Philophobie – die Angst vor der Liebe

· 2. Mai 2017

Es gibt jede Menge Phobien, wie zum Beispiel die Emetophobie oder Angst vor dem Erbrechen, die Phagophobie oder Angst vor dem Essen oder Verschlucken, die Gynophobie oder Angst vor Frauen, oder die Nyctophobie, die Angst vor dem Dunkeln. Aber eine der seltsamsten und am wenigsten bekannten Phobien ist die Philophobie. Die meisten Menschen sehen das Lieben als eine Erfahrung voller Hoffnung, die uns mit Leben und Optimismus erfüllt, aber für Personen, die unter dieser Störung leiden, ist das ganz und gar nicht der Fall.

Bei der Philophobie (aus dem Griechischen philo für Liebe, und phobia für Furcht) handelt es sich um eine Angststörung, die soviel bedeutet wie Angst vor der Liebe. Die genaue Ursache ist zwar unbekannt, aber die Störung scheint in Verbindung mit vergangenen Beziehungen zu stehen, die für die Betroffenen eine extrem schmerzhafte Erfahrung waren. Dabei kann es sich um eine Scheidung oder um eine Trennung handeln, die als traumatisch erlebt wurde. Oder es könnte sein, dass jemand schon so lange alleine lebt, dass er sich daran gewöhnt hat und die neue Situation ihm Angst macht. Vielleicht mangelte es der Person auch an Zuneigung in der Kindheit.

Betroffene selbst beschreiben oft, dass die Konfrontation mit der Liebe sie überwältigt. Sie fühlen eine unbeherrschbare Angst, die sie davon abhält, eine neue Beziehung einzugehen. Die Situation hindert sie am Weiterkommen. Wenn die Person das Gefühl hat, sich zu verlieben, verfällt sie in Panik und weist ihre Gefühle von sich, was die andere Person, mit der sie auf eine Beziehung hinarbeitete, regelmäßig verwirrt.

Das Problem ist, dass von Philophobie betroffene Menschen es nicht vermeiden können, unglaublich nervös zu werden, wenn sie sich der Person gegenübersehen, zu der sie sich hingezogen fühlen: es hängt natürlich vom Individuum ab, aber am häufigsten zeigt sich diese Nervosität in Form von Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Zittern und dem Wunsch, zu fliehen. Der Gedanke an diese Symptome führt wiederum dazu, dass die Person sich nichts mehr wünscht, als sich schnellstmöglich aus dieser Situation zu befreien und sie zukünftig zu vermeiden. Aus diesem Grund lehnen Menschen mit Philophobie eine der schönsten Erfahrung, die man haben kann, ab: sich zu verlieben und Liebe zu erfahren.

Wie verhält sich ein Mensch mit Philophobie auf dem Gebiet der Liebe? Die Betroffenen suchen meist nach Schwächen in der Person, zu der sie sich hingezogen fühlen. Häufig suchen sie nach unmöglicher Liebe oder wählen Personen aus, von denen sie bereits vorher wissen, dass sie von ihnen verlassen werden… und all dies, um sich selbst und andere davon zu überzeugen, dass sie nur deshalb keinen Partner haben, weil sie die richtige Person nicht finden.

Aber gibt es eine Behandlungsmethode für Philophobie? Experten wissen, dass man zunächst einmal erkennen muss, dass man unter Philophobie leidet, und empfehlen, sich der Situation zu stellen, ohne davonzulaufen. Man muss lernen, dass es Teil des Lebens ist, Risiken einzugehen, dass jede Beziehung einzigartig und unersetzbar ist und dass man vielleicht einmalige Erfahrungen verpasst. Man muss verstehen, dass die Folgen meist viel weniger ernst sind, als man sich vorgestellt hat, oder dass es verschiedene Lebensabschnitte gibt und jetzt die Liebe vor der Tür steht, die man ihr öffnen sollte. Man muss sich dessen bewusst werden, dass die Liebe ein ganzes Leben lang halten kann oder auch nicht, aber dass niemand uns den Spaß nehmen kann, den wir gemeinsam hatten, weil diese Person den Schmerz wert ist.

Dies sind die Schlüssel, um mit Philophobie umzugehen. Es ist wichtig, dass wir unsere Verwandten oder Partner über unser Problem informieren, ohne uns dafür zu schämen, und einen Psychologen aufzusuchen, falls wir nicht selbst damit fertig werden.

Das Leben kann man nur genießen, indem man es lebt, und wenn wir immer nur im Wartezimmer sitzen, werden wir nie irgendetwas erleben, ob gut oder schlecht. Wenn wir unsere Philophobie überwinden können, werden wir uns wesentlich besser fühlen, unser Selbstvertrauen wird wachsen und wir werden wahrscheinlich glücklicher werden. Schwierigkeiten und Hindernisse zu überwinden macht uns stärker und mutiger.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von denatalia_maroz