Das Glück, wie Bertrand Russell es sieht

· 18. Dezember 2017

Bertrand Russell war ein englischer Philosoph, Mathematiker und Autor, der im Jahr 1950 den Nobelpreis für Literatur gewonnen hat. Auf den ersten Blick erscheint er vielleicht nicht als die Person, die das Geheimnis für das Glück kennt. Tatsächlich war der Großteil seines Lebens von abwechselnden Phasen von Mangel und Überfluss geprägt. Aber vielleicht ist das gerade der Grund, warum er in der Lage war, seinem Leben eine neue Richtung zu geben und zu lernen, wie man glücklich ist. Dieser kontroverse Denker musste die schlimme Erfahrung machen, seine Eltern im Alter von nur 6 Jahren zu verlieren. Danach lebte er mit seinen sehr strengen Großeltern. Schon seit seiner frühen Kindheit an hatte er das Gefühl, dass das Leben fast unerträglich war. Er gab später zu, dass er mehr als nur einmal über Selbstmord nachgedacht hatte.

„Der weise Mann denkt über seine Schwierigkeiten nur dann nach, wenn dies für irgendeinen Zweck dient; die andere Zeit über denkt er an andere Dinge.“
Bertrand Russell

Jedoch fand Bertrand Russell für sich heraus, dass ihn der Wissenserwerb auf einen Weg zur Erfüllung hin führte. Die Philosophie und die Logik machten es ihm möglich, sich tiefer mit seinen eigenen Erfahrungen auseinander zu setzen. Sie halfen ihm dabei, sich als ein Teil eines größeren Ganzen zu fühlen, seinen Geist empor zu heben und sein Leiden zu überwinden. Wenn man nach diesem besonderen Philosophen geht, ist dies Teil der Hypothese, wie man glücklich sein kann.

Das Glück kommt dadurch, dass man nach außen schaut

Bertrand Russell glaubte, dass es nur zu Traurigkeit und Langeweile führt, wenn man sich selbst verschließt. Wenn wir uns nur auf dass konzentrieren, was in unserem Leben fehlt, auf unsere Probleme, Versagen und Ängste, dann verlieren wir den Enthusiasmus für das Leben. Was diesen Aspekt angeht, stimmt er mit östlichen Philosophen und der  Psychoanalyse nach Jacques Lacan überein. Diese beiden Denkschulen glauben, dass das „Ich“ eine Quelle des Leidens und der Krankheit ist.

Das Glück nach Bertrand Russell

Wenn wir wiederum unsere Aufmerksamkeit nach außen richten, dann wird das Leben einfacher. Die externen Aspekte des Lebens bestehen aus vielen verschiedenen Wirklichkeiten. Wissen, andere Menschen, Arbeit, Hobbies etc. Alle diese Dinge machen das Leben interessanter und vollständiger.

Bertrand Russell stellte fest, das ein großzügiger Geist Vergnügen und Freude bringt. Und diese sind wiederum Quellen der Energie und der Motivation. Sie geben einem auch Stärke, wenn es an die Zeit kommt, seine eigenen Probleme zu lösen.

„Wenn meine Zeit kommt zu sterben, werde ich mich nicht fühlen, als ob ich umsonst gelebt hätte. Ich habe rote Sonnenuntergänge gesehen, den Morgentau, und wie der Schnee im Licht der universellen Sonne scheint. Ich werde den Regen nach der Dürre gerochen haben und gehört haben, wie der stürmische Atlantik gegen die Granitküste von Cornwall gekracht ist.“
Bertran Russell

Wie man einen großzügigen Geist kultiviert

Ein großzügiger Geist kommt nicht einfach irgendwie aus dem Nichts. Es ist notwendig, dass man ihn kultiviert. Nach Bertrand Russell hilft es, die Türen zum Glück zu öffnen, wenn man sich mit alltäglichen Aktivitäten beschäftigt hält. Es bedeutet jedoch nicht, dass man der Introspektion und Selbstreflektion den Rücken zukehrt. Das würde in einem oberflächlichen Leben enden. Es geht vielmehr darum, dass man das Gleichgewicht findet und einen Platz findet, der in der Mitte zwischen diesen beiden Extremen liegt.

