Unsere Worte sind der Spiegel unserer Gefühlswelt

· 27. Mai 2017

Hast du dich schon einmal gefragt, wie wichtig Worte sind? Es gibt sie, um Gegenstände zu beschreiben und die Bedeutung von Situationen zu erklären, damit derjenige, der sie hört, sich von ihnen einen Eindruck verschaffen kann. Mithilfe von Worten kommunizieren wir, drücken uns aus und verständigen uns. Zum Ausdruck zu bringen, was wir fühlen, ist, was uns menschlich macht.

Die Sprache hat also einen sehr großen Einfluss auf die Ergebnisse unserer Projekte und auf den Verlauf unserer Beziehungen. Jemanden dabei zu beobachten, wie er spricht, gibt uns außerdem Aufschluss darüber, was er denkt, was er glaubt und wie er sich verhält.

Laut Angaben des amerikanischen Psychologen James W. Pennebaker, Forscher der University of Texas (Texas, USA), sage der Gebrauch bestimmter Worte verbal und schriftlich viel mehr darüber aus, wie wir sind und in welcher psychischen Verfassung wir uns befinden, als deren Inhalte auf den ersten Blick erkennen lassen. Pennebaker analysierte 20 Jahre lang gesprochene und niedergeschriebene Reden. Seine Schlussfolgerung war, dass funktionale Wörter, wie Pronomen, sehr viel mehr über unseren Gemütszustand, unsere Denkweise und über unsere eigene Person aussagten als irgendein Verb oder Substantiv. Für diesen Forscher sind Pronomen, Präpositionen und Artikel ausschlaggebend, die vielleicht keine offensichtlich große Bedeutung haben, aber dennoch die Hälfte der von uns tagtäglich gebrauchten Worte ausmachen und viel über das aussagen, was für uns wichtig ist.

„Es kann gut sein, dass wir etwas nach einer dreistündigen Diskussion erreichen, aber es steht fest, dass man wichtige Dinge auch mit gerade einmal drei liebevollen Worten erreichen kann.“

Konfuzius

Was Pronomen über uns aussagen

Artikel, Präpositionen, Pronomen sind Worte, die für uns wichtig sind, denn wir glauben, dass sie es sind, die uns dazu dienen, unsere Ideen zu verknüpfen. Doch die Art und Häufigkeit, in der wir sie benutzen, sagt viel über uns aus.

Menschen, die lügen, benutzen fast nie das Pronomen „ich“, ein Merkmal, das hilft, 67 % aller Lügen aufzudecken. Statistiken zeigen dagegen, dass Selbstmörder vor ihrem Freitod in ihren Abschiedsnachrichten die Wörter „ich“, „mein“, „mich“ und „mir“ mehr als doppelt so häufig verwendet und nur wenige Male das Pronomen „wir“ benutzt haben. In einer anderen Studie hat Pennebaker gezeigt, dass die Paare, die am meisten die Wörter „ich“ und „wir“ verwenden, Probleme besser lösen können als Paare, die öfter das Wort „du“ in den Mund nehmen.

„Worte sind wie Röntgenstrahlen, wenn sie angemessen gebraucht werden: Sie gehen durch alles hindurch. Wir lesen sie und sie gehen durch uns hindurch. Das ist eines der Dinge, das ich meinen Schülern versuche beizubringen: ständig zu schreiben.“

Aldous Huxley

Worte definieren uns

Worte definieren uns und helfen uns, mit anderen zu kommunizieren. Sie drücken immer etwas aus, durch sie zeigen wir Wut, Freude, Traurigkeit und letztendlich, wie wir uns fühlen. Angemessen kommunizieren zu können, beinhaltet Aspekte, wie sich zu verstehen geben, andere zu verstehen und besser zu verstehen, was passiert.

Im Allgemeinen können wir sagen, dass Menschen, die versuchen, andere zu hintergehen, für gewöhnlich keine Pronomen und auch keine Worte verwenden, um Gefühle zu beschreiben. Sie ziehen es vor, Substantive und vor allem Verben zu gebrauchen, und das auf eine indirekte Art und Weise und in Konditionalsätzen gesprochen, wie zum Beispiel „ich würde… machen“  oder „ich könnte…“.

Frauen sind weniger direkt als Männer. Wir benutzen weniger Worte, die im Zusammenhang mit der Orientierung und Orten stehen und lieber solche des Denkens, wie „ich denke, dass…“, „ich glaube, dass…“  oder „mir scheint es so, als…“.  Männer hingegen verwenden mehr Artikel, hauptsächlich um ihre Welt zu kategorisieren, indem sie über Gegenstände reden, ihnen einen Namen geben und sie organisieren.

Wenn wir Worte interpretieren, sollten wir nicht vergessen, dass sie zur Hälfte dem gehören, der sie ausspricht, und zur anderen Hälfte dem, der sie hört, auch wenn uns Worte definieren.

„Wer sich ein wenig damit beschäftigt, der weiß, welcher Unterschied zwischen zwei ähnlichen Worten bestehen kann, je nach Orten und Umständen, die sie begleiten.“

Blaise Pascal

Ich fühle eine große Leere…

„Ich fühle eine große Leere.“ – „Ich fühle mich allein,
auch wenn ich Leute um mich habe…
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