Frauen und Männer: Sie möchte sich mitteilen, er will nicht zuhören

13. Oktober 2016 en Psychologie 0 Geteilt

Eines der Hauptprobleme in einer Beziehung ist die fehlende Kommunikation. Das ist nichts Neues, aber in diesem Fall sprechen wir von einer Situation, die dir wahrscheinlich bekannt vorkommt: Die Frau möchte sich mitteilen, doch der Mann möchte dem Gespräch ausweichen.

Hat dieses Problem mit dem Geschlecht zu tun? Wieso passiert das immer wieder? Wer hat uns in diese Rolle der Rednerin oder des Flüchtenden gezwängt? Natürlich sind Frauen und Männer unterschiedlich, aber sie haben auch vieles gemeinsam. Und genau das sollten wir in einer Beziehung auch stärken.

Frauen reden, Männer schweigen

Wenn wir verschiedene Paare einmal näher betrachten, fällt uns auf, dass Frauen die verbale Kommunikation wichtiger ist als Männern. Wenn beide Partner in einer Partnerschaft feststellen, dass sie ein Problem haben, erkennen sie auch, dass es schwierig ist, eine Lösung dafür zu finden, wenn nicht darüber gesprochen wird. Es scheint so, als würden Männer mehr dazu neigen, zu handeln oder einfach geduldig abzuwarten, bis sich die dicke Gewitterwolke wieder verzieht.

Was ist also richtig und was ist falsch? Weder das eine noch das andere. Es sind zwei verschiedene Geschlechter und das sollten wir so akzeptieren. Männern fällt es in der Regel schwerer, zu sagen, was sie fühlen, über ihre Probleme und sogar gute Neuigkeiten zu sprechen. Viele Männer sind der Meinung, dass sie sich einer Gefahr aussetzen würden, wenn sie ihren Mund aufmachen. Sie haben im Allgemeinen das Gefühl, dass sie auf diesem Gebiet nicht so erfahren sind, und fürchten sich davor, sich auf dünnes Eis zu begeben.

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Frauen wiederum fühlen sich sicher dabei, wenn sie ihre Gefühle in einem Gespräch zum Ausdruck bringen. Sie denken, dass das der Ausgangspunkt für fast alles ist. Sie benutzen Wörter, um etwas zu erzählen, aber auch um ihre Bedürfnisse zu formulieren oder ihre Gefühle auszudrücken.

Reden, um sich auszusprechen – sich zurückziehen, um nachzudenken

Hier ein einfaches Beispiel: Ines und Georg sind ein Paar. Beide arbeiten außerhalb des Hauses und am Arbeitsplatz läuft es bei beiden nicht gut. Beide müssen sich durch den grauenvollen Verkehr in der Innenstadt schlagen, müssen sich mit dem Chef auseinandersetzen, ihre Gedanken kreisen um das Einkommen, das immer geringer wird, usw.

Wenn sie nach Hause kommen, setzt sich Georg aufs Sofa, um sich mit einem Fußballspiel im Fernsehen abzulenken. Doch Ines will über das, was ihr passiert ist, reden. Er entscheidet sich dafür, die Probleme mit sich selbst auszumachen, sie hingegen möchte sich mit ihm darüber austauschen.

Der amerikanische Psychologe John Gray sagt in seinem Buch Männer kommen vom Mars, Frauen von der Venus,  dass der große Unterschied zwischen Frauen und Männern darin bestehe, dass Männer ihre Probleme für sich behalten und sich auf andere Sachen konzentrieren. Man könnte demnach sagen, dass sie sich in ihr Schneckenhaus zurückziehen und sich von der Außenwelt abschotten. Es fällt ihnen nicht gerade leicht, um einen Ratschlag zu bitten oder Aufgaben auf andere zu übertragen.

Frauen geben ihre Gefühle preis und für Männer kann das bedrückend sein. Das weibliche Geschlecht erleichtert sich dadurch, dass es redet, auch wenn das Ziel dabei nicht immer ist, Lösungen zu finden oder sich Lösungsansätze und Meinungen anderer anzuhören.

Frauen und Männer gehen Probleme also unterschiedlich an. Vielleicht ist der Grund dafür, dass Männer ihren Stolz bewahren und sich nicht verletzlich zeigen wollen und es Frauen erlaubt ist, „zu weinen“ oder ihre Gefühle zu zeigen.

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Männer und Frauen müssen Verständnis füreinander haben

Mal abgesehen von den biologischen, sozialen oder evolutionsbedingten Unterschieden steht eines auf jeden Fall fest: Wir können nicht jedes Mal einfach die Arme verschränken, wenn wir eine Lösung für ein Problem brauchen oder über ein bestimmtes Thema reden müssen.

Beginnen wir doch mit einer Lektion für die Frauen: Es ist wichtig, zu verstehen, wieso sich der Partner zurückzieht und sich in seinem Schneckenhaus sicher fühlt, aus dem er vielleicht nicht mehr so schnell herauskommen möchte. Dieser intime und unantastbare Ort, zu dem niemand Zugang hat, ermöglicht es ihm, über eine Situation nachzudenken und Entscheidungen zu treffen, wenn es wieder einmal stürmisch zugeht.

Wenn du dir Zugang verschaffen möchtest, sogar wenn du darum bittest, kann es sehr gut sein, dass du an diesem Ort nicht willkommen bist. Besser ist es, abzuwarten, bis dein Partner sich dazu entschließt, aus seinem Versteck herauszukommen. Wenn sich beide Partner beruhigt haben, können sie am besten eine Lösung für ihr Problem finden.

Jetzt eine Lektion für die Männer: Wenn dich deine Partnerin fragt, was dir passiert ist, solltest du versuchen, bei ihr zu bleiben, anstatt zu flüchten, damit sich die Wogen glätten können. Frauen brauchen es einfach, sich mithilfe von Worten, Gestik und sogar durch Tränen und Lachen auszudrücken, um dir mitzuteilen, was sie erlebt haben. Außerdem möchten sie spüren, dass sie von ihrem Partner, mit dem sie ihr Leben verbringen wollen, unterstützt werden und dass er ihnen zuhört.

Wie schaffen wir es also, ein Gleichgewicht zwischen den Verhaltensweisen beider Geschlechter zu finden? Genau das ist der Knackpunkt, wie der Volksmund so schön sagt. Wie wäre es denn damit, wenn sich der Mann sich auf dem Weg nach Hause im Bus in seine Höhle verkriecht und alles noch einmal Revue passieren lässt und die Frau mit einer Freundin über jedes Detail eines Vorfalls spricht? Auf diese Art und Weise können sich beide abreagieren und ganz entspannt zu Hause ankommen.

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Das wäre doch ein guter Mittelweg, um mit Konfliktsituationen umzugehen. Wir können den anderen nicht dazu zwingen, zu sprechen oder zu schweigen. Aber wenn sich beide Partner bemühen, dass die dadurch entstandene Kluft zwischen ihnen nicht noch größer wird, dann finden sie dadurch vielleicht wieder zusammen.

Vor allen Dingen bekommen wir dadurch die Möglichkeit, Streitigkeiten, die uns so sehr verletzen und die Beziehung gefährden, zu vermeiden. In die Schuhe des anderen zu schlüpfen und ihn zu verstehen, ist der erste Schritt, um Konflikten aus dem Weg zu gehen und das Leben gemeinsam zu genießen.

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auch positiv sein, das hängt ganz von dir ab

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