Eine Sonnenblume

In diesem Sinn ist es auch wichtig, den richtigen Moment und den richtigen Weg zu wählen. Es gibt die Zeit, in der man über sich selbst nachdenkt und die Zeit, in der man seine Gedanken nach außen richten sollte. Denke über deine eigenen Probleme nach, wenn es Sinn macht, dieses zu tun, und den Rest der Zeit kannst du deine Aufmerksamkeit auf die Welt nach außen richten.

Was Bertrand Russell vorschlägt, ist, dass man einen organisierten Geist kultiviert. Wenn uns dies gelingt, wird unser Gemüt immer klarer sein und sich auf die Gegenwart konzentrieren. Wenn wir über uns selbst nachdenken, dann sollten wir dies rational tun und mit der größtmöglichen Konzentration. Wir müssen auch in der Lage sein, unsere eigene Vernunft zu hinterfragen, um herauszufinden, ob sie stichhaltig ist oder nicht.

„Niemand sollte von sich selbst glauben, dass er perfekt ist, aber auch nicht sich zu viele Sorgen machen, wenn er es nicht ist.“
Bertrand Russell

Zwei Tugenden, die man kultivieren sollte

Das Leben von Bertrand Russell zeigt uns etwas, was er später selbst behauptet hat: Glück ist eine Eroberung. Es stellt sich weder von selbst ein, noch kommt es von außen. Die Fähigkeit, glücklich zu sein ist genau das: eine Fähigkeit. Wir müssen an ihr arbeiten und sie kultivieren, damit wir sie erlangen. Aus diesem Grund gibt es zwei Tugenden, die in diesem Prozess von großer Wichtigkeit sind: das Bemühen und die Resignation.

Ein Mann blickt auf eine Stadt

Das Bemühen ist der Wille, seine Energie auf die Arbeit auszurichten, die notwendig ist, um etwas zu erreichen, was man haben möchte. Man braucht dafür harte Arbeit und Ausdauer. Nichts, das etwas wert ist, wird von einem Tag zum nächsten erreicht. Das selbe trifft darauf zu, wenn man glücklich sein möchte. Aus diesem Grund ist es wichtig, diese Eigenschaft zu kultivieren, die es einem ermöglicht, seine Bemühungen darauf auszurichten, dass man seine Ziele erreicht.

Die andere grundlegende Tugend für das Glück, wenn man nach Russell geht, ist die Resignation. Es ist vielleicht präziser, wenn man hierfür den Begriff „Akzeptanz“ verwendet. Das Leben konfrontiert uns mit Situationen, die man nicht vermeiden kann und die man auch unmöglich lösen kann. Einige Beispiele hierfür sind der Tod, unheilbare Krankheiten oder Verlust. Wir können diese Dinge nicht ungeschehen machen. Was wir jedoch tun können, ist unsere Fähigkeit zu stärken, um diese Tatsachen zu akzeptieren. Wir sollten nicht die Zeit damit verschwenden, dass wir sie zu lösen versuchen und es auch nicht zulassen, dass sie uns stören. Statt dessen sollten wir sie in unsere Lebensgeschichte auf eine Weise einbeziehen, die uns gut tut.

Bertrand Russell war einer der genialsten Männer seiner Zeit, und seine Ideen haben auch heute noch ihre Gültigkeit. Er schaffte es, sich von einem Waisen, der traurig und verloren in der Welt war, zu einem der wichtigsten Intellektuellen der Welt zu entwickeln. Sein eigenes Leben und seine Errungenschaften untermauern das Gewicht seiner Worte.