten Dingen. Jeder einzelne Akt von Gutmütigkeit oder Altriusmus findet sich früher oder später in den sozialen Netzwerken oder irgendeinem Internetportal wieder, so als müssten Gutmütigkeit und eine bürgerliche Verhaltensweise öffentlich anerkannt werden. So als könnte ein solcher Akt nicht im Privaten bleiben, als persönliche Zufriedenstellung, etwas Gutes getan zu haben.

Egoluftballon

Viele Berufssportler, Politiker und Künstler streben immer mehr danach, zu sein, was man unter den Bezeichnungen „charismatisch“, „Follower Generator“, oder „Personen des öffentlichen Lebens“ kennt.

Vor Jahrhunderten, zu Zeiten der alten Griechen und dem Wunsch nach Unsterblichkeit, versuchte man, eine heldenhafte Tat zu begehen, die die Zeit überdauern würde. Damals interessierte man sich allerdings für die Tat selbst und das Ego wurde noch nicht gefüttert, bis man seinen legitimen Wert, das Hervorbringen einer intellektuellen Errungenschaft oder Strategie, nicht mehr erkennen konnte.

Heute geht es allen um öffentliche Anerkennung, Mitteilung der persönlichen Gedanken, Taten oder noch profaneren Dingen des täglichen Lebens  (die tollste Hochzeit, die hingebungsvollste Mutterschaft), und ein Schaufenster an Freunden und Followern, denen man selbst dann nichts Privates anvertrauen könnte, wenn wir alle Zeit der Welt hätten. Wie geht es uns wirklich? Was beschäftigt uns?

Man sagt, dass das Glück nicht echt ist, wenn man es nicht teilt, aber jeden Tag teilt man es mit immer mehr Menschen. Ironischerweise scheint dies dazu zu führen, dass wir immer weniger vom Leben haben und uns immer weiter von Beziehungen von Angesicht zu Angesicht entfernen. Wir genießen immer weniger die Gesellschaft anderer und gute Gespräche, in denen nicht ständig heldenhafte Taten aufgezählt werden, sondern in denen eine warme, intime Atmosphäre entsteht, in der sich Geheimnisse anvertraut werden, die man nur mit gewissen Personen teilen kann.

Zwei Teddybären

Manche Menschen sehen sich erschlagen von all dieser falschen Zurschaustellung des Ansehens, des Egos, und der Verwendung von Wörtern, die andere hören wollen, und entscheiden sich für eine aus der Mode gekommene Kunst: die Bedeutungslosigkeit.

Es ist keine erzwungene Bedeutungslosigkeit. Manche Personen kommen einfach in eine Phase des Lebens, in der es sie müde macht, ständig zu beeindrucken und beeindruckt zu werden, und sie wollen einfach die Wahrheit sagen.

Sie entscheiden sich dafür, sich selbst zu informieren, die kleinen Dinge des Alltags zu kultivieren, die ihnen Zufriedenheit geben, ohne Angst etwas zu verpassen. Sie wollen sich bilden, lesen, Filme schauen, die nicht überall angepriesen werden und ihre eigenen Gewohnheiten pflegen, die voll sind an Güte und Beharrlichkeit.

Lila Blume

Sie kümmern sich darum, zu sein, nicht darum, zu gefallen.

Es sind Menschen, auf die man nicht oft trifft, und wenn wir mit ihnen zusammen sind, müssen wir das Erlebte nicht mit ihnen teilen, denn die Erfahrung mit ihnen ist so intensiv, dass weder Zeit noch Interesse bleiben, es ihnen mitzuteilen. Sie finden unsere Gallerie nicht attraktiv.

Im Gegenteil, mit jedem Mal betrachten sie sie kritischer und misstrauen dem Schein der „Perfektion“, den sie ausstrahlt. Der Genuss der Bedeutungslosigkeit hat sich durch den Schriftsteller Milan Kundera, der wundervolle literarische Werke geschaffen hat, auch bereits in der Literatur manifestiert.

Der Autor appelliert an die Ruhe und an die Leichtigkeit des Seins, auch um mit den komplexesten Problemen fertig zu werden.

Seine Werke zu lesen empfiehlt sich für all diejenigen, die sich von dem Informationsüberfluss erschlagen fühlen, insbesondere von der Masse an Informationen, die keinerlei Relevanz für ihr eigenes Leben haben.

Sie mögen nicht viele sein, aber sie werden Ruhe in ihr Leben bringen, mehr Spaß haben und merken, dass ihre Persönlichkeit nicht viel an Essenz verloren hat, angesichts des Nachdrucks, sich ständig und stetig mit dem Ego anderer zu beschäftigen.

Behalte jedoch ein paar Dinge für dich, denn eventuell wird die Magie dieser Beziehungen von Angesicht zu Angesicht irgendwann vergehen, und dann hast du bereits alles über dich preisgegeben und hast nichts mehr, was du mit anderen teilen kannst.