Die 5 Arten der Demut, die wir praktizieren sollten

Gehörst du zu denen, die glauben, dass Demut die beste menschliche Tugend ist? Wenn ja, wird es dich freuen zu hören, dass es viele Möglichkeiten gibt, diese notwendige, schöne und inspirierende Praxis durchzuführen.
Die 5 Arten der Demut, die wir praktizieren sollten
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 03. November 2022

Was bedeutet es für dich, demütig zu sein? Und: Siehst du eine Notwendigkeit in dieser Haltung? Manche Menschen haben das Gefühl, dass Demut nur eine Bedrohung für ihr Selbst darstellt. In einer wettbewerbsorientierten Gesellschaft, in der es üblich ist, sich selbst an erste Stelle zu setzen, wird Bescheidenheit als eine Form von Schwäche angesehen. Fast so, als würdest du dir damit erlauben, der Fußabtreter zu sein, auf dem alle anderen herumtrampeln und den niemand respektiert. Doch das hat nichts mit Demut zu tun.

Demut ist mehr als nur eine menschliche Tugend: Wir sprechen von einer kognitiven Stärke, die das psychische Wohlbefinden fördert. Denn diese Dimension geht über bloßes Mitfühlen hinaus. Dabei geht es darum, alles Gekünstelte aus unserem Verhalten zu entfernen, um uns auf einfache und authentische Weise zu zeigen. Das ist durchaus eine wunderbare geistige Kunstfertigkeit.

Ein Mensch ist auch dann demütig, wenn er auf bestimmte Denkmuster verzichtet, die zum Beispiel gefährliche Werturteile nähren. Es geht darum, sich von der Trägheit des mentalen Fokus zu befreien, der sich selbst nicht infrage stellt und der – fast schon ohne es zu merken – irrationale Überzeugungen und negative mentale Muster verstärkt.

Es gibt viele Möglichkeiten, Demut zu praktizieren – und sie alle können uns nützen.

“Das Geheimnis von Weisheit, Macht und Wissen ist Demut.”

Ernest Hemingway

Die 5 Arten der Demut, die wir praktizieren sollten
Intellektuelle Bescheidenheit ist eine Dimension, die wir alle in unsere Herangehensweise und unser Verhalten integrieren sollten.

Arten der Demut, die du kennen solltest

Religiöse und spirituelle Traditionen, wie der Buddhismus, betonen, dass Bescheidenheit ein Weg zur Erleuchtung ist. Irgendwie verstehen die Menschen diesen Begriff als eine Form von altruistischem Verhalten, bei dem man sich ständig um das Wohl anderer sorgt. Bescheidenheit bedeutet aber auch, dass man sich um sich selbst kümmert – ohne dass dies gleich zu Egoismus oder Narzissmus führt.

Aus psychologischer Sicht führt Bescheidenheit zu dem, was als emotionale Neutralität bezeichnet wird. Ein Beispiel dafür ist, nicht besser sein zu müssen als andere. Es ist ein Prozess der allmählichen Selbstverbesserung, bei dem der Wettbewerbsreflex ausgeschaltet wird, um stattdessen eher die Selbstreflexion zu aktivieren.

Es ist wie diese Aussage des Psychotherapeuten Fritz Perls : “Ich bin ich und du bist du; ich bin nicht auf dieser Welt, um deine Erwartungen zu erfüllen, und du bist nicht auf dieser Welt, um meine zu erfüllen.” Diese Herangehensweise kann sowohl kathartisch als auch befreiend sein. Und sie kann es uns ermöglichen, die verschiedenen Arten der Demut in die Praxis umzusetzen.

1. Intellektuelle Demut: der Mut zur Offenheit

Intellektuelle Demut bezeichnet die Fähigkeit, die Flexibilität des Wissens zu nutzen, eigene Fehler einzugestehen und sich darüber im Klaren zu sein, dass wir nicht alles wissen. Nur wer offen für neue Ideen ist, kann Weisheit erlangen. Nur wer versteht, dass es keine allgemeingültige Wahrheit gibt, wird in der Lage sein, sich mit anderen zu einigen.

