Der Mensch hinter der Diagnose

27. Januar 2017 en Psychologie 359 Geteilt

Wer eine schwerwiegende Diagnose erhält, fühlt sich, als hätte sich innerhalb eines klitzekleinen Augenblicks alles geändert, als läge gestern Jahre zurück. Mit der Macht der Worte hat jemand einen Wendepunkt in ihrem Leben geschaffen.

Unter den Tieren heißt es, fressen oder gefressen werden, unter den Menschen, definieren oder definiert werden.

Thomas Szasz

Menschen, die so diagnostiziert wurden, kommen sich so vor, als hätte man ihnen schwere Steine auf den Rücken gelegt. Sie müssen nicht nur ihre persönlichen Probleme tragen, sondern sich auch noch an ihre neue Bezeichnung gewöhnen. Dieses Gewicht und diese Neuanpassung sind sehr anstrengend für einen Menschen.

Manchmal kommt es dieser Person so vor, als wäre die Diagnose schwerwiegender, als sie tatsächlich ist. Dass sie Leben genommen hat und zu einem Monster wird, das alles auffrisst. Sie fühlt sich vielleicht wie ein Fremder im eigenen Körper, erkennt sich in der Persönlichkeit und dem Sein nicht wieder.

Mit der Diagnose leben

Diese neue Realität mit all ihren Veränderungen anzunehmen, ist keine leichte Aufgabe. Zuerst entsteht eine Realität, die sich in den Köpfen einnistet, ohne eingeladen worden zu sein.

daemon

Wenn du dem Monster Angesicht zu Angesicht gegenüberstehst, kannst du dich entscheiden, ob du es umarmen und lernen willst, mit ihm zu leben, oder ob du in einem endlosen Kampf weiterleben willst. Die Verantwortung darüber, wie du mit dieser Situation umgehst, liegt ganz allein bei dir.

Mit der Bezeichnung zu leben und sich ihrer Bedeutung voll und ganz bewusst zu werden, ist schwierig und braucht Zeit.

Erfahrung ist, was du aus dem machst, was dir zustößt.

Aldous Huxley

Alles und nichts ändert sich

So wie die Jahreszeiten für Pflanzen sind, so ist eine Diagnose für einen Menschen. Wie ein Wald, der im Laufe der Monate Blätter bildet, die dann die Farbe wechseln und herabfallen. Aber der Baum steht fest.

Manchmal mag sich die Person so fühlen, als blieben das Land und die Bäume die gleichen. Mit der Zeit mag es ihr jedoch so vorkommen, als ändere sich die Farbe der Blätter, als fielen sie zu Boden und andere würden geboren. Der Baum mag immer noch da sein, aber er kann auch gefällt worden und für immer verschwunden sein. Trotz all dieser oberflächlichen Veränderungen bleibt eine Sache gleich und das ist die Tatsache, dass man immer einen Fleck braucht, an dem man wachsen kann.

wald

Das Gleiche, was im Wald passiert, passiert auch mit der Person. Das Wort ändert die Person und ändert sie gleichzeitig nicht. Es gibt einen Teil des Lebens, der nun anders ist. Allerdings gibt es auch einen tiefergehenden Aspekt, der sich nicht verändert und immer da sein wird.

Ich bin nicht die Diagnose

Manchmal kann die Diagnose den Menschen überdecken. Wir hören Sätze wie: „Sie ist depressiv“,  oder, „sie ist schizophren.“  Solche Phrasen werden nicht nur falsch benutzt, sondern fördern eines der größten Probleme, die mit mentalen Krankheiten einhergehen, das Stigma.

Diagnosen werden oft wie unveränderliche Charakterzüge benutzt. Eine Diagnose ist keine Eigenname, eine Person heißt nicht depressiv oder schizophren. Auch nicht bipolar oder essgestört. Menschen sind keine Diagnose, Bezeichnung oder Worte. Es kann sein, dass sich eine Störung zu jeder Zeit zeigt, aber das heißt nicht, dass die Person zur Störung selbst wird und aufhört, sie selbst zu sein.

Es gibt ein einziges Gesicht hinter dem Wort

Die Diagnose hängt immer mit einem Gesicht zusammen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Diagnosen einfach nur eine Reihe von Symptomen sind, die eine Aussage über die Krankheit und nicht über die Person machen. Sie gibt uns allgemeine Informationen darüber, was der leidenden Person widerfährt, aber sagt nicht mehr über diese aus.

wolf

Trotz unserer Ähnlichkeiten ist jeder von uns einzigartig. Wir haben alle einen Namen, eine Persönlichkeit, einen Geschmack, Hobbies und bestimmte Eigenschaften, die uns vom Rest unterscheiden. Eine Diagnose wird niemals Informationen über diese Besonderheiten geben, die wir Stück für Stück entdecken sollten.

Eine sichere Diagnose ist wichtig. Sie vermittelt nützliche Informationen auf professionellem Level, gibt uns aber nicht alle notwendigen Informationen zu dem Patienten. Wir dürfen nie vergessen, dass hinter jeder Bezeichnung ein einzigartiges Gesicht steckt, ein Mensch, der fühlt und viel mehr als nur Worte ist.

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