Die Effekte von Güte auf das Gehirn

· 21. März 2017

Kein Akt von Güte, egal wie klein, ist Zeitverschwendung. Derartige Gesten sind voller Zuneigung, Wertschätzung und wahrer Weisheit. Sie tun dem Gehirn gut und verbinden uns mit anderen auf die vollständigste und edelste Art und Weise.

Es ist interessant, dass uns schon Charles Darwin von der Wichtigkeit der Güte für das menschliche Wesen erzählt hat. Laut ihm ist sie unser stärkster und wertvollster Instinkt. Jener, der Überleben nicht nur für uns als menschliche Spezies, sondern für alle Lebewesen möglich macht. Allerdings wird Güte nicht häufig genug angewendet.

Verweile nicht bei guten Intentionen; pflanze den Samen von Güte in jeder deiner Taten. Denn auch, wenn es andere nicht bemerken, wird dein Geist immer mit deinem Herzen im Einklang sein.

Güte hat einen ganz konkreten Platz im Gehirn. Sie aktiviert die gleichen neuronalen Netzwerke wie Empathie. Während letztere Bedürfnisse identifiziert, übersetzt erstere die Empfindung in spontane und tiefe Handlungen, um Gutes zu fördern und Hilfe und Glück zu bieten.

Dieser außergewöhnliche Mechanismus besitzt ein konkretes Ziel: uns verstehen zu lassen, dass wir viel stärker sind, wenn wir mit anderen verbunden sind, als wenn wir allein sind. Das ist ein interessanter Punkt, den wir uns etwas genauer anschauen wollen.

Wir sind auf Güte programmiert

Jerome Kagan ist ein sehr bekannter emeritierter Professor für Psychologie, der an der Harvard University (Massachussetts, USA) lehrte und der die Idee verteidigt, dass das Gehirn auf Güte programmiert sei. Güte sei eine biologische Neigung, bei der, wie Charles Darwin schon sagte, Liebe, Mitgefühl und Fürsorge ein bestimmtes Ziel im Geist hätten: uns zu erlauben, als Spezies zu überleben. Allerdings hieße das nicht, dass wir diesen Instinkt zur Priorität machten. Denn andere biologische Neigungen seien auch wichtig und hätten unglücklicherweise einen großen Einfluss auf unser Verhalten. Diese schlössen Wut, Eifersucht und natürlich auch Gewalt mit ein.

Daniel Goleman erinnert uns daran, dass eine der intensivsten Emotionen für das Gehirn Mitgefühl sei. Das gesamte limbische System hallte wider, wenn wir es spürten. Auch Mediatoren wie Oxytocin würden ausgeschüttet, welches eine ganze Melodie positiver Emotionen dirigiere. In dieser machten uns Empathie, Gegenseitigkeit und das Verlangen danach, Gutes zu tun,  als Spezies noch edler.

Es ist ein wundervolles Phänomen, das es verdient, praktiziert zu werden.

Für diese Experten für menschliche Emotionen ist Güte ein vererbter Instinkt, der unseren Vorfahren beigebracht hat, dass in feindlichen Umgebungen nicht der überlebt, der am stärksten ist, sondern der, der sich der Unterstützung durch seine Kontakte sicher sein kann.

Emotionen sind ansteckend und unsere Spiegelneuronen erlauben uns, Angst in anderen Personen zu erkennen. So kann beispielsweise ein Risiko vorhergesehen oder verstanden werden, dass Helfen ein Weg ist, um in uns selbst zu investieren, sodass uns in Zukunft auch geholfen wird.

Übe Mitgefühl, um dich um deine mentale Gesundheit zu kümmern

Dacher Keltner, Professor für Psychologie an der University of California, Berkeley (Kalifornien, USA) und Co-Direktor des Greater Good Science Centers, erklärt, dass die Werte, die das Rückgrat von modernen Gesellschaften ausmachten, unsere natürliche Neigung zu Mitgefühl und Güte komplett zerstörten. Geld sei eine Sache, die uns individualisiere, trenne und uns miteinander konkurrieren lasse. Wir verlören unseren Sinn für sozialen Zusammenhalt und das Verlangen danach, das Wohlbefinden unserer Mitmenschen zu garantieren, denn wir würden plötzlich zu Gegnern. So sehr, dass die reichsten Menschen im Durchschnitt diejenigen mit dem wenigsten Mitgefühl seien, wie Keltner in seinem Buch Born to be Good  erklärt.

Mitgefühls-Meditation praktizieren

Es ist allerdings auch interessant, dass Mitgefühl, genauso wie auch Güte, trainiert werden kann. Wenn du dir erst einmal bewusst geworden bist, dass du dich zu sehr von deiner Essenz distanziert hast und dich Egoismus, Materialismus und mangelnder Authentizität in deinen Beziehungen angenähert hast, dann ist es vielleicht an der Zeit, über eine Veränderung nachzudenken.

Laut einer Studie, die im Journal Psychological Science  veröffentlicht wurde, können Erwachsene mit Hilfe von Mitgefühls-Meditation darauf trainiert werden, diese Hirnregionen wieder zu aktivieren, die geschlafen haben oder nicht benutzt wurden.

  • Mitgefühls-Meditation ist eine buddhistische Technik, die auf Visualisierung basiert.
  • Sie involviert, dir persönliche Situationen vorzustellen, in der ein geliebter Mensch eine schwierige Zeit durchmacht.
  • Du musst dieses Leid erfahren, um die emotionalen Hirnstrukturen einzuschalten. So zum Beispiel die Inselrinde, die speziell damit im Zusammenhang steht, Trost und Unterstützung zu fördern.
  • Die Visualisierung beginnt damit, über die Menschen, die dir nahestehen, nachzudenken, aber nach und nach erweiterst du den Kreis, schließt Freunde, Kollegen, Nachbarn und Bekanntschaften mit ein, bis du schließlich zu komplett Fremden übergegangen bist.
  • Die grundlegende Idee ist, dich in die Bedürfnisse, den Schmerz und die Angst der anderen Personen hineinzuversetzen und dich der leidenden Person nahe zu fühlen, wer auch immer sie sein mag.

Diese Art von Meditation, welche gute Atemkontrolle und Kontakt mit deinen tiefsten Emotionen beinhaltet, verbessert laut Wissenschaftlern die Neuroplastizität. Sie gestattet es uns, Stress zu lindern und in das Wohlbefinden von anderen zu investieren – mit einem inneren Reichtum, der dazu fähig ist, die Welt zu verändern.

Denn Güte ist die einzige Investition, die sich immer lohnt.