Das Gehirn eines Optimisten funktioniert anders

· 4. Dezember 2018

Das Gehirn eines Optimisten fokussiert, verarbeitet und versteht die Realität anders. Diese Fähigkeit, Lichtstrahlen zu sehen, wo für andere nur weiße Wände und geschlossene Fenster zu erkennen sind, entstammt einer sehr spezifischen Region des Gehirns, die darauf trainiert ist, Offenheit, Flexibilität, Belastbarkeit und täglichen Stress besser zu bewältigen.

Stimmt es also, dass sich das Gehirn einer optimistischen Person von dem einer pessimistischen Person unterscheidet? Nun, es sollte gesagt werden, dass anatomisch (und wie erwartet) kein Unterschied zwischen dem einen und dem anderen besteht. Alle Menschen haben die gleichen Gehirnstrukturen und Regionen. Der Schlüssel besteht nur darin, wie all diese Reaktionen aktiviert und miteinander verbunden sind.

Unser Gehirn ist schlussendlich nur die Reflexion dessen, was wir sind, was wir tun, was wir denken und wie wir uns unserem Leben stellen. Es ist zum Beispiel bekannt, das chronischer Stress und ein hoher Kortisolspiegel über einen längeren Zeitraum Veränderungen in den Strukturen der Amygdala und des limbischen Systems – hier vor allem des Hippocampus – hervorrufen. Unser Gedächtnis versagt, unser Aufmerksamkeitsniveau sinkt und unsere Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, nimmt ab.

Dieses sensationelle Organ, das ohne Zweifel den Erfolg unserer Evolution als Spezies widerspiegelt, hat jedoch nach wie vor seine Grenzen. Es arbeitet nicht immer so effektiv, wie wir es uns wünschen würden, und tatsächlich weiß man, dass es Menschen gibt, die genetisch prädisponiert sind, an Depressionen und Angststörungen zu leiden. Andere wiederum spiegeln, aufgrund einer gegebenen Kombination aus Genetik, Erziehung und Bildung sowie der Integration persönlicher Instrumente zur Bewältigung, Einstellungen wider, die resilienter und widerstandsfähiger gegenüber Stress sind.

Mit all dem wollen wir etwas sehr Simples vermitteln: Das Gehirn weist eine erstaunliche Plastizität auf und wir alle können es innerhalb unserer Möglichkeiten trainieren, um eine optimistischere Perspektive auf die Welt zu entwicklen.

„Optimismus ist die Basis des Muts.“

Nicholas M. Butler

Gehirn mit bunten Farben

Das Gehirn eines Optimisten: Man hat es oder man macht es?

Die meisten von uns kennen diese Art von Menschen, die unerschütterlichen Optimisten. Jene, die scheinbar keine Schwierigkeiten sehen, wenn sie ein Problem haben, diejenigen, deren positive Einstellung selbst in den schlimmsten Momenten nicht nachlässt, und diejenigen, die die Fähigkeit besitzen, andere mit ihrer Begeisterung auch noch anzustecken. Aber wie machen sie das?  Kamen sie bereits mit diesem Optimismus zur Welt? Oder sind sie vielleicht das Ergebnis jahrelanger Coachings in positiver Psychologie?

Studien wie jene, die am Kings College in London (England, Vereinigtes Königreich) durchgeführt wurden, zeigen uns etwas sehr Interessantes zu diesem Thema und zu dieser Frage. Die positive Einstellung ist nur zu etwa 25­ % genetisch vorgegeben, das heißt, wir erben diesen geringen Prozentsatz von unseren Eltern. Der Rest, ob wir es wollen oder nicht, hängt von uns selbst, unserer persönlichen Einstellung, unserem Fokus und unserer Entschlossenheit ab.

In der Tat sagen uns Fachleute wie Dr. Leah Weiss, Professor an der Stanford University (Kalifornien, USA), dass es tatsächlich Menschen gibt, die von Natur aus optimistisch seien. Dennoch entscheide der Mensch, welche Einstellung er gegenüber Problemen einnehmen wolle und welche Mechanismen angewendet werden müssen, um eine Änderung zu bewirken.

Glückliche Frau mit Brille genießt die Sonne im Gesicht

Wie sieht das Gehirn eines Optimisten aus und worin unterscheidet es sich von dem eines Pessimisten?

Bevor wir definieren, wie das Gehirn eines Optimisten aussieht, müssen wir einige Aspekte verstehen. Erstens ist Optimismus nicht das gleiche wie Glück. Tatsächlich umfasst die optimistische Einstellung all jene Strategien und Fähigkeiten, die unsere Lebensqualität verbessern können. Der Optimismus umfasst sozusagen eine Reihe von Fähigkeiten und Neigungen, die das Erreichen des Glücks erleichtern. 

Diese positive Einstellung, die das Gehirn eines Optimisten widerspiegelt, ergibt sich zuallererst aus einer Fähigkeit: den Stress des Alltags bewältigen zu können. Wir haben es also hier nicht mit einer Art von Persönlichkeit zu tun, die das Gesicht vor den Schwierigkeiten und Unklarheiten des Lebens abwendet. Ganz im Gegenteil, diese Menschen sehen sie und nutzen sie zu ihrem Vorteil.

Ihre optimistische Vision ermöglicht es ihnen, Gefühle der Traurigkeit besser bewältigen zu können. Sie sind resistenter gegenüber Angststörungen und Depressionen und verfügen über effektivere Fähigkeiten, um starke und befriedigende Beziehungen aufzubauen.

Das Gehirn eines Optimisten und die linke Gehirnhälfte

Dr. Richard Davidson, Direktor des Affective Neuroscience Laboratory an der University of Wisconsin (Wisconsin, USA), führte eine Reihe von Studien durch, und konnte schließlich etwas so Auffälliges wie Aufschlussreiches demonstrieren. Daniel Goleman selbst erklärt diese Resultate in einem seiner Artikel: Wenn die Menschen verzweifelt, wütend, ängstlich, verärgert oder frustriert seien, würden die Amygdala und der rechte präfrontale Kortex stark aktiviert. Doch jene Personen, die sich durch positivere Gemütszustände, optimistischere Einstellungen, Enthusiasmus und mehr Energie kennzeichnen, zeigen eine intensivere Aktivität im linken präfrontalen Kortex.

Diese Untersuchung zeigt, dass die positiven Emotionen die linke Hemisphäre stärker aktivieren; es findet also eine Lateralisierung statt. In diesem Sinne sagt Dr. Davidson selbst: „Nach der Durchführung zahlreicher Studien über den Zusammenhang zwischen der Aktivität des Frontallappens und den Emotionen konnten wir feststellen, dass ein großer Teil der Menschen optimistisch ist. Bei denjenigen, die eine größere Neigung zum Unglück, zur Depression oder zu großer Angst haben, erkennen wir eine stärkere Aktivierung in der rechten Hemisphäre des Gehirns.“

Trauriger Mann, der sich eine Hand ins Gesicht hält

Um abzuschließen, möchten wir noch auf eines hinweisen, womit Daniel Goleman die meisten seiner Bücher und Artikel selbst kommentiert: Wir alle können eine positivere, offenere und flexiblere Einstellung entwickeln. Wir müssten nur lernen, besser mit Stress umzugehen, sowie mit unseren Emotionen, um diese zu unseren Gunsten zu nutzen. Fokussieren wir unseren Blick und richten wir ihn in Richtung des Horizonts.