Der Mythos von Medea, einer verliebten Zauberin

15 Oktober, 2020
Der Mythos von Medea gehört zu den schönsten der Antike. Er erzählt von einer Zauberin, die aus Liebe oder Trotz ihr Schicksal im Leben immer wieder aufs Neue riskiert und herausgefordert hat. Sie ist der Innbegriff einer unabhängigen und ziemlich skrupellosen Frau.

Der Mythos von Medea erzählt über den Hexen-Archetyp; Medea ist eine autonome Frau, die von ihrer großen Leidenschaft beherrscht wird und über eine ausgeprägte Entscheidungskraft verfügt. Als sie das erste Mal erschien, repräsentierte sie genau das Gegenteil dessen, wie eine Frau sein sollte. Möglicherweise erregte die Geschichte genau aus diesem Grund großes Interesse und beeinflusste zahlreiche Autoren.

Laut dem Mythos von Medea war sie die Enkeltochter von Helios, dem Gott der Sonne. Außerdem war sie die Tochter von Aietes, dem König von Kolchis, jenem Ort, an dem sich das sagenumwobene Goldene Flies befand. Dies war ein geflügelter Widder, dessen Fell aus goldener Wolle bestand. Medeas Mutter war die Nymphe Ideia, Tochter des Ozeans.

Die Geschichte erzählt, dass diese Zauberin die Kunst der Hexerei von ihrer Tante Circe erlernt hat. Sie verfügte über große Kräfte und hatte jenes Wissen über magische Zaubertränke, das es ihr erlaubte, ihre Feinde in Tiere zu verwandeln. Darüber hinaus konnte sie dank ihres Wissens über Kräuter und Medizin auch Krankheiten heilen.

Mythos von Medea - Tisch einer Zauberin

Der Mythos von Medea: Eine verliebte Frau

Der Mythos von Medea wurde mit der Ankunft Jasons und der Argonauten in Kolchis, dem Königreich des Vaters der Hexe, in welchem sie nach dem Goldenen Vlies suchen wollten, zum Leben erweckt. Die Göttinnen Hera und Athene schützten die Reisenden und baten die Göttin Aphrodite darum, ihnen bei ihrer Aufgabe zu helfen. Insbesondere forderten sie, dass sich Medea, die Tochter des Königs, in Jason verlieben und ihn bei der Erreichung seiner Ziele unterstützen solle.

Aphrodite musste erst ihren Sohn Eros dazu überreden, diese Angelegenheit zu erledigen. Er zögerte, aber seine Mutter versprach ihm ein Geschenk. Daraufhin stimmte er zu und schoss einen seiner Pfeile direkt in das Herz der Zauberin. Natürlich verliebte sie sich daraufhin unsterblich in Jason und hatte keinerlei Bedenken, ihm bei der Erfüllung seiner Mission behilflich zu sein.

Der König von Kolchis versprach Jason, er würde ihm das Golden Vlies übergeben, vorausgesetzt, dieser würde einige Aufgaben bewältigen. Die erste bestand darin, ein Feld zu pflügen, auf dem sich Ochsen befanden, die aus ihren Mäulern Flammen atmeten. Kurz danach, dank der Hilfe der schützenden Göttinnen, trafen sich Jason und Medea am Heiligtum der Hekate, welches tief im Wald lag. Dort bat der Held Medea um Hilfe. Außerdem versprach er ihr, sie zu heiraten und sie mit in seine Heimat nach Griechenland zu nehmen.

Medeas Hilfe

Der Mythos von Medea erzählt uns, dass die Zauberin dem Jason einen Zaubertrank gab, der ihn unverwundbar machte, sodass er die Flammen der Ochsen unbeschadet überstehen konnte. Außerdem half sie ihm dabei, einige Soldaten zu besiegen, die aus dem Nichts erschienen waren. Darüber hinaus versetzte sie den Drachen, der das Goldene Vlies bewachte, in tiefen Schlaf. Daher war der Held dazu in der Lage, alle ihm gestellten Aufgaben zu erfüllen.

Später floh das Paar auf dem berühmten Schiff Argo. Um zu verhindern, dass ihr Vater sie verfolgen würde, tötete Medea ihren jüngeren Bruder Absyrtus, welcher ebenfalls auf dem Schiff war. Sie zerschnitt seinen Körper in mehrere Teile und warf diese Körperteile ins Meer, sodass ihr Vater einige Zeit damit verbrachte, nach dem Körper zu suchen. So stoppte sie die Verfolgung.

Auf diese Weise erreichten sie schließlich Jolkos, Jasons Heimat. Die Menschen dort empfingen sie mit zahlreichen Festlichkeiten. Der Mythos von Medea erzählt, dass das Paar geheiratet hat. Außerdem hat sich die Zauberin dazu entschieden, Jasons Vater zu verjüngen. Sie tat dies aus Dankbarkeit, weil er seine Versprechen gehalten hatte. Die Töchter des Pelias, dem Bruder von Jasons Vater, der von ihm vom Thron gestoßen worden war, wollten, dass die Zauberin auch ihren Vater verjüngte.

Mythos von Medea - Statue der Medea

Ein tragisches Ende

Medea überlistete die Frauen und statt ihnen den Wunsch zu gewähren, ihren Vater Pelias zu verjüngen, tötete sie ihn. Daraufhin wurde das Paar nach Korinth verbannt, wo sie von König Kreon herzlich empfangen wurden. Medea und Jason lebten dort für viele Jahre sehr glücklich und hatten zwei gemeinsame Kinder. Allerdings verliebte sich Jason dann in Glauce, die Tochter des Königs und begann darüber nachzudenken, wie er seine Frau loswerden konnte.

Die Zauberin gab vor, die Verlobung von Jason und Glauce zu akzeptieren und übergab der Prinzessin ein Kleid. Der Mythos von Medea erzählt, dass das Kleid in Flammen aufging, als die junge Frau es anzog. Daraufhin breitete sich dieses Feuer auf den König und seinen gesamten Palast aus. Später tötete die Hexe auch ihre Kinder und floh nach Athen, wo sie von König Aigeus empfangen wurde. Anschließend heiratete sie ihn und hatte mit ihm einen Sohn namens Medus.

Jahre später intrigierte Medea und sorgte dafür, dass Theseus, der Sohn von Aigeus, nicht den Thron besteigen konnte. Ihr Plan war, dass Medus an seine Stelle treten würde. Allerdings fand dies der König heraus und sie musste in einer magischen Wolke fliehen. So kehrte sie schließlich nach Kolchis zurück, wo die Menschen ihr verziehen. Der Mythos von Medea besagt, dass diese Zauberin unsterblich ist und noch immer die Elysischen Gefilde bewohnt.

García Gual, C. (1971). El argonauta Jasón y Medea. Análisis de un mito y su tradición literaria. Habis, 2, 85-107.