Der Waldtest und sein Platz in der Psychoanalyse

14. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Mann in nebligem Wald

Hindernisse und Ärgernisse, die uns unser Glück nehmen, festgefahrene Ängste, Werte, die unsere Entscheidungen und unser Verhalten bestimmen. Der Waldtest versucht, zugehörige Fragen zu klären und zu interpretieren, basierend auf dem Ansatz, von dem aus er entwickelt wurde: der relationalen Psychoanalyse. Nach dieser Theorie wurzelt unser psychologisches Leiden in grundlegenden Fragen, die wir ans Licht bringen müssen, um unsere Wunden zu heilen und voranzukommen.

Für diejenigen, die noch nichts von diesem relationalen Test gehört haben, wollen wir zunächst angeben, dass er in keiner Weise konventionell ist. Der Waldtest wurde nicht ausreichend validiert, um Teil der klinischen Praxis zu sein. Wir können jedoch davon ausgehen, dass er innerhalb des Kontextes und des theoretischen Rahmens, aus dem er entstanden ist, relevant ist. Er ist zweifellos einige Überlegungen wert.

Der Waldtest ist ein projektiver Test, der die Ängste, Hindernisse und tiefsten Interessen eines jeden Patienten aufdecken kann.

Relationale Psychoanalyse

Die relationale Psychoanalyse ist eine Möglichkeit, eine moderne Form der Psychotherapie durchzuführen, welche die Psychoanalyse, wie wir sie kennen, auf eine höhere Stufe hebt. Ihr Hauptziel ist es, die emotionale Entwicklung des Menschen zu fördern. Dazu muss sie sich mit den Hindernissen und Blockaden auseinandersetzen, die uns einschränken und uns Schmerzen bereiten. In diesem Ansatz, und nur als Beispiel, werden die klassischen Begriffe Es, Ich und Über-Ich beiseite gelassen.

Der relationale Psychotherapeut will seinen Patienten „aufbauen“. In diesem Sinne wird er ihn anleiten, damit er mit seiner Umwelt auf gesündere Weise interagieren und sich auf diese beziehen kann. Er wird ihn trainieren, die Welt furchtlos aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Darüber hinaus wird er ihm helfen, in die dunkleren Bereiche seines Geistes vorzudringen, die er noch nie zuvor betreten hat. Aus diesem Grund ist der Waldtest ein Sprungbrett, um die grundlegenden Eigenschaften des Patienten kennenzulernen.

Pfad durch Laubwald

Was bewertet der Waldtest und woher kommt er?

Der Waldtest zielt darauf ab, anstatt eine Kompetenz oder Fähigkeit zu bewerten, in die Gefühlswelt von Personen zu schauen. In unserem Blog haben wir bereits mehrfach über die so genannten projektiven Tests gesprochen. Ein solches Beispiel ist der Baumtest oder der Familientest. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um psychologische Instrumente, die zur Ergänzung einer Evaluation dienen.

Allein und ausschließlich angewandt können sie niemals eine gültige Form der Bewertung sein. Andere Strategien wie Interviews, Beobachtungen und weitere psychologische Tests mit nachgewiesener Zuverlässigkeit und Validität sind notwendig. Sie alle dienen dazu, eine adäquate Diagnose oder einen Ausgangspunkt für den Beginn der Behandlung zu erreichen.

Im Rahmen der relationalen Psychoanalyse wird dieser Test aus den folgenden Gründen mehr als jeder andere verwendet:

  • Er offenbart den emotionalen Zustand des Patienten.
  • Er lässt uns mögliche ungelöste Kindheitskonflikte und die Last der Vergangenheit in der Gegenwart des Menschen sehen.
  • Wichtige Personen im Leben der Patienten werden erkannt.
  • Er bringt die Ängste des Patienten zum Vorschein.
  • Er zeigt seine persönlichen Wünsche und Erwartungen.
  • Wir können Strategien zur Verbesserung entwickeln.

Der Wald als Werkzeug der Psychoanalyse

Der Wald ist ein Szenario mit einer sehr klaren mystisch-emotionalen Komponente. Carl Gustav Jung selbst erklärte dies in seinem Buch Die Archetypen und das kollektive Unbewusste.  Er zeigte, dass sich in diesen grünen Szenarien verborgene Gefahren und Ängste entdecken lassen. In gewisser Weise bedeutet das Reisen durch den Wald manchmal eine Rückkehr zu jener angestammten Vergangenheit, in der wir den tiefsten Teil unseres Wesens wiederentdecken.

In der Psychoanalyse wird der Wald als Spiegel des Unterbewusstseins betrachtet. Es ist diese symbolische Beziehung, die sich manchmal in unseren Träumen manifestiert, wo viele unserer Phobien entstehen. Dazu gehören die Angst vor der Dunkelheit, vor dem Untergang oder dem Fall in ein Loch, oder die Angst vor Insekten oder wilden Tieren.

„Der klarste Weg, das Universum zu erreichen, ist durch einen wilden Wald.“

John Muir

Mystischer Wald

Wie wird der Waldtest durchgeführt?

Der Waldtest beginnt mit einer Visualisierung. Der Therapeut führt den Patienten in jeder Frage und weist dann auf die Schlussfolgerungen hin, die sich aus seinen Antworten ergeben. Der Test ist einfach. Alles, was nötig ist, ist eine komfortable und sichere Umgebung zu schaffen, damit die Person diese innere Reise auf natürliche Weise durchführen kann.

Der erste Schritt besteht darin, den Patienten einzuladen, einen Wald zu visualisieren. Eine ruhige Umgebung, umgeben von Bäumen, in der der Patient allein geht. Sobald er sich dort sehen kann, stellt der Analytiker die folgenden Fragen:

  • Sind die Bäume sehr spärlich gewachsen? Ist es ein dichter, verwinkelter Wald oder gibt es eine bestimmte Ordnung?
  • Kannst du mit Leichtigkeit gehen oder musst du viele Hindernisse überwinden?
  • Ist es Tag oder Nacht?
  • Ist der Wald gesund oder verbrannt oder stirbt er?
  • Während du weitergehst, findest du einen Schlüssel. Was willst du damit machen?
  • Gehe weiter und du triffst ein Tier. Welches Tier ist es? Bedroht es dich? Hast du Angst, dich ihm zu nähern, um es zu streicheln?
  • Du kommst dann zu einer Hütte. Du klopfst an die Tür und jemand öffnet sie. Wer ist diese Person?
  • Stelle dir vor, du betrittst diese Hütte. Du bist drinnen und alles ist plötzlich verschwunden. Alles ist für ein paar Sekunden leer, weil du an einem anderen Ort ankommst. Sage mir, welches dieser Ort ist. Sage mir, was du siehst und wie du dich fühlst.

Der Waldtest gibt Aufschluss über die Psyche, wie diese Tür, die in einen Baum führt

Fazit

Die Fragen, aus denen sich der Waldtest zusammensetzt, können einer sehr aufschlussreichen inneren Reise Gestalt geben. Wenn der Patient kollaboriert und die Übung effektiv durchführt und sich involviert fühlt, erhält der Analytiker viele nützliche Informationen. Psychologen können anhand der Form und des Zustandes dieses Waldes einen Einblick in seinen emotionalen Zustand bekommen, seine verborgenen Ängste, die wichtigsten Menschen in seinem Leben und für ihn bedeutende Szenarien sehen.

Diese Informationen, wenn sie mit Interviews und anderen Tests kombiniert werden, können für Therapeuten der relationalen Psychoanalyse von großem Nutzen sein.

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