Bewusstsein bringt Schmerz und ein befreiendes Erwachen mit sich

· 21. November 2016

Bewusstsein ist die Bewegung des Geistes, in der Wille, Verlangen, Emotionen und Gefühle generiert werden. Bewusstsein zu erlangen beinhaltet Schmerz, denn wir müssen uns von Angesicht zu Angesicht betrachten. Wir können uns nicht länger vor Dingen verstecken, die wir nicht sehen wollen oder die wir zurückweisen.

Die Probleme, die wir erfahren, sind nicht von uns getrennt. In Wirklichkeit sind wir selbst das Problem. Probleme existieren, wenn man sich selbst nicht kennt. Sie entstehen aus einem fehlenden Verständnis von unserem unbewussten und bewussten Geist.

Selbsterkenntnis basiert nicht auf irgendeiner Formel. Man kann zu einem Psychologen oder einem Psychoanalytiker gehen, um sich selbst kennenzulernen, aber das ist nicht Selbsterkenntnis; Selbsterkenntnis entsteht, wenn wir uns selbst in einer Beziehung realisieren, und das zeigt, wer wir sind.

Krishnamurti

Das Erwachen des Bewusstseins

Das Erwachen des Bewusstseins ist ein Prozess, in dem wir uns unwohl fühlen werden. Wir müssen Abstand von all unseren vorherigen Ideen und Ansichten nehmen und wir lernen erneut, sodass wir unseren Geist oder unsere Perspektiven und Gedanken erweitern können.

Unser Ego, das von unserem Stolz, all unserem kindischen Verhalten und dem im Erwachsenenalter Erlebten geformt wurde, repräsentiert ein Gefängnis, das wir nur schwer verlassen können. Wir glauben, dass wir frei sind, und denken, dass wir entscheiden, was wir tun wollen, und das jeden Tag. Allerdings sind wir Sklaven unseres fehlenden Bewusstseins und der Klarheit.

Bewusstsein und Klarheit beinhalten zunächst einmal Schmerz, denn wir beseitigen all das, was wir vermieden haben zu sehen. Wir sehen den Schmerz, den wir uns selbst und anderen zugefügt haben, und unsere fehlende Verantwortung, sich mit dem zu befassen, das Folge unserer Einstellung und unserer Gedanken war und ist.

Es gibt keine Bewusstwerdung ohne Schmerzen. Die Menschen werden alles tun, egal wie absurd, um ihrer eigenen Seele nicht ins Angesicht sehen zu müssen. Man findet keine Erleuchtung, indem man sich Lichtfiguren vorstellt, sondern indem man sich der Dunkelheit bewusst wird und stellt.

Carl Gustav Jung

Fenster

Verantwortung dafür übernehmen, wer wir sind

Es gibt keinen Zweifel daran, dass es viel leichter ist, zu ignorieren, wer wir sind. Wir können andere und die Umstände für alles, was in unserem Leben passiert, beschuldigen. Wir müssen dann unsere Einstellung und unsere Gedanken in Bezug darauf, wie wir leben, nicht hinterfragen.

Wenn wir wirklich dazu bereit sind, Verantwortung für unsere Leben zu übernehmen, dann beginnt der Prozess des Bewusstwerdens. Es heißt, unsere Ängste, Schwierigkeiten, Emotionen, unsere Grenzen, wie wir uns selbst empfinden, Vorurteile, Ideen und Verhaltensmuster zu konfrontieren.

Dieser Prozess ist kein theoretischer, sondern erfahrungsbasiert. Wir können uns endlich in unserer Gegenwart einnisten, wenn wir unser Verhalten akzeptieren und integrieren. Wenn wir unsere kindischen Einstellungen hinter uns lassen, die dazu führen, dass wir uns in Situationen, denen wir gegenüberstehen, inkonsistent und unverantwortlich verhalten.

Verantwortlich zu sein heißt, gegenwärtig zu sein, hier zu sein. Und wirklich präsent zu sein heißt, sich bewusst zu sein. Sich bewusst zu sein, wiederum, ist ein Zustand, der unvergleichlich mit der Illusion der Unverantwortlichkeit ist, mit der wir unsere Leben leben.

Claudio Naranjo

Schmetterlingsboot

Sich bewusst zu sein macht uns frei

Dieses Erwachen von Bewusstsein führt zu Schmerz, besonders in der Anfangsphase des Prozesses, denn wir nähern uns allen Aspekten unserer selbst an, sowohl unseren hellen als auch unsere dunklen Seiten. Wir betrachten alle Teile von uns, sodass wir lernen können, uns zu erlauben, die zu sein, die wir wirklich sind, und dass wir uns selbst besser verstehen können.

Es gibt Situationen und Phasen, in denen wir unfähig sind, weiterzugehen und unsere Konflikte zu lösen. Die schwierigen Zeiten, denen wir in unseren Leben gegenüberstehen, sind diejenigen, die uns dazu bringen, den Prozess der Bewusstseinsvertiefung zu beginnen.

Indem wir uns unserer selbst bewusst werden, befreien wir uns von unserer Unterdrückung; von der Schuld, die uns heimsucht und von den toxischen Konflikten in unseren Beziehungen mit anderen und uns selbst. Wir lernen, zu unterscheiden, was von uns abhängt und was unsere Verantwortung ist. Wir verpflichten uns zu unserer Fürsorge und unserem Wohlsein.

Die Freiheit ist der Wille, uns selbst gegenüber verantwortlich zu sein.

Friedrich Nietzsche