Gibt es ein kollektives Unterbewusstsein?

· 25. Juni 2017

Lasst uns mit einem Beispiel anfangen: Als wir noch klein waren, haben wir gelernt, wie man Fahrrad fährt. Nach einigen Stunden der Übung haben wir dann nicht einmal mehr darüber nachgedacht, wie wir das Gleichgewicht halten und in die Pedale treten, ohne auf den Boden zu fallen. Unser Gehirn und unsere Muskeln hatten diese Informationen bereits gespeichert und die Bewegungen automatisiert.

Experten sprechen vom kollektiven Unterbewusstsein als etwas „dem Menschen Angeborenen“,  einer Art Erfahrungsspeicher, den wir als Spezies besitzen, so etwas wie eine universelle Bibliothek. Das ist ein Konzept, das eine gewisse Schönheit besitzt. Man schlägt vor, dass alle Menschen ein gemeinsames Erbe besitzen, etwas, das in einem Teil unseres Gehirns verweilt. Auch wenn wir uns nicht daran erinnern, ist es einfach da.

Das kollektive Unterbewusstsein und Träume

Es war Carl Gustav Jung, der diesen Ausdruck auf seiner jahrelangen Erfahrung in der Psychiatrie basiert hat. Für ihn gab es in unserem Gehirn, in unserem Geist, sogenannte Archetypen. Dies sind die grundlegenden Dimensionen der Menschheit: Liebe, Angst, Integrität, Sein. Es sind essenzielle Dimensionen, die wir alle spüren und unter denen wir alle gleichermaßen leiden können. Sie sind etwas Angeborenes, das uns unsere Eltern vererbt haben, welche es wiederum von unseren Großeltern mit auf den Weg bekommen haben.

Und die Frage lautet jetzt: Wie erhalten wir Zugang zu ihnen? Wie erinnern wir uns an sie? Genau so, wie sich daran zu erinnern, wie man Fahrrad fährt oder wie man nicht untergeht, wenn man schwimmt. Laut Jung können wir das mit Hilfe unserer Träume erreichen. Folglich konzentrierte sich ein Großteil seiner Forschung auf das Träumen. Denn Träume sind ein Ort, an dem wir Zugang zu dem Unterbewussten finden können, was wir alle teilen.

Gibt es wirklich ein kollektives Unterbewusstsein?

Um die Existenz des kollektiven Unterbewusstseins zu akzeptieren, sollten wir zu glauben beginnen, dass das Leben und das Universum eine lebende Masse sind. Samuel Batler hat beispielsweise gesagt, dass alles Leben ein unterbewusstes Gedächtnis habe und dass sogar Atome dieses besitzen würden.

Entsprechend dieser Idee nehmen wir an, dass wir mit einer Art grundlegendem Gedächtnis, das wir in unseren Genen seit dem Ursprung der menschlichen Spezies mit uns führen, geboren werden. Es ist etwas, was wir von Generation zu Generation weiterentwickelt haben und unterbewusst in uns tragen.

Wir spüren alle die gleichen Impulse: Angst zum Beispiel, aber auch Liebe, Wut, Zorn usw. Es sind sehr starke Emotionen, die in unseren Körper integriert sind, und ein Körper ist etwas, von dem wir alle wissen, wie wir es erkennen. Es gibt Arten von Angst, die wir alle teilen: Angst vor der Dunkelheit, sicherlich ein fundamentaler Überlebensinstinkt, nicht fähig zu sein, sich zu verteidigen…

Laut Jung haben viele Menschen ähnliche Träume; sie erleben Situationen, haben Visionen und machen Erfahrungen, die wir nicht wirklich erklären können, die sich aber in verschiedenen Leuten und Kulturen wiederholen.

Vielleicht ist es nicht mehr, als ein Hirngespinst eines Psychiaters, aber vielleicht stimmt es auch, dass wir alle Zugang zu einer Bibliothek der Weisheit haben. Stimmst du zu?