Die Universität Cambridge führte eine Studie durch, in der sie etwas Offensichtliches zu diesem Thema zeigte. Intellektuelle Bescheidenheit ist wichtig, um Voreingenommenheit bei der Bewertung der eigenen Überzeugungen zu vermeiden. Diese Fähigkeit ist nicht nur eine charakterliche Tugend, sie erfordert auch ständige kognitive Anstrengungen, um zu erkennen, dass wir fehlbar sind und uns immer verbessern können.

Denke daran: Wenn du unter all den existierenden Wahrheiten nur an einer einzigen festhältst und sie mit aller Kraft verteidigst, wirst du zum Fanatiker und verteidigst höchstwahrscheinlich eine Unwahrheit. Nur intellektuelle Bescheidenheit und Flexibilität des Wissens schützen uns vor solchen stumpfen Ansätzen.

2. Kulturelle Demut: Deine soziale Identität ist nicht die einzige – und nicht die beste

Unter allen Arten der Demut ist die kulturelle Demut eine der entscheidendsten. Sie definiert unsere Fähigkeit, Vorurteile und Diskriminierung zu vermeiden, indem wir verstehen, dass weder unsere Rasse, Kultur, Identität oder Religion besser ist als eine andere. Kulturelle Bescheidenheit verhindert Rassismus.

3. Generationenübergreifende Demut: Dein Alter macht dich nicht nützlicher oder besser

Es wird oft gesagt, dass die Welt der Jugend gehört. Ob wegen ihrer Stärke, ihrer Schönheit oder ihrer vermeintlichen Fähigkeiten, es wird davon ausgegangen, dass sie allein in fast jedem Bereich gültig sind. Dies führt zu Dynamiken wie Altersdiskriminierung und Erwachsenenzentrierung (Diskriminierung von Kindern und Heranwachsenden).

Mit einer ausgeprägten generationenübergreifender Demut gehen wir davon aus, dass jeder Mensch – unabhängig von seinem Alter – wichtig und wertvoll ist und es verdient, geschätzt und angehört zu werden.

4. Die Demut der Kompetenz: Du kannst nicht alles

Du hast vielleicht außergewöhnliche Fähigkeiten und Talente in mehr als einem Bereich. Das macht dich aber nicht besser als alle anderen. Vielleicht gibt es ja irgendwo da draußen jemanden, der dich an Können und Entschlossenheit übertrifft. Das zwingt uns sicherlich dazu, unseren Stolz zu reduzieren und zu verstehen, dass jemand – auch wenn er ein Experte ist – immer noch ein Lernender auf der Reise des Lebens ist.

Wenn wir bescheiden sind, was unsere Kompetenzen angeht, können wir verstehen, dass wir nicht alles können und dass es immer Dinge gibt, die wir lernen können.

“Demut, so habe ich gelernt, hat nichts mit Sanftmut zu tun. Demut bedeutet, offen für die Ideen anderer zu sein.”

Simon Sinek

Arten der Demut, die wir praktizieren sollten
Demut zeigt sich in der Art, wie wir andere behandeln.

5. Das Bedürfnis, demütig zu staunen

Dies ist eine der Arten von Demut, die am meisten zum Glück beiträgt. Wann warst du das letzte Mal von etwas überrascht? Ehrfurcht ist die Fähigkeit, die Schönheit des Alltäglichen zu erkennen und sich an den außergewöhnlichen Nuancen und Details des Gewöhnlichen zu erfreuen. Nur wenn wir uns an allem Guten um uns herum erfreuen – egal, wie einfach es ist –, erreichen wir wahres Glück.

Nur wer sich durch den Filter der Demut umschaut, staunt über die Wunder, die ihn umgeben. Dazu müssen wir auf das achten, was uns umgibt, ohne an Profit, Interessen oder Wettbewerbseifer zu denken. Es reicht, das zu schätzen, was uns hier und jetzt offensteht, mehr nicht. Warum probierst du es nicht gleich aus?

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