Die Weichen für unser Durchsetzungsvermögen werden in der Kindheit gestellt

3. Juni 2017 en Psychologie 317 Geteilt

Der Terminus „Durchsetzungsvermögen“ beschreibt die Fähigkeit, unsere Rechte auf eine angemessene Weise zu verteidigen und dabei andere stets zu respektieren. Nein sagen zu können, ist beispielsweise ein eindeutiges Beispiel dafür, ein gesundes Durchsetzungsvermögen zu besitzen. Doch was passiert, wenn wir uns nicht so durchsetzen können, wie wir wollen? Wo liegt das Problem?

Die Antwort finden wir in einer der wichtigsten Phasen unseres Lebens: in der Kindheit. Wenn uns unsere Eltern von klein auf emotional nur unzureichend vorbereitet haben, so haben wir später wahrscheinlich Schwierigkeiten damit, uns durchzusetzen, für unsere Rechte einzustehen und sie ausreichend zu verteidigen, damit sie niemand verletzt.

Das Durchsetzungsvermögen hilft dabei, die Geduld zu bewahren und ein wesentlich ausgeglicheneres und entspannteres Leben zu führen.

Emotionale Nachlässigkeit in der Kindheit

Was verstehen wir unter emotionaler Nachlässigkeit? Es ist die Tatsache, den emotionalen Bedürfnissen, die jedes Kind hat, nicht nachzukommen. Ein Beispiel hierfür ist, dass wir sicherlich schon öfter einmal gedacht haben, dass es eigentlich eine Lappalie ist, dass ein Kind weint, weil es sein Spielzeug verloren hat, und wir dann über es lachen. Das hat zur Folge, dass das Kind beim nächsten Mal seine Gefühle versteckt – aus Angst, erneut ausgelacht zu werden.

Sätze, wie „das ist doch nicht so schlimm“  oder „du weinst wegen nichts und wieder nichts“  prägen Kinder für immer, ohne dass Erwachsene sich darüber im Klaren sind, welche verheerenden Auswirkungen das auf die emotionale Entwicklung eines Kindes hat. Unsere Kleinen denken daraufhin, dass ihre Reaktionen nicht angemessen seien, und sie lernen, sie für sich zu behalten und zu unterdrücken. Aber das ist noch längst nicht alles. Es gibt weitaus schwerwiegendere Konsequenzen, die erst Gestalt annehmen, wenn Kinder erwachsen werden.

Eine dieser Konsequenzen ist es, dass diese Menschen, aus denen bereits Erwachsene geworden sind, ihre Gefühle und Emotionen nicht identifizieren können, und was noch schlimmer ist, sie werden deshalb auch nicht dazu in der Lage sein, sie angemessen zum Ausdruck zu bringen. Daraus ergibt sich, dass sie eine von zwei sehr extremen Haltungen gegenüber anderen einnehmen. Sie entscheiden sich entweder dafür, zuzulassen, dass sie andere Menschen niedermachen, oder sie legen eine außergewöhnliche Aggressivität an den Tag.

„Ich war nie dazu in der Lage, meine Gefühle oder Emotionen in Worten auszudrücken. Ich weiß nicht, ob das der Grund dafür ist, dass ich das dann mithilfe der Musik und der Malerei versuchte.“

Arnold Schönberg

Doch eine der schlimmsten Konsequenzen emotionaler Nachlässigkeit seitens der Eltern ist wahrscheinlich das geringe Selbstwertgefühl des Kindes. Betroffene Kinder glauben bis ins Erwachsenenalter, dass sie es nicht wert seien, geliebt zu werden, weshalb sie nur wenige zufriedenstellende Beziehungen erleben werden, in denen sie sich niemals wertgeschätzt, sondern stets unglücklich fühlen und sehr unter dem Gedanken leiden, dass sie jederzeit verlassen werden könnten.

Die Grundpfeiler eines gesunden Durchsetzungsvermögens

Um zu vermeiden, dass Kinder lernen, sich wegen dem schuldig zu fühlen, was sie sind und fühlen, und dass sie nicht auf ihren Instinkt vertrauen, ist es wichtig, herauszufinden, was die Strategien sind, mit denen sie ein gesundes Durchsetzungsvermögen entwickeln können. Eltern sollten diesem so wichtigen Teil der Erziehung ihrer Kinder viel Aufmerksamkeit schenken und ihn nicht als unwichtig abtun.

Einer der Grundpfeiler, um ein gesundes Durchsetzungsvermögen zu entwickeln, ist, anzuerkennen, was Kinder fühlen und welche Meinung sie haben. Wir sollten es nicht als „Lappalie“ abstempeln, wenn sie weinen, weil sie einen Streit mit ihrem besten Freund haben. Es ist wichtig, zuzuhören, zu verstehen und uns niemals über ihre Gefühle lustig zu machen. Auch wenn es für uns nichtig ist, ist es das keinesfalls für sie.

Der zweite Grundpfeiler ist es, Kindern beizubringen, das anzuerkennen, was sie fühlen, es auszudrücken und verstehen zu lernen, um besser mit dem Gefühl umzugehen. Falls das nicht getan wird, wird das Kind in absehbarer Zeit ernsthafte Probleme damit haben, seine Gefühle zu identifizieren und zu begreifen.

Der dritte Grundpfeiler ist die Kommunikation mit unseren Kindern. In diesem Kontext sollten wir die richtigen Fragen stellen, damit sie an Selbstsicherheit gewinnen. Einige dieser Fragen können sein: „Was denkst du gerade?“, „Wie fühlst du dich?“, „Was brauchst du?“,  oder, „Was möchtest du sagen?“

Die emotionalen Bedürfnisse unserer Kinder zu befriedigen, wird sie dabei unterstützen, herauszufinden, was sie fühlen und was sie brauchen. Wir sollten es ihnen ermöglichen, zu verstehen, dass ihre Gefühle und Bedürfnisse wichtig sind, dass niemand das Recht hat, sie respektlos zu behandeln, und dass sie frei ausdrücken können, was sie empfinden, denn sie verdienen es, dass sie von anderen respektiert werden.

Wenn sie all das nicht von klein auf lernen, weil es ihnen ihre Eltern nicht beibringen, werden sie im Erwachsenenalter wohl Probleme mit ihrer Selbstsicherheit und ihrem Selbstwertgefühl haben. Sie werden glauben, dass sie es nicht verdienen würden, von anderen gut behandelt oder geliebt zu werden, und das kann zu immer wiederkehrenden selbstzerstörerischen und sich selbst sabotierenden Verhaltensweisen führen.

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