Es gibt mehr hyperpassive Eltern als hyperaktive Kinder

13. Februar 2017 en Psychologie 2669 Geteilt

Der Begriff „Hyperaktivität” ist zu einem oft verwendeten Wort geworden. Viele Eltern denken, dass ihre Kindern unter dieser Störung leiden und sie hyperaktive Kinder haben. Ich respektiere sowohl die Verteidiger als auch die Verleumder der Existenz dieser Störung, doch es scheint so, als würde es nicht genügend Kinder geben, die diese Krankheit haben, um die Vielzahl an Diagnosen zu rechtfertigen. Wir sprechen also von einer Störung, die zu häufig ohne entsprechende Basis diagnostiziert wird.

Es gibt viele, zu viele Eltern, die einen Psychologen, Kinderpsychiater oder Neurologen aufsuchen, um eine Bestätigung ihres Verdachts zu bekommen. Ihren Verdacht darauf, dass ihr Kind hyperaktiv ist. Oftmals wird dieser Verdacht nicht bestätigt und Eltern verlassen eine der besagten Praxen noch frustrierter, als sie sie betreten haben. Dann suchen sie die nächste Praxis auf, bis sie die Bestätigung schließlich doch erhalten. Und andere Male wird eine Hyperaktivität tatsächlich diagnostiziert, aber diese Diagnose steht auf einem schwachen Fundament.

Bei einem ersten Termin wird nach der Analyse der Verhaltensprobleme des Kindes dieses und die Familiendynamik bewertet. Falls notwendig, wird eine Familientherapie vorgeschlagen, um die Familiendynamik und die Verhaltensweisen des Kindes zu verbessern.

Hyperaktive Kinder oder hyperpassive Eltern?

Vor einigen Tagen las ich im Internet einen sogenannten „Bewusstseinsinhalt“, der besagte: „Es gibt mehr hyperpassive Eltern als hyperaktive Kinder.”  Da kam ich ins Grübeln und entschied mich dazu, einen Artikel über dieses Thema zu schreiben. Ich fand, dass es interessante Ansätze gab, die ich gern mit dir teilen möchte.

Es ist allseits bekannt, wie viele falsche ADS oder Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)-Diagnosen es bei Kindern gibt, die sich im Unterricht aufführen, ihre Aufgaben nicht erledigen, zu zappelig, unruhig usw. sind. Daneben nörgeln sie mehr als andere Kinder herum, was als Symptom dieser Krankheit abgetan wird und Eltern oder Lehrer glauben lässt, dass diese Kinder, die deren Erwartungen nicht erfüllen können, ein Problem oder eine psychische Störung haben.

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Eltern solcher Kinder suchen mehrere Psychologen und Spezialisten auf mit der Hoffnung, ihr Kind als hyperaktives Kind zu diagnostizieren, um sie ruhigzustellen, und das schlimmstenfalls mit Hilfe von Medikamenten. Und auf diese Weise handeln Eltern „hyperpassiv”.

Zu beschäftigte oder besorgte Eltern

Mütter und Väter verbringen natürlich nicht den ganzen Tag vorm Fernseher oder am Handy. Viele haben neben ihrer Hausarbeit noch mehr als einen Job außerhalb der eigenen vier Wände. Sie haben im Alltag keine Minute für sich, sind Tag ein Tag aus gestresst, rennen von einem Termin zum anderen, sind zu beschäftigt (und ihre Kinder auch) und kommen spät und erschöpft am Abend zu Hause an. Sie verbringen wenig Zeit mit ihren Kindern und in dieser wenigen Zeit verhalten sie sich passiv.

Eltern und Kinder haben so wenig Energie, wenn sie nach Hause kommen, dass sie keine Lust mehr haben, auf der Straße zu spielen, zusammen zu kochen; es gibt einfache keine Zeit, um im Haus verstecken zu spielen, zusammen im Bett herumzualbern, Türme aus Bausteinen zu bauen, zu singen oder zu tanzen, zusammen zu lachen, Geschichten mit Puppen oder Kuscheltieren zu erfinden, Geschichten zu erzählen, etc.

Die Technologie und flimmernde Bildschirme haben diese gemeinsame Zeit übernommen. So haben Kinder keine Möglichkeit mehr, Energieressourcen aufzutanken und sie leiden sogar unter Angstzuständen, Stress oder sind übermäßig traurig, gelangweilt oder erschöpft. Und mit der Zeit beginnen ihre Eltern, sich wegen dieser Symptome zu sorgen.

„Eltern wirklich glücklicher Kinder findet man nicht so oft in Bars.”

Adolph Kolping

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Mehr Zeit mit unseren Kindern stärkt die Bindung

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es die Freude wert ist, trotz der strapazierten Nerven, Zeit mit unseren Kindern zu verbringen, um zu spielen und wenigstens während ihrer Kindheit da zu sein. Deshalb ist es notwendig, sich abhängig von ihrem Alter und ihren persönlichen Bedürfnissen zu bemühen, nach anderen Wegen zu suchen, um ihnen Zeit zu widmen. Es ist nie zu spät, um das zu ändern.

„Jeden Tag unseres Lebens verwahren wir Erinnerungen im Gedächtnis unserer Kinder.”

Charles Swindoll

Denn es gibt weder so viele hyperaktive Kinder, noch Kinder mit Verhaltensproblemen, sondern noch zu viele hyperpassive Eltern, die nicht wirklich die elterliche Verantwortung übernehmen. Auch wenn sie das vielleicht tun, scheint es doch so, als würden sie sich nicht im Klaren darüber sein, was alles dazu gehört, wie viel Energie es kostet, Zeit mit seinen Kindern zu verbringen und sich um ihre Bedürfnisse zu kümmern.

Doch für all die investierte Zeit erhält man ein Gefühl von Zufriedenheit, Glücksmomente und eine gestärkte Eltern-Kind-Bindung, die zweifellos die Grundlage einer positiven psycho-emotionalen Entwicklung ist. Wenn etwas daheim nicht so läuft, wie wir es uns vorstellen, oder wir vermuten, dass unser Kind ein Problem hat, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, umzudenken und die Bindung zu unserem Kind zu reparieren.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von JrCasas

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